Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.10.2015

15:31 Uhr

Vom Sparschwein zum Tagesgeld

Papa ist schuld, dass ich nicht sparen kann

VonJessica Schwarzer

Beim Sparen sind die Deutschen weltmeisterlich. Geht es aber darum, wie sie ihr Geld anlegen, sind sie eher Kreisklasse. Warum es uns so schwer fällt, das zu ändern? Fragen Sie mal Ihre Eltern.

Auch in Sachen Sparen tragen Familien einen „großen Rucksack an Erfahrungswissen“ mit sich herum, sagen Wissenschaftler.

Wie der Vater so der Sohn

Auch in Sachen Sparen tragen Familien einen „großen Rucksack an Erfahrungswissen“ mit sich herum, sagen Wissenschaftler.

DüsseldorfErst das Sparschwein, dann das Sparbuch, später Giro- und Tagesgeldkonto – so oder so ähnlich lernen Kinder und junge Erwachsenen zu sparen. Dieses Muster wird von Generation zu Generation weitergegeben. „Der Umgang mit Geld wird nachhaltig von der Familie geprägt“, sagt Rolf von Lüde, Professor an der Universität Hamburg. „Deshalb fällt es vielen Menschen schwer, sich von vorgegebenen Bahnen eines ‚richtigen‘ Sparverhaltens zu lösen, auch wenn das vielleicht notwendig wäre.“

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie zum „familiären genetischen Code der Geldanlage“ der Fondsgesellschaft Union Investment, die von Lüde gemeinsam mit Christian von Scheve von der Freien Universität Berlin wissenschaftlich betreut hat.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Bargeld und Einlagen

Den größten Anteil am Vermögen der deutschen Privathaushalte haben traditionell Bargeld und Einlagen. Das Banksparen – also beispielsweise Girokonten oder Tagesgeld – hat sogar an Beliebtheit zugelegt. Von Januar bis März 2015 machte der Posten einen Anteil von 39,7 Prozent am Gesamtvermögen aus. 2001 lag dieser Anteil noch bei 34,9 Prozent.

Quelle: Deutsche Bundesbank

Versicherungen

Versicherungen machen den zweitgrößten Posten in der Vermögensstruktur der deutschen Haushalte aus. Zu diesem Posten zählen auch die Ansprüche gegenüber Alterssicherungssystemen. Von Januar bis März 2015 lag der Anteil der Versicherungen am Haushaltsvermögen bei 37,4 Prozent, er ist damit im Vergleich zu Aktien und Fonds gestiegen. 2001 lag der Anteil noch bei 30,8 Prozent.

Anleihen

Die Renditen für Anleihen sind im aktuellen Niedrigzinsumfeld unattraktiv. Die Haushalte reagieren darauf und investieren deutlich weniger in die Wertpapiere. 2001 lag der Anteil der Anleihen am Haushaltsvermögen noch bei 6,3 Prozent. In den ersten drei Monaten des Jahres 2015 ging die Quote auf 3,0 Prozent zurück.

Aktien und sonstige Anteilsrechte

Das in Aktien investierte Vermögen und der Anteil sonstiger Anteilsrechte am Vermögen der deutschen Haushalte sind gestiegen. Zu diesem Posten zählen auch Aktien, die nicht an einer Börse notiert sind. 2001 machten sonstige Anteilsrechte 9,4 Prozent am Gesamtvermögen aus. Im ersten Quartal 2015 lag der Anteil bei 10,8 Prozent.

Aktienfonds

Die indirekte Anlage in Aktien durch Aktienfonds hat an Beliebtheit gewonnen. 9,4 Prozent des Gesamtvermögens investierten die Haushalte von Januar bis März 2015 in Aktienfonds. 2001 lag der Wert noch bei 2,9 Prozent.

Kinder lernen Geiz, Sparsamkeit, Großzügigkeit oder Verschwendung vor allem von ihren Eltern. „Innerhalb von Familien existieren charakteristische Muster des Umgangs mit Geld, die einerseits die familiäre Identität bestimmen und andererseits einen normativen Status erlangen“, erklärt von Scheve. Wer anders handelt als von Mutter und Vater vorgelebt wird kritisiert. Wer es ihnen gleich tut natürlich gelobt. 

Die familiären Erfahrungen und Wertvorstellungen wirken auch im Erwachsenenleben nach, individuelle Finanzentscheidungen werden weiterhin vor diesem Hintergrund getroffen. „An die Stelle rationalen Abwägens von Risiko und Ertrag treten unreflektierte Muster des Anlageverhaltens“, sagt von Lüde.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Sparen Sie endlich vernünftig!

Handelsblatt in 99 Sekunden: Sparen Sie endlich vernünftig!

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

„Da auch in der Schule dieser wichtige Aspekt von Wirtschaft und Gesellschaft faktisch keine Rolle spielt, wird erklärbar, dass über Generationen hinweg die Grundsätze der Deutschen zum Umgang mit Geld und zum Sparverhalten im Prinzip gleich bleiben.“ Das erkläre auch, warum die Deutschen ihr Anlageverhalten nicht an die aktuellen Marktgegebenheiten – Stichwort Niedrigzinsen – anpassen. Laut einer aktuellen Bundesbank-Umfrage unter mehr als 4.400 Menschen bleiben mehr als drei Viertel ihrer Strategie treu.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.10.2015, 15:51 Uhr

Fakt ist, wer sein Geld nicht in Produktivkapital/vermögen (Aktien) investiert, wird später an Altersarmut leiden und auf staatliche Almosen angewiesen sein bzw. auf Dauer reale Vermögensverluste erleiden. Das war schon immer so, und wird auch immer so bleiben.

Und ob der DAX jetzt am Jahresende bei 9000, 10000, 11000 oder 12000 steht, ist vollkommen unerheblich. Die Aktienanlage ist kein 100 Meter Sprint, sondern ein Marathon.

Herr Thomas V. Schuischel

30.10.2015, 16:08 Uhr

* Studie [...] der Fondsgesellschaft Union Investment
* Umfrage von Goldman Sachs Asset Management (GSAM)

Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing?

So lange nicht mal aussagekräftige Studien vorliegen, die ohne parteiische Fremdfinanzierung auskommen, sollte man lieber einfach keine zitieren und gleich eine Kolumne daraus machen.

Natürlich sind Aktien wichtig. Aber der Stein der Weisen sind sie ebenso nicht. Auch wird ohne Aktien nicht zwangsläufig jemand an Altersarmut leiden, wie hier plakativ polemisch sich mal wieder ein allseits bekannter Brandstifter äh Leser ausdrückt.

Lasst die Kirche im Dorf. Reich wir man durch Aktien nur, wenn man zockt. Und beim Zocken kann niemand behaupten es gäbe nur Gewinner bzw. diese Gewinner wären ausschließlich logisch begründbar. Im Gegenteil, denn dann müssten zwangsläufig aktiv gemanagte Fonds besser rentieren als Indexfonds. Und das tun sie noch nicht einmal im Mittel.

Aktien sind immer nur ein Baustein für eine Altersrückstellung oder Vermögnsaufbau. Im derzeitigen Marktumfeld ist sogar eine niedrigere Aktienquote durchaus begründbar. Meine liegt derzeit bei 4,5%. Nein, der Rest ist aber nicht Tagesgeld. Der Artikelschreiber macht es sich einfach zu leicht. So gibt es auch noch andere Anlageformen wie Rentenpapiere, Immobilien, Devisen und Sorten (mit dem CHF habe ich hervorragende Gewinne erzielt! Davon träumen Aktieninhaber bei dieser Sicherheit), Rohstoffe und Edelmetalle, etc.

Herr Heinz Keizer

30.10.2015, 16:33 Uhr

Das Problem ist, dass sich weder die Erwachsenen, noch die Jugendlichen mit Finanzthemen beschäftigen wollen. Anstatt sich vorher neutral zu informieren, wird nachher gejammert und geschimpft. Ist aber auch kein Wunder, wenn die Bürger vom Staat gegängelt werden, statt zu kritischen Verbrauchern erzogen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×