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05.12.2015

10:34 Uhr

Versicherungsschutz für Freiwillige

Helfen – aber sicher!

Heute ist der Tag des Ehrenamtes. Wer sich engagieren möchte, sollte allerdings über die möglichen Risiken Bescheid wissen – und abgesichert sein, erklärt Allianz-Vorstand Alexander Vollert in einem Gastbeitrag.

Alexander Vollert ist Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG.

Gastautor

Alexander Vollert ist Vorstandsvorsitzender der Allianz Versicherungs-AG.

MünchenSie kümmern sich um die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. Sie bringen Kranken und Alten das Essen auf Rädern. Sie üben mit Kindern den Purzelbaum und mit Senioren den Tennisaufschlag. Sie tragen Frösche über die Straße oder sammeln Müll auf Bergwegen ein: Fast 13 Millionen Deutsche haben ein Ehrenamt und engagieren sich im Durchschnitt fünf Stunden pro Woche in ihrem Verein, ihrer Bürgerinitiative oder ihrem Verband.

Und das ist auch gut so. Denn die soziale und demographische Struktur unserer Gesellschaft ändert sich dramatisch. Das ehrenamtliche Engagement wird immer wichtiger, um ein menschliches Miteinander in der Gemeinschaft zu gestalten und zu gewährleisten. Es werden immer mehr sogenannte Non-Profit-Organisationen (NPOs) gegründet, also Vereine, Verbände, Stiftungen oder gemeinnützige GmbHs, die nicht primär kommerzielle Interessen verfolgen, sondern die eine gemeinnützigen, kulturellen, sozialen oder wissenschaftlichen Mehrwert für unsere Gesellschaft schaffen.

Sie übernehmen in Zeiten knapper öffentlicher Kassenzahlreiche wichtige Funktionen in unserer Gesellschaft und rücken damit immer stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung. Nicht erst mit der Ankunft tausender Flüchtlinge dieses Jahr in Deutschland zeigt sich die besondere Bedeutung des Ehrenamtes. Ohne das Engagement der vielen freiwilligen Helfer wäre die Versorgung, Unterbringung und Integration der schutzsuchenden Menschen nicht denkbar.

In Deutschland ist der eingetragene Verein die häufigste Form einer NPO. Wer sich freiwillig und unentgeltlich in einem der rund 600.000 eingetragenen Vereine engagiert, tut dies um der Sache willen und kümmert sich in aller Regel nicht intensiver um die Frage: Bin ich bei meiner ehrenamtlichen Tätigkeit versichert?

Was viele Engagierte nicht wissen: Vor allem die Vereinsvorstände, Kuratoriums- oder Präsidiumsmitglieder dieser Vereine und anderer NPOs können für einen von ihnen verursachten Schadenfall mit ihrem gesamten privaten Vermögen zur Verantwortung gezogen werden. Und auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich Woche für Woche für die Belange von Verein, Stiftung oder Verband einsetzen, können in Haftung genommen werden. Das Ehrenamt birgt also Risiken, die denen, die es ausüben, meist gar nicht bewusst sind.

Und ein größerer Schaden ist schnell verursacht, meist ohne bösen Willen – beispielsweise wenn Verträge abgeschlossen werden, die für den Verein ungünstig sind; wenn formale Fehler bei der Auswahl und Einstellung von Mitarbeitern gemacht werden; oder wenn bei den strengen Vorgaben für die Verwendung von Spendengeldern Fehler gemacht werden. Wenn ein Organmitglied dafür verantwortlich gemacht wird, die einschlägigen gesetzlichen Vorgaben nicht beachtet zu haben, drohen ihm erhebliche Schadenersatzzahlungen, die den Betroffenen in den Ruin treiben können.

Ich will keine Panik machen, und die Haftungssituation für Vereinsvorstände hat sich bereits zum Vorteil der ehrenamtlich Aktiven geändert. Früher nämlich haftete ein Vereinsvorstand wie der Chef eines Wirtschaftsunternehmens, nämlich auch für ein bloßes Versehen und daher umfassend. Unter Umständen konnte sein gesamtes Privatvermögen auf dem Spiel stehen.

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