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22.11.2016

14:57 Uhr

Versicherungen

Kein Abschied von der Provision

VonFrank Matthias Drost, Katharina Schneider

Jubel bei Versicherern, Ärger bei Verbraucherschützern: Laut einem Gesetzentwurf dürfen Provisionen weiterhin nicht an Kunden weitergereicht werden. Die Verbraucherzentrale wettert und spricht von „Protektionismus“.

Geht es nach dem Gesetzgeber, bleibt das Provisionsabgabeverbot bestehen. obs

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Geht es nach dem Gesetzgeber, bleibt das Provisionsabgabeverbot bestehen.

Berlin/FrankfurtDie Revolution bleibt aus. Das Bundeswirtschaftsministerium will den Entwurf zur Umsetzung der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) eins zu eins in deutsches Recht umsetzen. Damit bleibt das bestehende Abgabeverbot für Provisionen erhalten. „Versicherungsunternehmen und Versicherungsvermittlern (…) ist es untersagt, Versicherungsnehmern, versicherten Personen oder Bezugsberechtigten aus einem Versicherungsvertrag Sondervergütungen zu gewähren oder zu versprechen“, lautet eine zentrale Passage des Gesetzentwurfs. Zu den Sondervergütungen zählen Provisionen, Sach- und Dienstleistungen sowie eine Rabattierung auf Waren und Dienstleistungen, sofern diese einen Gesamtwert von 15 Euro übersteigen.

Der Branchenverband GDV atmet auf. Das Provisionsabgabeverbot stelle sicher, „dass auch künftig die langfristigen Bedürfnisse des Kunden im Mittelpunkt des Beratungsgesprächs stehen, nicht mögliche kurzfristige finanzielle Vorteile durch die Beteiligung an Provisionszahlungen“, so der GDV. Für die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) ist der Erhalt des Status quo „Protektionismus in Reinform“. „Die Versicherungswirtschaft reagiert auf die Verbraucherbedürfnisse des 21. Jahrhunderts mit einem Vergütungsmodell aus dem 19. Jahrhundert“, kritisiert vzbv-Versicherungsexperte Lars Gatschke.

OLG-Urteil: Moneymeets darf Provisionen teilen

OLG-Urteil

Premium Moneymeets darf Provisionen teilen

Das Oberlandesgericht Köln hat am Freitag ein Urteil verkündet, das die alte Zunft der Versicherungsmakler ärgern dürfte. Das Provisionsabgabeverbot soll nicht mehr gelten. Doch der Branche droht noch größeres Ungemach.

Auch Johannes Cremer, Gründer des Fintechs Moneymeets, wünscht sich die Abschaffung des Provisionsabgabeverbots. Vor gerade mal zehn Tagen hatte das Oberlandesgericht (OLG) Köln dem Provisionsabgabeverbot in einem Urteil eine klare Absage erteilt (Az.: 6 U 176/15). Moneymeets – an dem die Verlagsgruppe Handelsblatt beteiligt ist – überlässt seinen Kunden die Hälfte der Maklercourtage, wenn sie dem Fintech den Maklerauftrag übertragen. Dagegen hatte der Makler Harald Banditt geklagt – und war erst vor dem Kölner Landgericht und dann auch vor dem OLG gescheitert.

Das Provisionsabgabeverbot, das seinen Ursprung im Jahr 1934 hat, sei nicht zeitgemäß und diene nicht dem Ziel des Verbraucherschutzes, so die Richter. Die Berufung des Maklers wies das OLG zurück. Begründung: Das Provisionsabgabeverbot stelle heute keine Marktverhaltensregel mehr dar.

Insurtech-Geschäftsmodelle im Vertrieb

Direktvertrieb

Versicherungsprodukte werden teils digital vertrieben, etwa von HUK24 und Cosmos Direkt.

Generalistenvergleichsportale

Vergleichsrechner sollen dem Kunden beim Sparen helfen (z.B. Check24, Verivox).

Spezialisierte Vergleichsportale

Neue Portale fokussieren auf einzelnen Bereichen wie Reise (Covomo) oder Sterbegeld (Comparon).

Affiliate Integration

Versicherungen werden an Hauptleistungen geknüpft – etwa die Police zum Smartphone (z.B. Assona).

Finanzportale

Finanzprodukte und Versicherungen in der digitalen Versicherungsakte verwalten (z.B. Moneymeets, Feelix, Treefin).

B2C-Online-Makler

Sie wollen den traditionellen Makler ersetzen und bieten einen Produktvergleich für Privatkunden (z.B. Asuro, Clark, Getsafe, Knip).

B2B-Online-Makler

Erste Portale richten sich auch an Freiberufler und Unternehmer (z.B. Finanzchef24, Gewerbeversicherung24).

„Lebensdigitalisierer“

Über die Cloud hat er Kunde Zugriff auf seine Verträge (z.B. Dropbox, Evernote).

Quelle

Erster Insurtech-Radar der Unternehmensberatung Oliver Wyman und dem Versicherungsvermittler Policen Direkt (August 2016).

„Der Gesetzentwurf hat mich nicht sonderlich überrascht, wahrscheinlich wurde die Urteilsbegründung des OLG Köln dabei noch gar nicht berücksichtigt“, sagt Moneymeets-Gründer Cremer. „Wir sehen diesen ersten Entwurf gelassen und werden nun in einer Stellungnahme begründen, warum der Gesetzgeber nicht am Provisionsabgabeverbot festhalten darf.“ Falls das nicht helfe, sei auch eine Beschwerde gegen die Bundesrepublik bei der EU-Kommission denkbar. „Protektionismus zugunsten der Versicherer und ihrer Vertriebsstrukturen muss ein Ende haben“, so Cremer.

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