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22.01.2009

16:28 Uhr

Vorsorge

Krise zwingt Lebensversicherer zu mehr Offenheit

VonThomas Schmitt

Die Lebensversicherer wollen verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und setzen dafür auf mehr Transparenz. Das heißt aber nicht, dass die Branche völlig darauf verzichtet, ihre Zahlen schön darzustellen.

Die Gesellschaften greifen auf Beitragspolster zurück, um die Verzinsung der Verträge stabil zu halten. Foto: dpa gms

Die Gesellschaften greifen auf Beitragspolster zurück, um die Verzinsung der Verträge stabil zu halten. Foto: dpa

FRANKFURT. Die Lebensversicherer setzen zusehends auf Transparenz. Die größte Sparte der Versicherungsbranche reagiert damit auf den Krisenappell des Verbandes GDV, verloren gegangenes Vertrauen der Kunden wiederzugewinnen. Im ersten Schritt hatte die Branche im Dezember bereits die Gewinnbeteiligung für ihre Kunden weitgehend stabil gehalten. Damit will man in der Krise punkten.

Branchenkritiker wie Manfred Poweleit, der Herausgeber des Map-Reports, reiben sich nun angesichts einer Informations-Offensive sogar verwundert die Augen. "Hatten wir im Vorjahr noch 23 Seiten Unternehmenskommentare, so freuen wir uns dieses Mal über 53 Seiten", merkte er in seinem mehr als 100 Seiten starken Lebensversicherer-Bericht an. Über regere Resonanz freute sich auch die Ratingagentur Assekurata, die jährlich eine umfangreiche Branchenstudie macht: 76 Unternehmen nahmen in diesem Jahr teil. Das entspricht einem leicht höheren Marktanteil von 91,37 Prozent.

"Wider Erwarten ist die Überschussbeteiligung 2009 marktweit nur moderat zurückgegangen", errechnete Assekurata-Chef Reiner Will. Mit 4,26 Prozent präsentiere sich die laufende Verzinsung im arithmetischen Mittelwert über alle Tarifarten und-generationen gegenüber dem Vorjahreswert von 4,34 Prozent recht stabil - "und das trotz der anhaltenden Krise an den Finanzmärkten".

Ein wichtiger Grund: Steigende Polster in den Rückstellungen für Beitragsrückerstattung (RfB) würden helfen, schwankende Kapitalmarktüberschüsse auszugleichen, stellte die Ratingagentur fest. Zudem konkurrierten die Gesellschaften zunehmend über die jährliche Mitteilung ihrer Überschussbeteiligung miteinander. Denn diese Zahlen beeinflussen maßgeblich die Beispielrechnungen, mit denen die Vertreter und Berater das Geschäft reinholen. Darüber hinaus wirke eine stabile Überschussbeteiligung vertrauensbildend. In einer Krise kann man sich auch auf diese Weise von Zertifikaten und Fonds abheben.

Das heißt aber nicht, dass die Branche völlig darauf verzichtet, ihre Zahlen schön darzustellen. Derzeit weisen die Unternehmen zum Beispiel besonders gerne die Gesamtverzinsung der Verträge aus: Also Garantiezins und Überschussbeteiligung plus Schlussrechnung, in der auch eine Beteiligung an den stillen Reserven enthalten sein kann. "Dies ist im Hinblick auf die besondere Unverbindlichkeit der endfälligen Komponenten nicht unproblematisch", bemängelt Will. Es sieht jedoch häufig weniger schön aus. Denn die Gesamtverzinsung liegt bei vielen noch über fünf Prozent. Das bekommen aber nur die Kunden, deren Vertrag gerade ausläuft.

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