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17.02.2014

12:26 Uhr

Verunsicherte Deutsche

Sparer nehmen Zinsverluste in Kauf

Die Mini-Zinsen bei Sichteinlagen liegen derzeit meist unter der Inflationsrate – so verlieren Sparer real Geld. Doch die Schuldenkrise hat die Deutschen derart verunsichert, dass sie Verluste in Kauf nehmen.

Bargeld und Sichteinlagen wie zum Beispiel Tagesgeld sowie Versicherungs- und Pensionsansprüche bleiben trotz schwacher Zinsen beliebt. dpa

Bargeld und Sichteinlagen wie zum Beispiel Tagesgeld sowie Versicherungs- und Pensionsansprüche bleiben trotz schwacher Zinsen beliebt.

FrankfurtAus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise legen Sparer ihr Geld verstärkt sicher aber unprofitabel an. Bargeld und Sichteinlagen wie Tagesgeld sowie Versicherungs- und Pensionsansprüche haben in der Finanzkrise an Bedeutung gewonnen, wie die Bundesbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht schreibt. Und das, obwohl die Mini-Zinsen bei Sichteinlagen derzeit meist unter der Inflationsrate liegen, so dass Sparer real Geld verlieren.

Zum dritten Quartal 2013 hatten die Deutschen laut Bundesbank den Anteil von langfristigen festverzinslichen Wertpapieren und Anteilsrechten wie Aktien an ihrem Geldvermögen auf 22,3 Prozent reduziert. Zum Start der Währungsunion 1999 habe der Anteil noch bei 35 Prozent gelegen.


Insbesondere während der Finanz- und Staatsschuldenkrise sei privates Geldvermögen aus ertragreicheren Anlageformen wie langfristigen Wertpapieren in liquidere und weniger riskante Anlagen umgeschichtet worden, betonte die Bundesbank: „Obwohl sich in den vergangenen Jahren aufgrund steigender Aktienkurse oftmals signifikante Kursgewinne im Portfolio der Haushalte niederschlugen, ließ das direkte Engagement in Aktien ... nach.“

Das Verhalten der privaten Haushalte weise auf eine deutliche Risikoscheu der Sparer hin. Dahinter vermutet die Bundesbank „eine allgemeine Unsicherheit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise“. „In einem Umfeld niedriger Nominalzinsen, insbesondere für vergleichsweise sichere und kurzfristigere Anlagen, impliziert eine derartige freiwillige Portfoliowahl oftmals negative reale Renditen.“

Insgesamt sei das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland seit Beginn der Währungsunion aber deutlich gestiegen: „Ausgehend von einem Bestand von 3257 Milliarden Euro Anfang des Jahres 1999 erreichte es im dritten Quartal 2013 rund 5070 Milliarden Euro“, bestätigte die Notenbank Angaben vom Januar. Der zumeist stetige Anstieg sei nur zum Ende des New-Economy-Booms 2001/2002 und zum Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 unterbrochen worden. Der Großteil dieser Bestandsrückgänge sei auf Bewertungsverluste durch sinkende Aktienkurse zurückzuführen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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holger29

17.02.2014, 13:02 Uhr

Es gibt noch 2 weitere Gründe den Kauf von Aktien und Anleihen vermiesen, die nicht unterschätzt werden dürfen.

Bei Aktien wurde die Spekulationsfrist abgeschafft. Die Kursgewinne erzielt durch Wertgewinn und Inflation werden besteuert. Dadurch ergibt sich je nach Konstellation eine Besteuerung von weit über 100% der Erträge.

Der "Anlegerschutz" macht es den Banken in D sehr unattraktiv dem Anleger Aktien zu verkaufen. Die Provision beträgt etwa 0.5%. Dafür müssen die Bänker einen grossen Formularwust bearbeiten und tragen ein juristisches Risiko ggf. mit dem Verlust belastet zu werden.

Insofern dürfte ein grosser Teil der Zurückhaltung der Anleger dem sozialistischen politischen System geschuldet sein.

In meinem Wohnsitzland, dessen politisches System kapitalistischer ist, werden nach wie vor reichlich Aktien und Anleihen verkauft.

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