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05.08.2013

19:35 Uhr

Vertreter-Check

So testen Privatpatienten ihre PKV-Berater

VonThomas Schmitt

ExklusivDie neuen Unisex-Tarife machen es möglich: Die private Krankenversicherung wird übersichtlicher und besser, allerdings nicht einfacher. Worauf es bei Privattarifen ankommt und 24 Fragen, um den Vermittler zu checken.

DüsseldorfDas öffentliche Bild der privaten Krankenversicherung (PKV) ist angeschlagen. Debatten um eine einheitliche Krankenversicherung, die Bürgerversicherung, und ein magerer Kundenzuwachs im vergangenen Jahr zerren an den Nerven. Dabei steht die Branche insgesamt viel besser da, als viele denken – dank der Umstellung auf die neuen Unisex-Tarife.

Unisex heißt: Seit dem 21. Dezember 2012 gibt es gleiche Tarife und Preise für Männer und Frauen. Das hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes erzwungen. Zunächst schien es so, als ob dies den Versicherern vor allem Ärger und Arbeit bescheren würde. Doch die knapp 50 Anbieter in der PKV entdeckten darin auch ihre Chance. Was sie jahrelang versäumt hatten, holten sie nun in einem Aufwasch nach. „Viele Unternehmen haben die Umstellung genutzt, um neuen Kunden noch mehr Leistung und Sicherheit als bisher schon zu garantieren“, stellt der PKV-Verband fest.

Das ist keine geschönte Werbeaussage. Denn unabhängige Branchenexperten bestätigen die Behauptung des Verbandes. Das Ergebnis lasse sich wirklich sehen, stellt etwa der Freiburger Marktbeobachter Gerd Güssler von der KVpro.de GmbH fest: „Mit Unisex wurde die PKV praktisch neu erfunden.“ Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch das Analysehaus Franke und Bornberg aus Hannover: „Nahezu alle am Markt vertretenen Gesellschaften haben ihre Tarifwerke überarbeitet oder sogar ganz neue Tariflinien konzipiert. Die Folge: es wird teurer, aber nicht allein durch Unisex.“

Allerdings: Einfacher wird es nicht. Wer in einen anderen PKV-Tarif oder gar erstmals in die PKV wechseln möchte, wird auch künftig ohne Hilfe von Beratern kaum durch den PKV-Dschungel finden. Zwar hat sich die Zahl der Tarifkombinationen grob gerechnet halbiert. Doch – je nach Betrachter – bleiben immer noch viele hundert Varianten übrig.

Unisex-Tarife: Was Privatpatienten häufig fragen

Ab welchem Zeitpunkt gilt die Unisex-Regelung?

Sie gilt seit dem Stichtag 21. Dezember 2012. Verträge, die vor dem 20. Dezember 2012, 24.00 Uhr, geschlossen wurden, fallen nicht unter Unisex. Ab dem Stichtag kann kein Vertrag mehr nach den bisherigen Bisex-Regeln geschlossen werden.

Quelle: PKV-Verband, Zeitschrift PKV Publik, Februar 2013

Führt ein Tarifwechsel zur Umstellung auf Unisex?

Nein, ein Tarifwechsel gemäß § 204 Versicherungsvertragsgesetz kann innerhalb der Bisex-Welt durchgeführt werden. Ein freiwilliger Wechsel von der Bisex- in die Unisex-Welt ist möglich.

Führt eine Veränderung des Versicherungsschutzes nach dem Stichtag zur Umstellung auf Unisex?

Grundsätzlich nicht. Eine Umstellung auf Unisex kann erfolgen, wenn der Vertrag so wesentlich geändert wird, dass der neue Vertrag einem Neuabschluss gleichkommt. In der Regel wird bei Vertragsänderungen jedoch nur das ursprüngliche Risiko anders abgesichert.

Führt die Vereinbarung oder Änderung eines Selbstbehalts zur Umstellung auf Unisex?

Nein. Die Vereinbarung oder Erhöhung des Selbstbehalts ist wie das Tarifwechselrecht zu behandeln. Der Vertrag verbleibt in der bisherigen Bisex-Welt.

Führt die Änderung eines Krankentagegeldtarifs zur Umstellung auf Unisex?

Nein. Die Erhöhung des Krankentagegeldes oder die Änderung der Karenzzeit innerhalb eines bestehenden Krankentagegeldtarifs führt nicht zu einer Umstellung.

Was gilt für die Kindernachversicherung, wenn die Eltern in einem Bisex-Tarif versichert sind?

Die Nachversicherung kann im Unisex-Tarif durchgeführt werden, wenn dessen Versicherungsschutz vergleichbar dem der Eltern ist, also eine Schlechterstellung des Kindes vermieden wird. Nach Angaben der Finanzaufsicht Bafin muss auf Verlangen der Eltern auch eine Nachversicherung im Bisex-Tarif der Eltern möglich gemacht werden.

So hat PKV-Experte Güssler in der alten Bisex-Welt knapp 2300 Tarifangebote gezählt. In der neuen Unisex-Welt kommt er nun auf knapp 800 – und das auch nur, wenn der Interessent grundsätzlich das höhere PKV-Niveau kaufen möchte, also keinen Schmalspurtarif, den einige Private auch noch anbieten.

Solche Zahlen zeigen jedoch gleich auch das Problem: Worauf soll der Wechselinteressent achten? Was soll er den Berater fragen? Die Freiburger Experten von KVpro.de GmbH haben für Handelsblatt Online die 24 wichtigsten Fragen herausgefiltert und kommentiert. Und sie geben Hinweise, worauf man besonders achten sollte.

Kommentare (14)

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RDA

05.08.2013, 20:27 Uhr

Falls jemals in der GKV die Kopfprämie eingeführt wird, ist die PKV als Vollversicherung erledigt. Ich persönlich hoffe, dass die Bürgerversicherung kommt und dass der Deckungsstock der PKVen komplett sozialisiert wird. Das ist unfair und verstößt gegen den Eigentumsschutz? Was ist dann mit den zig Milliarden, die unsere Regierungen aus GKV und Rentenversicherung zur Finanzierung der deutschen Einheit und Arbeitslosigkeit abgezweigt haben?

tonne6

05.08.2013, 22:35 Uhr

Gier frißt Hirn - schon mal gehört? Und was kommt nachdem die Altersrückstellungen der PKV verfrühstückt worden sind? Keine PKV bedeutet keine PKV-Honorare in Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken. Wer wird diese Umsatzausfälle ausgleichen? Die GKV etwa? - selten so gelacht. Nein lieber RDA, der Umsatzausfall wird bis auf den Cent genau der Zuzahlung des Bürgerversicherten entsprechen. Mit dem Tod der PKV wird die GKV zu BürgerZUZAHLversicherung.

Treudoof

05.08.2013, 23:46 Uhr

Sich asozial aus der Solidargemeinschaft zu verabschieden, nur um jetzt betrogen bei eben dieser skrupellos und arrogant von seinem Wert als würdiges Mitglied überzeugt angeschissen zu kommen um finanzielle, eventuell lebensverlängernde "Solidaritätsleistungen" einzufordern. Asozial wie jene Politiker welche die Causa "Teller Erbsensuppe" verstanden haben und wissen diese einzusetzen. Die Herrenkranken der Zweiklassengesellschaft als betrogene Asoziale?
Betrügen Sie doch Arbeiter, am besten jene welche Ihnen vertrauen, da geht es am einfachsten, fragen Sie Ihre SPD.
Hacken Sie auf vermeintlich schwächeren Mitgliedern rum, das hat bisher immer ganz gut geklappt.
Mit der Ihnen gebührenden, philosophischen Hochachtung,
Sie wirken ja fast schon griechisch.

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