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10.09.2012

10:34 Uhr

Versicherungsvertreter

Die neue Masche des Mehmet Göker

VonThomas Schmitt

Der durch den Film "Versicherungsvertreter" bekannte Verkäufer Mehmet Göker steckt in Schwierigkeiten. Vor einem Gericht in Kassel ist er nicht erschienen. Trotzdem bleibt der Ex-Chef von MEG im Geschäft.

Lebte gut von Provisionen: Der Ex-Chef des Strukturvertriebs MEG, Mehmet Göker, ist die Hauptfigur in dem Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter", der seit März bundesweit in den Kinos lief und bei Sternfilm als DVD erhältlich ist.

Lebte gut von Provisionen: Der Ex-Chef des Strukturvertriebs MEG, Mehmet Göker, ist die Hauptfigur in dem Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter", der seit März bundesweit in den Kinos lief und bei Sternfilm als DVD erhältlich ist.

DüsseldorfDer frühere Chef des Versicherungsvermittlers MEG, Mehmet Göker, ist am Freitag vormittag nicht zu einer Verhandlung in Kassel erschienen. Das berichtet HNA Online. Er hätte um 10.30 Uhr auf der Anklagebank des Amtsgerichts (Saal D 116) Platz nehmen müssen. In Kassel verdichteten sich die Hinweise, dass ein Haftbefehl gegen Göker vorliegt, weil er eine Geldstrafe in Höhe von 720.000 Euro nicht bezahlt habe. Vor dem Gerichtssaal warteten mehrere Zivilbeamte, berichtete der Reporter der HNA.

Gökers Welt: Provisionen und Versicherer

Versicherer zahlten Provisions-Vorschüsse in Millionenhöhe

Der Finanzvertrieb MEG und dessen Ex-Chef Mehmet Göker gelten als Paradebeispiel dafür, wie Finanzunternehmen über Provisionen Anreize für Verkäufer setzen. Im Insolvenzbericht der MEG heißt es: „Anfang des Jahres 2009 hatten vier Versicherungsgesellschaften Provisionsvorschüsse gezahlt, die im Jahr 2009 und teilweise auch noch in 2010 abgearbeitet werden sollten.“ Insgesamt waren das 19,5 Millionen Euro. „Etwa zur Jahresmitte valutierten diese Vorschüsse noch in Höhe von 11,28 Millionen Euro und waren im Übrigen tatsächlich durch entstandene Provisionsansprüche abgearbeitet. Es wurden dann weitere Vorschüsse gezahlt unter teilweiser Verrechnung der noch nicht abgearbeiteten Vorschüsse.“

Versicherer forderten mehr als 20 Millionen Euro zurück

Insgesamt ergaben sich aus Vorschüssen 15,7 Millionen Euro an Forderungen der Versicherer an MEG. Diese Forderungen der Versicherungsgesellschaften erhöhten sich jedoch noch erheblich, weil viele der bereits verrechneten Provisionsansprüche der MEG storniert werden mussten. Überschlägig ist jedoch davon auszugehen, dass weitere ca. 15 Millionen Euro aus Stornierungen von den Versicherungsgesellschaften geltend gemacht werden können. Ingesamt schätzt der Insolvenzverwalter die Forderungen der Versicherer aus gezahlten Vorschüssen (ohne Axa) auf 21 Millionen Euro.

Allianz

Die Allianz ist der drittgrößte private Krankenversicherer.

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 2 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 1,7 Millionen Euro

Axa

Die Tochter des französischen Versicherers ist der viertgrößte private Krankenversicherer

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 10 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 7 Millionen Euro

AXA ist in einer Stundungsvereinbarung vom 28.09.2009 mit allen ihren zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Forderungen zur Vermeidung einer Überschuldung der MEG hinter alle anderen Forderungen von Gläubigern im Rang zurückgetreten ist. Ihre Forderung: 11 Millionen Euro.

 

Central

Der fünftgrößte deutsche Krankenversicherer ist eine Tochter der Generali Deutschland. Die Gesellschaft arbeitet bevorzugt mit dem größten deutschen Finanzvertrieb zusammen, der DVAG.

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 8 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen: 4 Millionen Euro

 

Sparkassenversicherer

Consal arbeitete mit MEG. Die Gesellschaft gehört zu den Sparkassenversicherern. Die Bayerische Beamtenkrankenkasse AG und die Union Krankenkasse AG sind Teil der Versicherungskammer Bayern und bilden zusammen den siebtgrößten privaten Krankenversicherer. Sie sind unter dem Dach der Consal Beteiligungsgesellschaft AG vereint. 

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss:  3,5 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen:  1,5 Millionen Euro

 

Inter

Inter ist die Nummer 16 im Markt der privaten Krankenversicherer.

Für 2009 gezahlter Provisionsvorschuss: 1,5 Millionen Euro

Forderung aus nicht abgearbeiteten Vorschüssen:  1,5 Millionen Euro

 

Hallesche

Der zehngrößte Krankenversicherer gehört zum Konzern Alte Leipziger und wird immer wieder genannt. Der Filmemacher Klaus Stern etwa hatte eine Liste mit 120 Gesprächspartnern, die er nach und nach abarbeitete. Nur die Versicherungskonzerne wie Axa oder Hallesche wollten sich nicht äußern. „Die waren zu keinem Interview vor der Kamera bereit“, sagte er HNA Online zufolge. Die 5. Zivilkammer des Kasseler Landgerichts urteilte im September 2011, dass das Ex-MEG-Vorstandsmitglied Patrick Drönner nichts von zuvor kassierten Provisionen zurückzahlen muss. Die Hallesche Versicherung will laut HNA Online von dem ehemaligen MEG-Vorstand insgesamt 1,5 Millionen Euro an gezahlten Bonifikationen und Provisionvorschüssen zurückhaben.

Aragon

Die Vertriebsgesellschaft Aragon AG hat nach Übernahme der Aktien der MEG dieser ein Darlehen ausgereicht in Höhe von 6,5 Millionen Euro und sich zur Besicherung dieses Darlehens den Datenbestand der MEG abtreten lassen.

Göker ist in der Versicherungsbranche schnell aufgestiegen, weil er in großem Stil private Krankenversicherungen verkauft hat. Dazu hatte er den Finanzvertrieb MEG gegründet, der dann aber insolvent wurde. Bundesweit bekannt wurde er über die Versicherungsbranche hinaus im Frühjahr durch den gut besuchten Dokumentarfilm "Versicherungsvertreter". Seine Markenzeichen: schnelle Autos, hübsche Mädchen und dicke Zigarren. Der sehenswerte Film dokumentierte den Aufstieg und Fall des Starverkäufers und lieferte krasse Einblicke in Versicherungen, die über ihre Verkaufsmethoden am liebsten schweigen.

Im Zusammenhang mit der Insolvenz seiner Firma MEG sind noch verschiedene Verfahren anhängig. So sei Göker wegen des Verdachts der Untreue in zwei Fällen angeklagt, berichtet HNA Online. Er soll von einem früheren MEG-Organisationsdirektor Provisionsrückzahlungen von Versicherungen in bar angenommen und behalten haben.

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Nach dem Strukturvertrieb MEG will Mehmet Göker nun mit Versicherungen Geld verdienen.

Göker hätte das Geld - 20.500 Euro - aber an die MEG oder an den Insolvenzverwalter weiterleiten müssen. Da Göker zu einem früheren Termin nicht erschienen war, hatte ihn das Gericht schon zu sechs Monaten Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung, und einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt. Gegen den entsprechenden Strafbefehl hatte Göker Einspruch eingelegt.

So lockt Göker auf Facebook

Netzwerk

Die Facebook-Seite "Mehmet E. Göker der Film" wird gut geklickt. Sie hat am 7. September 1.610 „Gefällt mir“-Angaben, 60 Personen sprechen darüber.

Ziele

Kommentar: „ALSO ZIEL SETZEN UND ALLES WAS NOETIG IST DAFUER TUN - KEINEN SPIELRAUM FUER RUECKZUG OFFEN LASSEN UND DIE ALTEN ZELTE ABBRECHEN UND SICH NUR EINZIG UND ALLEIN AUF DAS ZIEL FOKUSSIEREN - EUER ZIEL WIRD ERREICHT WERDEN - ABER VERGESST EINES NICHT - ES DAUERT, ES BRAUCHT ZEIT NICHTS GEHT VON HEUTE AUF MORGEN - GEDULD IST SEHR WICHTIG !“

Freunde

Kommentar zu einem Männerbild:  „SCHÖNE HOCHZEIT GESTERN - ES WAR DIE HOCHZEIT EINES FREUNDES, NICHT MEINE !“

Blondinen

Kommentar zu einem Bild mit vielen jungen, gutaussehenden Frauen in einer Tafelrunde: „Vorspeise..“

Körperkult

Kommentar zu einem Bild, in dem er nur mit Badehose bekleidet zu sehen ist: „Heute 250 Trainingseinheit“

Begeisterte Nutzer

Eine junge Frau, die mit schönen Bildern lockt, schreibt: „ich finde Sie super ich arbeite auch im vertrieb und Sie sind mein Vorbild!“

Großes Interesse

Gesucht werden Verkäufer, aber die Plätze werden rar gemacht. „144 BEWERBUNGEN EINGEGANGEN SEIT SONNTAG - ICH WERDE ALLE NÄCHSTE WOCHE BEARBEITEN,AB MONTAG RUFE ICH ZURUECK - Noch 13 FREIE PLÄTZE - JETZT ODER NIE - DIE LETZTE ROOKIE RUNDE DES JAHRES !“

Schnelles Geld

Wer nicht zu den Auserwählten gehört, hat trotzdem bei ihm eine Chance, wenn er zahlt:

"ES GIBT NUR EINE MÖGLICHKEIT WIE IHR DOCH BEI DER MEG IN DIE GRUNDAUSBILDUNG KOMMT - 10.000 € BAR IM VORAUS AM ERSTEN TAG. WENN IHR MEINT IHR SEID GUT GENUG SCHULE ICH EUCH FÜR NUR 10.000 € (FÜR DIE AUSERWÄHLTEN 15 KOSTENLOS) DA IHR SOOOO GUT SEID HABT IHR DAS GELD SPÄTESTENS NACH ACHT WOCHEN WIEDER VERDIENT... ALSO KEIN PROBLEM, ODER ?"

Einzigartigkeit

Was Mehmet Göker von anderen unterscheidet:
„1. ICH SETZE MIR EIN ZIEL
2. ICH ERARBEITE EINEN GENAUEN PLAN AUS WIE ICH ES UMSETZE
3. ICH STEIGERE MICH IN MEIN ZIEL HINEIN BIS DIESES ZIEL ZUR BESSESENHEIT WIRD - ICH NUR NOCH AN DIESES ZIEL DENKE
4. ICH SAGE NICH T ICH WILL VERSUCHEN, HOFFEN ODER GLAUBEN DAS ZIEL ZU ERREICHEN SONDERN ICH ERREICHE ES 100%
5. ICH SAGE NICHT WENN DAS ZIEL NICHT KLAPPT DANN MACHE ICH EBEN ETWAS ANDERES, SONDERN ICH SAGE DAS ICH MICH DAFUER ENTSCHIEDEN HABE UND EGAL WAS KOMMEN MAG ICH WERDE MEINEN WEG GEHEN - DIE BRUECKEN HINTER MIR ABBRECHEN UND SETZE ALLES AUF DIESE EINE KARTE
6.ICH LASSE MIR KEINEN WEG ZUM RUECKZUG OFFEN - ENTWEDER ICH GEWINNE ODER ICH GEHE UNTER - SOLLTE ICH VERLIEREN STEHE ICH WIEDER AUF - ALSO KANN ICH NICHT VERLIEREN - ICH KAEMPFE BIS MEIN ZIEL ERREICHT IST UND NICHTS UND NIEMAND KANN MICH DAVON ABBRINGEN...“

Kommentare (17)

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Cos

07.09.2012, 16:28 Uhr

Er schreibt in Grossbuchstaben weil er die Gross- u. Kleinschreibung nicht beherrscht, nicht weil er ein Größenwahnsinniger ist.

bertan

08.09.2012, 07:24 Uhr







Das ist ja ein komischer Artikel.
Hier wird ja ein Geruecht in Umlauf gebracht, und dies wird auch noch ganz ohne Scham zugegeben. Das ist ja nicht mal BILD-Niveau.
Ich frage mich, welche journalistischen "Meisterleistungen" Handelsblatt da eingekauft hat.
Urkomisch!

black

08.09.2012, 08:45 Uhr

bei vorbestraften Personen in Vorständen von Versicherungsgesellschaften...wundert mich gar nichts.
Richtig so, das die Versicherungen mit dem Typ schön auf die Fresse gefallen sind.
Ansonsten interessiert es mich nicht; son Scheiß kaufe ich nicht.

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