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15.04.2014

20:53 Uhr

Versicherungsverband

Mehr Transparenz bei Altersvorsorge gefordert

Mehr Information für zukünftige Rentner und Pensionäre: Das wünscht sich er Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Alexander Erdland. Der Transparenz steht jedoch der Datenschutz im Weg.

Symbolbild zur Altersvorsorge: Zukünftige Rentner und Pensionäre sollen besser über ihre Ansprüche informiert werden. dpa

Symbolbild zur Altersvorsorge: Zukünftige Rentner und Pensionäre sollen besser über ihre Ansprüche informiert werden.

BerlinDie Bürger sollen nach dem Willen der Versicherer einen besseren Überblick über ihre Ansprüche aus der Altersvorsorge bekommen. Nur bei regelmäßigen Informationen aller Versicherungsträger könnten mögliche Lücken in der gesetzlichen, privaten und betrieblichen Vorsorge besser erkannt werden, erläuterte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, am Dienstag in Berlin. Eine solche umfassende Information der Verbraucher ist allein schon aus Datenschutzgründen derzeit noch schwierig.

Bisher gebe es lediglich für die gesetzliche Rentenversicherung regelmäßige Auskunft über die künftigen Ansprüche. Im Zeitalter des Internets sollten Politik und Versicherungswirtschaft den Versicherten aber einen Gesamtüberblick ermöglichen, sagte Erdland. Sein Verband sei dazu grundsätzlich bereit. Allerdings müssten in diesem Fall sehr viele Anbieter zusammenarbeiten.

Der richtige Schutz gegen die Versorgungslücke im Ruhestand

Die Zahlen

Im Ruhestand müssen viele Frauen ihre Ansprüche deutlich zurückschrauben. Lag die Durchschnittsrente für Männer 2011 im Westen bei 987 Euro und im Osten bei 1.058 Euro, betrug sie für Frauen aus Westdeutschland im Schnitt nur 495 Euro und für ostdeutsche Frauen 711 Euro. Auf die Versorgung durch den Partner im Alter sollten Frauen sich – auch wegen der hohen Scheidungsraten – nicht verlassen. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es weitere Möglichkeiten, für das Alter vorzusorgen.

Warum bekommen Frauen so viel weniger Rente?

Je länger und je mehr ein Versicherter Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, desto höher fällt die Rente aus. Da Frauen immer noch rund 22 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen verdienen, zahlen Frauen auch deutlich weniger in die Rentenkasse. Außerdem erreichen Frauen im Schnitt 15 Versicherungsjahre weniger als Männer.

Hauptgrund dafür sind Jobpausen wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen. Auch längere Teilzeittätigkeit mindert den Rentenanspruch. Hinzu kommt, dass das Rentenniveau wegen der Bevölkerungsentwicklung weiter sinken wird.

Wie werden Kindererziehungszeiten berücksichtigt?

Mit den sogenannten Kindererziehungszeiten soll der Verdienstausfall in den ersten Lebensjahren eines Kindes bei der Rente ausgeglichen werden. Für alle Kinder, die ab 1992 geboren wurden, werden der Mutter – auf Antrag auch dem Vater – drei Jahre Beitragszeiten auf Grundlage des Durchschnittseinkommens gutgeschrieben. Zwei Kinder ergeben dann eine Rente von etwa 660 Euro im Jahr. Für vor 1992 geborene Kinder gibt es nur ein Jahr Beitragszeit. Auch wer sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, kann sich dies auf dem Rentenkonto gutschreiben lassen.

Können Frauen mit Minijobs ausreichend fürs Alter vorsorgen?

"Auf Dauer Minijob und Rente – das verträgt sich nicht gut. Dafür ist das Rentensystem nicht gemacht", warnt ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung. Bei einem Monatsverdienst von 450 Euro steigt die monatliche Rente mit jedem Jahr in einem Minijob um lächerliche 4,45 Euro. Allerdings können Frauen, die kein oder nur ein Kind bekommen haben, mit einem Minijob die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erreichen.

Was hat sich bei Minijobs geändert?

Zwar sind Minijobber seit diesem Jahr in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig, sie können sich aber von der Versicherungspflicht und dem damit verbundenen Eigenbeitrag befreien lassen. Dann zahlt der Arbeitgeber nur noch seinen Pauschalbeitrag zur Rentenversicherung. Die Rentenversicherung rät aber, sich über die Folgen zu informieren. So könne eine Befreiung von der Versicherungspflicht dazu führen, dass eine schon erworbene Absicherung im Invaliditätsfall oder die Förderung der Riester-Rente wieder wegfällt.

Sollten Minijobber riestern?

Die Deutsche Rentenversicherung rät Minijobberinnen, auf jeden Fall die Riesterförderung in Anspruch zu nehmen. Mit einem Eigenbeitrag von 60 Euro im Jahr könnten sie sich die recht umfangreichen staatlichen Zulagen sichern. Die volle Grundzulage beträgt 154 Euro und für Kinder 185 Euro pro Jahr. Für Kinder, die ab 2008 geboren wurden, fließen sogar 300 Euro pro Jahr.

Wie können Frauen zusätzlich vorsorgen?

Mit einer zusätzlichen Altersvorsorge sollten Frauen grundsätzlich so früh wie möglich anfangen. Ein Vertrag über vermögenswirksame Leistungen kann schon mit dem Ausbildungsvertrag abgeschlossen werden. Entscheidend für die persönliche Vorsorgestrategie ist, wieviel Zeit noch für das Ansparen bis zum Rentenalter bleibt. Der Verbraucherzentrale Bundesverband verweist auf die Faustformel: Je kürzer der Anlagezeitraum, desto sicherer sollten die gewählten Produkte sein. Wer noch 30 Jahre bis zum voraussichtlichen Rentenbeginn vor sich habe, könne auch auf risikoreichere Angebote mit höheren Ertragschancen wie Aktienfonds zurückgreifen.

Was tun, wenn die Rente jetzt schon nicht reicht?

Für Menschen über 65 Jahren gibt es die Grundsicherung vom Staat. Sie muss persönlich beim Grundsicherungsamt beantragt werden und wird nach dem persönlichen Bedarf berechnet.

Erdland verwies auf andere Länder, wo es solche umfassenden Renteninfos schon gebe. Dort gebe es eine Bürgernummer für das Rentensystem ähnlich der deutschen Steuernummer. Die Steuernummer könnte jedoch nicht für das Rentensystem genutzt werden. Nach der Information des Versicherungsnehmers sollen diese Daten wieder gelöscht werden.

Die unter der Niedrigzinsphase leidenden Versicherer sind gerade dabei, sich neue Investitionsmöglichkeiten zu erschließen. Dabei kommt nach Erdlands Worten die Energiewende in den Blick: Altersvorsorge durch Energievorsorge sei das Stichwort. Allerdings müssten derzeit Investitionen in der Erneuerbaren Energiebranche noch mit einem rund 50-prozentigen Eigenkapitalanteil abgesichert werden. Die Politik sei hier aufgefordert, mit abnehmendem Investitionsrisiko in der Branche die hohe Investitionshürde Eigenkapital zurückzufahren.

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