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25.03.2013

17:38 Uhr

Versicherungen

Kleinkrieg unter Verbraucherschützern

VonJens Hagen

Beim Bund der Versicherten eskaliert ein Streit unter den Führungskräften. Der Ex-Vorstandschef Axel Kleinlein erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen seinen ehemaligen Verein. Kleinlein gilt als härtester Branchenkritiker.

Axel Kleinlein, Ex-Vorstandschef des Bundes der Versicherten. Frank Beer für Handelsblatt

Axel Kleinlein, Ex-Vorstandschef des Bundes der Versicherten.

DüsseldorfDie Nachricht schlug bei Verbraucherschützern und Versicherern wie eine Bombe ein. Am vergangenen Freitag teilte der Aufsichtsrat beim Bund der Versicherten in einigen dürren Sätzen mit, dass sein Vorstandsvorsitzender Axel Kleinlein „mit sofortiger Wirkung“ wegen „unterschiedlichen Auffassungen über die inhaltliche und personelle Ausrichtung“ aus dem Vorstand ausscheide.

Nach dem obligatorischen Dank für „die in den letzten Jahren geleistete Arbeit“ präsentierte das Gremium den – weitgehend unbekannten – Nachfolger Tobias Weissflog, der vorher als Abteilungsleiter beim BDV aktiv war.

Verbraucherschützer: „Die Versicherer haben in der Altersvorsorge versagt“

Verbraucherschützer

„Die Versicherer haben in der Altersvorsorge versagt“

Der Verbraucherschützer Axel Kleinlein gilt als schärfster Kritiker der Branche. Im Interview verrät er, warum Lebensversicherungen, Riester- und Rürup-Rente nichts taugen und mit welchen Allianz-Vorständen er sich duzt.

Die Nachricht war deshalb so brisant, weil Kleinlein als der vielleicht schärfste Kritiker der Versicherer gilt. Kleinlein, Kolumnist bei Handelsblatt Online, erklärte noch im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem Handelsblatt, die Versicherer hätten „in der Altersvorsorge versagt“.

Kleinlein ist ausgebildeter Versicherungsmathematiker, besitzt ausreichend Fachwissen und Schlagfertigkeit, um der Branche in zahlreichen Diskussionsrunden in Presse und Fernsehen regelmäßig die Leviten zu lesen. Sprecher der Versicherer und deren Verbände wehrten sich mit allen Mitteln gegen die Kritik. Der Bund der Versicherten entwickelte sich unter seiner Ägide von einem eher verschlafenen Verein zum Wortführer in den Medien und einer modernen Verbrauchervertretung.

Der plötzliche Abgang wird jetzt zur Zerreißprobe für den Verein. Kleinlein erklärt in einer Mitteilung an die Presse, dass die Darstellung seines alten Arbeitgebers nicht stimme. „Über die inhaltliche Ausrichtung zum offensiven Verbraucherschutz bestand stets Konsens“, schreibt Kleinlein. Und: „Über die personelle Ausrichtung gab es jedoch tatsächlich Dissens, da der Aufsichtsrat wiederholt versuchte bestimmte personelle Entscheidungen zu erzwingen“. Das stelle laut Kleinlein einen „satzungswidrigen Eingriff in die Geschäftsführung“ dar.

Kommentare (12)

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thinktank

25.03.2013, 18:34 Uhr

Keine Hähme,
auch wenn Kleinlein mit recht einseitigen Kritiken gegenüber der Versicherungsbranche oftmals an möglicherweise sachgerechten Lösungen vorbeischießt, ist (war) er ja qua Funktion dazu berechtigt und wohl auch qualifiziert. Auch bei sog. Verbraucherschützern muss man nach dem "wem nützt es?" fragen. Wenn ich mich recht erinnere, wurde der "Bund der Versicherten" einst von einem ehemaligen Allianzvertreter gegründet. Ein Schelm, der böses dabei denkt. Herr Kleinlein hat seine Funktion und die seines Vereines wohl zu ernst genommen. - Wenn ich dem Bund der Versicherten unter der Führung von Herrn Kleinlein das Recht auf eine einseitige Sichtweise einräume, kann ich den Kampagnen-Journalismus des Handelsblatt-Online nicht gutheißen. Hier möchte ich nach alter journalistischer Tradition die Nachricht von der Meinung getrennt wissen. Letztere sollte Pro- und Contra Argumente ausgewogen darstellen (notfalls in zwei Kommentaren) - Warum kommt die Meldung zu Herrn Kleinleins Ausscheiden eigentlich erst jetzt? - Die Meldung ist in anderen Publikationen bereits vor drei Tagen zu finden. - Befanden sich die Kreuzritter der Redaktion in Schockstarre?

ulge

25.03.2013, 19:07 Uhr

Wer Mitglied im BdV ist kann seinen Antrag auf Einberufung einer
außerordentlichen Mitgliederversammlung schriftlich an den

Betriebsrat des
Bund der Versicherten e. V.
Tiedenkamp 2
24558 Henstedt-Ulzburg

schicken. Der Postweg scheint nötig!

Ulrich Jansen

Der_Techniker

25.03.2013, 20:33 Uhr

Zu den Interna eines Vereins kann man als Aussenstehender sicher wenig sagen.
Wie dem auch sei hoffe ich, daß Herr Kleinleins Kolumnen erhalten bleiben. Ich lese sie immer mit großem Interesse und muß häufig auch schmunzeln, wenngleich das Thema (das Geschäft mit der Angst), durchaus ein ernstes ist.

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