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18.04.2013

12:56 Uhr

Versicherungen

Wenn wirklich gar nichts mehr geht

VonJens Hagen

Der private Schutz vor Berufsunfähigkeit ist ein Muss. Doch eine Studie zeigt: Ein großer Teil der Anträge und Leistungsfälle wird abgelehnt. Wann Versicherer ihre Kunden im Stich lassen und welche Policen etwas taugen.

Hände aus Gips und Gliedmaßen aus Silikon: Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Im Leistungsfall gibt es aber immer wieder Ärger mit dem Versicherer. dpa

Hände aus Gips und Gliedmaßen aus Silikon: Berufsunfähigkeit kann jeden treffen. Im Leistungsfall gibt es aber immer wieder Ärger mit dem Versicherer.

DüsseldorfSie sind der Kummerkasten für Versicherte. Versicherungsberater und Verbraucherschützer leben davon, Versicherten bei ihren Problemen mit den Gesellschaften zu helfen. Oft geht es um ernste Themen: Versicherer weigern sich, die fünfstellige Krankenhausrechnung zu zahlen, Invalide ringen mit dem Versicherer um ihre Berufsunfähigkeitsrenten. Bei schwerer Krankheit geht es fast immer auch um einen möglichen Abstieg ins soziale Abseits.

Jetzt dürfen auch die Berater einmal ihr Herz ausschütten. Das Bundesjustizministerium fragte Verbrauchervertreter, was sich ändern müsste, damit Versicherer ihre Kunden im Leistungsfall nicht mehr hängen lassen. Stimmen aus dem Verbraucherlager raunen, kritische Fernseh- und Presseberichte, unter anderen auch von Handelsblatt Online, könnten bei Ministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger Betroffenheit geweckt haben.

Versicherungen: „Bei jeder dritten Police droht die Ablehnung“

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In den Policen der Deutschen schlummern ungeahnte Risiken, erklärt Versicherungsberaterin Angela Baumeister. Warum die meisten Kunden falsche Angaben machen, was Tricksern droht und wie Versicherer Betrügern nachstellen.

Politische Unterstützung wäre dringend geboten. Denn Probleme bei Berufsunfähigkeitspolicen sind schon lange bekannt. Kundenvertreter bemängeln etwa, dass Interessenten, die schwer erkrankt sind, gar keinen ausreichenden Versicherungsschutz vereinbaren können.

Viele Anträge werden falsch ausgefüllt, vor allem Gesundheitsfragen stimmen nicht. „Nach meiner Erfahrung sind die Angaben der Versicherten in 70 Prozent der bestehenden Berufsunfähigkeits-Policen fehlerhaft“, sagt etwa Versicherungsberaterin Angela Baumeister aus Kaarst „In jedem dritten Fall könnte das im Ernstfall eine Ablehnung der Leistungen rechtfertigen, wenn die Gesellschaft prüfen würde“.

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Auch Tricksereien der Gesellschaften bei der Fallbearbeitung sorgen häufig für Aufsehen in Funk und Fernsehen. „Als fair würde ich keinen Versicherer bezeichnen“, erklärte etwa Rechtsanwältin Beatrix Hüller im Interview mit Handelsblatt Online. Insider berichten davon, dass Gesellschaften pauschal Leistungsanträge ablehnen, jahrelang auf Zeit spielen oder pedantisch die Paragraphen reiten.

Eine aktuelle Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen (M&M) zeigt jetzt ein differenzierteres Bild. Berufsunfähigkeit wird ein immer größeres Problem. Die Zahl der anerkannten Leistungsfälle stieg in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent auf aktuell 42.000. Insgesamt sind rund 1,5 Millionen Deutsche berufsunfähig, die wenigsten haben einen privaten Schutz.

Wann Anträge auf Berufsunfähigkeit scheitern

Angenommen ohne Erschwernis

Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen werden drei Viertel der Anträge auf eine Berufsunfähigkeit ohne Erschwernissen von den Gesellschaften angenommen. Das spricht dafür, dass die Vertriebe es den Gesellschaften relativ leicht machen. Aber nicht in jedem dieser Fälle erhält der Kunde seine Wunschpolice.

Angenommen mit Ausschlüssen

In mehr als elf Prozent der Fälle gewähren die Gesellschaften den Versicherungsschutz nur mit Leistungsausschlüssen.

Ablehnung

4,36 % der Anträge werden abgelehnt.

Angenommen mit Zuschlägen

2,77 %

Angenommen mit Ausschlüssen und Zuschlägen

1,25 Prozent der Verträge

Keine Rückmeldung des Kunden

5,19 %

Nicht alle können aber eine Police für den wichtigen Schutz ergattern. Laut M&M erhält jeder vierte Kunde nicht die mit seinem Vermittler besprochene Wunsch-Police. Die Quote ist alarmierend, weil die Kundenberater in der Regel schon vorher aussieben. Insgesamt liegt die Ablehnungsquote liegt bei mehr als vier Prozent. Leistungsausschlüsse müssen mehr als elf Prozent der Kunden erdulden. Ein Versicherer schließt etwa bestimmte psychische Erkrankungen aus. Andere zahlen nur, wenn der Kunde in keinem anderen Job arbeiten kann oder der Arzt eine Berufsunfähigkeit gleich für mehrere Jahre diagnostiziert.

Kommentare (40)

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Werdenkenwillmusszweifelnkoennen

18.04.2013, 13:18 Uhr

Erstens: Eine BU-Versicherung möglichst früh abschließen ist zwar richtig, der Eintritt in den Job ist aber nicht möglichst früh, es gibt auch sinnvolle Produkte, die noch früher abgeschlossen werden können.
Zweitens: Eine Dread-Disease-Versicherung ist eigentlich nicht unterhalb der BU. Ich würde Sie auf gleicher Höhe verorten.

DJ2013

18.04.2013, 13:28 Uhr

Ein sehr wichtiges Thema, das hier angesprochen wird. Aber, bitte liebe Redakteure, nehmt Euch doch zumindest ein paar Minuten Zeit und lest Eure Artikel nochmal Korrektur. So viele Fehler, in einem so kurzen Artikel, das muss doch nicht sein !?

Account gelöscht!

18.04.2013, 13:34 Uhr

Ein Bekannter aus dem Handwerk hat es richtig gemacht, er hat parallel zur BU eine Rechtsschutz speziell für Auseinandersetzungen mit Versicherungen abgeschlossen.

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