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01.08.2013

12:37 Uhr

Vertreter packen aus (Teil 3)

„Aus Gier über die Stränge geschlagen“

VonJens Hagen

Üppige Provisionen und luxuriöse Freizeitangebote sollen viele Vertriebler heiß auf den Abschluss machen. Mehrere Finanzvertreter verraten, was sie verdienen. Und welche Schrottprodukte sie ihren Kunden andrehen.

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Diese Rechnung könnte beinahe Lust auf einen Jobwechsel machen. In einem internen Schulungspapier für seine Vertriebler rechnet der Chef einer Fondsgesellschaft vor: Bei zwölf Beratungsterminen pro Woche erzielen gute Verkäufer im Schnitt mindestens vier Abschlüsse.

Bei einer üblichen Abschlusshöhe von 20.000 Euro und der gezahlten Provision von drei Prozent erzielen Vertreter jeden Monat Provisionen in Höhe von 9600 Euro. „Logisch ist, dass Vermittler, die planmäßig und intensiv arbeiten, tatsächlich noch bessere Abschlussquoten mit durchschnittlich noch höheren Verträgen haben“, erklärt der Chef.

Auch wenn die goldenen Jahre der Vertriebe vorbei sein mögen, weil die Finanz-und Versicherungsindustrie im Zuge vielfältiger Sparrunden auch bei den Vertrieben keine Ausnahme macht – der Verkauf von Finanzprodukten ist immer noch lukrativ.

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen

Rangliste

Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler.

Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen

Platz 10

Sachversicherung
11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung

Platz 9

Sachversicherung   
45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

Platz 8

Krankenzusatzversicherung
90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung

Platz 7

Sachversicherung
200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung

Platz 6

Bausparvertrag
325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro

Platz 5

Fondsanlage
450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro

Platz 4

Lebensversicherung 
1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre

Platz 3

Immobilienfinanzierung
1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro

Platz 2

Krankenversicherung
2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro

Platz 1

Unternehmerische Beteiligungen
3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro

Nach Recherchen von Handelsblatt Online erzielen erfolgreiche Vermittler von Bausparverträgen die volle Abschlussgebühr, etwa 1,2 bis 1,3 Prozent der Bausparsumme. Bei Baufinanzierungen sind üblicherweise ein Prozent der Darlehnssumme drin – was schnell einige Tausend Euro sein können. „Bausparverträge und andere provisionsgetriebene Produkte sind das, was selbst das Vertriebsverhalten jeder kleinen Sparkasse steuert“, erklärt ein Banker.

Girokonten oder Tagesgeldkonten werden von freien Vermittlern dagegen offenbar nur ungern feilgeboten. Eine automatische Vermittlung übers Internet bringt zum Beispiel nur noch 30 bis 60 Euro. „Von Spar- oder Tagesgeldkonten will niemand etwas hören, das bringt keine Marge und ist Ballast“, erklärt ein Banker.

Wirklich Geld machen die Vermittler aber mit anderen Produkten. Eine Liste von Anwälten zeigt beispielhaft: mit dem Verkauf eines Schiffsfonds erzielten Banken bis zu 14 Prozent. Für Zertifikate gab es Provisionen von bis zu drei Prozent pro Jahr. Für den Kauf eines bekannten vermögensverwaltenden Fonds gingen 6,8 Prozent an das Geldhaus. Bei Lebensversicherungsfonds wurden schon mal bis zu acht Prozent des Anlagebetrages eingestrichen.

Kommentare (37)

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Damerl

01.08.2013, 13:08 Uhr

Eigentlich schade um die Zeit..."ein Pensionär erzählt von einem Gespräch, das er als Lehrling geführt hat" -also vor über 40 Jahren!!!. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

woman123

01.08.2013, 14:32 Uhr

tolle Artikelserie! So was liest sich schmöckernd am Badesee aber hat nicht wirklich Tiefgang. Die andere Seite ist doch die:
- wir leisten uns mit der BaFIN einen zahnlosen Tiger, der keine Plausibilitätsprüfung der Produkte vornimmt.
- Der Bordell-besuchende Berater wird gern in den Medien verrissen. Wo bleibt die tiefgreifende Analyse, woran es wirklich krankt in der Branche. Ach so ich vergaß- das will ja keiner lesen.
-

Habermayer

01.08.2013, 14:33 Uhr

Herr Hagen bzw. das Handelsblatt hat es einmal wieder bewiesen mit der Antwort auf die Frage: "Wie stopfen wir das Sommerloch?" oder "Wie halten wir (zumindest) die Auflagezahlen?".(...)
Übrigens: endlich kommen wieder einmal die Anwälte ins Spiel! Ich hatte schon Sorge, dass hier die Plattform für die sog. Anlegerschutzanwälte bröckeln würde. (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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