Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.10.2014

13:41 Uhr

Versicherungen und Provision

Auslaufmodell Provision?

VonSara Zinnecker

Wer eine Versicherung kauft, bekommt in der Regel nichts ab von der Provision des Vermittlers. Doch Gerichte zweifeln an der uralten Regelung. Immer mehr Anbieter lassen es darauf ankommen – und geben Provisionen weiter.

Provisionen für Versicherungsvermittler sind ein umstrittenes Thema. Getty Images

Provisionen für Versicherungsvermittler sind ein umstrittenes Thema.

DüsseldorfGäbe es auch für die Versicherungsbranche ein Unwort des Jahres, der Begriff „Provision“ hätte es sicherlich bis weit oben in die Auswahl geschafft. Denn mit kaum einer anderen Sache mussten Deutschlands Vermittler sich in diesem Jahr so herumärgern, für kaum etwas anderes mussten sie in diesem Jahr so kämpfen wie für ihre Vergütung. Von allen Seiten hatten Gesetzgeber, Experten und Verbraucherschützer das Provisionsmodell attackiert.

Da gab es zum Beispiel die Forderung, dass Vermittler ihre Abschlussprovisionen offenlegen sollten. Eine Gesetzesinitiative im Sommer konnten die Vertriebler gerade noch stoppen, doch droht aus Brüssel in der Sache bereits neuer Ärger. Daneben versucht Verbraucherschutzminister Heiko Maas derzeit, mit viel Geld auch im Versicherungsbereich die Honorarberatung zu fördern. Vermittler und Kunde würden dabei ihre Vergütung selbst aushandeln – idealerweise würden die Versicherer Nettopreise für die Policen ausweisen. Auch dies ist ein indirekter Angriff auf die provisionsbasierte Vermittlung.

Was Vermögensverwalter zu Provisionen sagen

Rainer Beckmann, GF ficon Financial Consultants

„Die Offenlegung von Provisionen und Kosten schafft aus unserer Sicht Klarheit und Übersicht gegenüber unseren Mandanten, und damit  absolutes Vertrauen.“

Michael Timm, Vorstand TAM

„Als Mitglied des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter e.V. haben wir uns dem Ehrenkodex dieses Verbandes unterworfen. Zu diesem Ehrenkodex und den Grundsätzen einer seriösen Vermögensverwaltung gehört, nur angemessene und transparente Honorare mit den Mandanten zu vereinbaren. Es ist für uns selbstverständlich und gelebte Praxis, dabei auch sämtliche Provisionen offen zu legen.“

Alexander Daniels, Vorstand Knapp Voith Vermögensverwaltung

„Wir haben uns in unserem VV-Vertrag verpflichtet solche Zahlungen nie anzunehmen. Damit haben wir erreicht, dass unsere Kunden sehr niedrige Gebühren/Ausgabeaufschläge etc. zahlen müssen, was sich letztlich auch in der Performance sehr positiv auswirkt. Daher sind wir nicht nur für eine Provisionsoffenlegung, wir sind dafür, dass der VV nur vom Kunden gezahlt wird. Dann ist auch gesichert, dass der Vermögensverwalter ausschließlich die Interessen des Kunden vertritt und nicht einer Bank oder Investmentfond.“

Jörg Bohn, Vorstand Artus Asset Management

„Retrozessionen (zum Beispiel Bestandsprovisionen für Fonds) sind grundsätzlich offenzulegen. Der Vermögensverwalter kann dann entscheiden, ob er diese an den Kunden weitergibt, oder selber vereinnahmt; letzteres muss dann aber vertraglich festgehalten werden.“

Stephan Albrech, Vorstand Albrech & Cie Vermögensverwaltung

„Im Zuge einer gegenüber unseren Kunden nicht nur mit Worten beschriebenen sondern in der täglichen Praxis gelebten Transparenz ist das Thema Provisionsoffenlegung nichts neues für uns. Unsere Kunden sollen wissen, wer womit und vor allem wieviel an ihnen verdient. Damit wir möglichen Interessenkonflikten den Nährboden von vornherein entziehen, legen wir unseren Kunden gegenüber sämtliche erhaltenen Provisionszahlungen offen und verpflichten uns, diese dem Kunden zu erstatten.“

Uwe Eilers, Vorstand Geneon Vermögensverwaltung

„Als Vermögensverwalter legen wir jegliche Gebühren offen. In Vermögensverwaltungsmandaten gibt es grundsätzlich nur das vereinbarte Honorar (zum Beispiel ein Prozent plus Mehrwertsteuer p.a.). Alle Bestandsprovisionen werden durch die Depotbank dem Kunden automatisch gutgeschrieben. Die Depotbankgebühren (Transaktionskosten, Depotgebühr) haben wir niedrig verhandelt. Daraus gibt es keinerlei Vergütung für uns (auch keinerlei Kick-Backs).“

Willi Ufer, GF WerteFinder

„Das Argument, die Offenlegung (von Provisionen) gefährde Arbeitsplätze zeigt nur, dass klar ist, dass bei einer Offenlegung dieser hohen Provisionen, die Kunden von diesen Produkten zu Recht Abstand nehmen werden. Der Wohlstand der Deutschen ist deshalb im Vergleich zu den anderen Europäern so niedrig, weil in keinem anderen Land die Sparer so über den Tisch gezogen werden. Eine sinnvolle Altersvorsorge findet in der Regel in Deutschland nicht statt, da der Durchschnittsdeutsche immer noch in Riesterverträge und Lebensversicherungen getrieben werden, die keine positive Rendite mehr erbringen und die Kapital real vernichten.“

Thomas Abel, GF Honoris Treuhand

„Als unabhängiger Vermögensverwalter würden wir die Verpflichtung zur Offenlegung der Provisionen sehr begrüßen. Nur auf diesem Weg kann ein Kunde erkennen, was ihn die Beratung wirklich kostet. Er wird so in die Lage versetzt, Angebote von verschiedenen Marktteilnehmern mit unterschiedlichen Provisions- oder Honorarmodellen untereinander zu vergleichen. Nur ein solcher Vergleich ermöglicht ihm die betriebswirtschaftliche Entscheidung, welches Produkt- und Beratungsangebot für ihn am sinnvollsten ist.“

Peter Brandstaeter, GF Fonds Laden Gesellschaft für Anleger

„Ich kenne keinen Berufszweig, der seine Einnahmenkalkulation und seine Margen offen legen muss. Warum soll ein Finanzdienstleister anders behandelt werden, als die übrigen 'Gewerbetreibenden'. Dieser Drang nach völliger Provisionsoffenlegung, wie auch der Begriff der "Zuwendungen" für verdiente und erarbeitete Provisionen kommt einem Generalverdacht bzw. einer Kriminalisierung einer ganzen Branche sehr nahe.“

Alexander Berger, Vermögensverwalter

„Provisionsoffenlegung ist für die meisten Verwalter seit Jahren Standard. Sie sind damit deutlich weiter als der Bankbereich. Auf längere Sicht wird sich aber aufgrund der Thematik Provisionsoffenlegung die Honorarberatung durchsetzen.“

Kai Heinrich, Vorstand Plutos Vermögensverwaltung

„Dem Kunden muss jederzeit klar sein, dass eine gute Beratung Geld kostet, allerdings sollte er immer transparent nachvollziehen können, für welche Leistung er welchen Betrag bezahlt. Dies ist notwendig damit der Kunde weiß, ob ein anderes Interesse als eine möglichst gute Beratung/Betreuung im Vordergrund der Empfehlung steht. Wichtig ist, dass für den Kunden klar ist, dass er und sein Berater bei der Zusammenarbeit die gleichen Interessen haben.“

Dr. Marc-Oliver Lux, GF Dr. Lux & Präuner

„Provisions-Offenlegung ist eine Selbstverständlichkeit. Der Kunde soll natürlich darüber aufgeklärt werden, was er bezahlen muss. In der Hinsicht war Vermögensverwaltung schon immer transparent. Im Gegensatz zu geschlossenen Fondskonzepten, bei denen interne Verwaltungskosten gern mal im Verkaufsprospekt versteckt wurden, sind in der Vermögensverwaltung Produkt- und Verwaltungskosten und auch eventuelle Drittprovisionen offen kommuniziert worden.“

All das liegt den Vermittlern also im Magen. Doch es könnte noch schlimmer kommen. Denn jetzt versuchen auch Vermittler aus den eigenen Reihen, das gängige Provisionsmodell zu unterlaufen – und das nicht länger hinter vorgehaltener Hand. Genauer gesprochen missachten sie das sogenannte Provisionsabgabeverbot. Die Regelung aus den 1930er Jahre untersagt es Versicherungsvermittlern, „Sondervergütungen“ an Kunden weiterzureichen. Bis heute argumentieren Vermittler, dass sie nur so die Provisionen für Kunden stabil halten können.

Allerdings hegt mittlerweile auch die Rechtsprechung große Zweifel an der historischen Verordnung. Wolle man daran festhalten und in die Berufsfreiheit der Vermittler eingreifen, müsste man eigentlich viel klarer formulieren, urteilte das das Frankfurter Verwaltungsgericht Ende 2011. In der jetzigen Form sei das Verbot zu unbestimmt – und damit unwirksam (Az. 9 K 105/11.F). Die Richter gingen soweit, die Verfassungsmäßigkeit der Verordnung anzuzweifeln.

Zu einer höchstrichterlichen Entscheidung ist es allerdings nie gekommen. Die Aufsichtsbehörde Bafin, die das Provisionsabgabeverbot offiziell kontrolliert, hatte nach verlorenem Prozess auf eine Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht verzichtet. Vielleicht befürchtete sie, auch dort zu verlieren – damit wäre das Abgabeverbot offiziell vom Tisch gewesen. Stattdessen herrscht seither Rechtsunsicherheit. Von der Bafin hieß es im Anschluss an das Urteil nur, man wolle „Verstöße gegen das Provisionsabgabeverbot nicht ahnden.“

Seither nun sehen immer mehr Vermittler die Chance gekommen, es einfach einmal darauf ankommen zu lassen – und Kunden einen Teil des Provisionskuchens abzugeben. Für Kunden wird die Police dadurch günstiger, der Vermittler kann im Gegenzug auf Neukunden hoffen. Experten, die die Branche im Blick haben, berichten von immer mehr Angeboten im Netz, wo kleinere Vermittler anbieten, etwas von der Provision abzutreten. Andere Anbieter gehen offensiver vor.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Stephan auchstephan

15.10.2014, 14:29 Uhr

Die Debatte um die Provisionen halte ich für unangemessen.

Es wird immer gerne vergessen, dass der Vermittler davon nicht nur leben muss, sondern auch seine Kosten tragen muss in all den Fällen, wo er zwar Kosten hat und Zeit investiert, aber keinen Abschluss macht.
Zusätzlich gibt es die "Stornohaftung". Der Vermittler muss also einen Teil der Provision zurückzahlen, wenn der Vertrag vom Versicherungsnehmer in einer bestimmten Zeit gekündigt wird.Er wird aber kaum die weitergegebene Provision zurückerhalten. Er bekommt also, simples Beispiel, 500 Euro Provision Brutto. Davon gibt er 100 weiter. Steuerlich absetzen kann er das nach meinem Wissen nicht, da die weitergabe ja nicht legitim ist. Also versteuert er 500 Brutto, so das wir mal bei angenommenen 40% Gesamtabzügen bei 300 Netto bleiben. Davon gingen 100 an den Kunden, bleiben ihm 200.
1 Jahr später kündigt der VN wegen Arbeitslosigkeit und die Versicherungsgesellschaft fordert anteilig 400€ Provision zurück... Na besten Dank...

Desweiteren schadet das am Ende am meißten den Versicherungsnehmern. Ein Vermittler muss von der Vermitllung leben, und die wenigsten werden damit reich. Wenn nun jeder Kunde irgendwann 20% als seinen Anteil von der Provision erwartet, werden einfach die Provisionen erhöt werden müssen. Die der Kunde wiederum mit seinen Beiträgen finanziert.

Und als Abschlussfrage: Wieviel zahlt mir das Handelsblatt dafür, dass ich seine Dienste in Anspruch nehme? Nichts? Warum nicht, ich denke man sollte sich von seinem Dienstleiter dafür bezahlen lassen, dass man seine Dienste in Anspruch nimmt?

Herr Paul Müller

15.10.2014, 15:30 Uhr

@auchstephan
Sie sehen das nur aus ihrer Sicht als Vermittler.
Aus Sicht des Kunden sieht das so aus: Wenn der Vermittler einen Teil der Provision abgibt, vermindert das die Kosten des Versicherungsnehmers. Wenn er Vermittler das nicht kann oder will, sind entweder seine Kosten zu hoch, oder er ist zu gierig. Ich sehe nur Vorteile für den Versicherungskunden.

Herr patrick Munz

15.10.2014, 16:46 Uhr

Herr Müller, wie funktionieren Versicherungen aus ihrer sicht?das vu zahlt alle Schäden, der AD verkauft umsonst,und der VN bekommt Police und Kaffee umsonst? Wegen gierigen Kunde. Wie Ihnen,die zuerst einen Vermittler zu Rate ziehen,dann online bei Check 24 abschliessen, sich gegen jeden Beitrag sträuben und sich dann auch noch über die Beiträge aufregen? Wegen solchen discounter VNS konnten die schwarzen Schafe unserer Branche erst entstehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×