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12.09.2016

10:49 Uhr

Versicherungen

Kunden wollen mehr Bargeld schützen

Der Chef des Rückversicherers Munich Re hatte für Aufsehen gesorgt, als er sagte, das Unternehmen wolle Geldscheine und Gold horten. Tatsächlich klettert die Nachfrage nach Versicherungen für große Bargeldbestände.

Vor allem der 1000-Franken-Schein ist beliebt, um Bargeld zu lagern. dpa

Verpackte Franken-Scheine

Vor allem der 1000-Franken-Schein ist beliebt, um Bargeld zu lagern.

ZürichIm März hatte Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard für Aufsehen gesorgt. Der Versicherer bunkere einen zweistelligen Millionenbetrag in bar, um den negativen Einlagezinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu entkommen. „Wir probieren das jetzt einfach mal aus. Daran sehen sie, wie ernst die Situation ist“, sagte er. Auch Gold solle in den Tresor gelegt werden.

Was einst ziemlich skurril wirkte, entwickelt sich langsam zur Norm in einer Zeit negativer Zentralbank-Zinsen. Banken und Versicherungen, die bei der EZB Geld parken, zahlen 0,4 Prozent Einlagezins statt Geld dafür zu kassieren. In der Schweiz liegt der entsprechende Zins sogar bei minus 0,75 Prozent. In der Schweiz schließen immer mehr Unternehmen Versicherungen ab, um ihre Bargeldberge vor Diebstahl oder Schaden zu schützen.

„Aufgrund des tiefen Zins-Niveaus stellen wir eine höhere Nachfrage nach Versicherungslösungen für das Einlagern von Bargeld fest“, sagte Philipp Surholt von Zurich Insurance. „Die angefragten Versicherungssummen bewegen sich im Rahmen von 100 bis 500 Millionen Franken.“

Was für das Bargeld spricht

Die Anonymität des Bargelds...

...ermöglicht es den Bürgern, auch den gesetzestreuen, einen Rest Privatsphäre zu bewahren, der nicht der vollständigen Überwachung oder Überwachbarkeit unterliegt.

Die Zinslosigkeit des Bargelds...

...ist der wichtigste Grund, warum die Notenbanken mit ihren Leitzinsen nicht beliebig weit in den negativen Bereich gehen können. Wer die jetzigen Niedrigzinsen der Notenbanken schon als gefährlich oder als eine Form der kalten Enteignung ansieht, wird froh sein, dass das Vorhandensein von Bargeld eine Zinsuntergrenze setzt.

Die gesellschaftlichen Kosten von Bargeld...

....als Zahlungsmittel, also die Kosten bei allen Beteiligten zusammengerechnet, sind nach einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank in den meisten Ländern niedriger als die unbarer Bezahlformen.

Der Insolvenzschutz...

...den Bargeld genießt, weil die Notenbank, die es emittiert, nicht Pleite gehen kann, hebt es vom Buchgeld der Geschäftsbanken ab. Wenn eine Geschäftsbank  insolvent wird, können Buchgeld-Guthaben verloren gehen, oder sie werden, wie im Fall Zypern geschehen, im Zuge der Rettung der Banken zusammengestrichen.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte Anfang 2015 Zinsen unter null eingeführt. Damit verlangt sie praktisch Geld von den Finanzkonzernen für überschüssige Einlagen. Viele Banken wie UBS und Credit Suisse haben zumindest einen Teil der Belastungen an vermögende Kunden wie Asset Manager oder große Unternehmen weitergereicht. Wie viel genau, das legen die Banken nicht offen.

Die SNB versucht zwar, die Aufwertung des Franken zu begrenzen. Doch negative Zinsen entwickeln Nebeneffekte, welche über einen längeren Zeitraum die Vorteile aufwiegen können. Das Risiko beschäftigt möglicherweise die SNB-Währungshüter, wenn sie sich am Donnerstag zur Beurteilung der geldpolitischen Lage treffen. Volkswirte erwarten, dass sie den Zinssatz bei minus 0,75 Prozent belassen werden - das niedrigste Niveau unter allen wichtigen Notenbank.

„Das Dilemma der SNB ist, dass sie es nicht jedem recht machen kann“, sagte Alexander Koch, ein Volkswirt bei der Raiffeisen Schweiz. „Bei ihrem Versuch, das Beste für die Schweizer Wirtschaft herauszuholen, hat sie auch Verlierer und Kollateralschaden verursacht.“

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