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21.01.2010

05:59 Uhr

Vorsorge

Lebensversicherer kürzen heimlich die Leistungen

VonThomas Schmitt

ExklusivViele Lebensversicherer präsentieren sich besser, als sie sind. Im öffentlichen Bild dominiert die Zinsgutschrift, die bei vielen Anbietern für 2010 unverändert geblieben ist. "Doch dies ist nur die halbe Wahrheit", stellt das Analysehaus Franke & Bornberg fest.

Einer Studie zufolge stellen sich Lebensversicherer stärker auf die Krise ein, als sie zugeben. Dazu gehören sinkende Leistungen. dpa

Einer Studie zufolge stellen sich Lebensversicherer stärker auf die Krise ein, als sie zugeben. Dazu gehören sinkende Leistungen.

FRANKFURT. Der 50 Mitarbeiter starke Datenspezialist bewertet seit 16 Jahren Versicherungsprodukte und Versicherer. Für 63 Prozent des Marktes stellen die Hannoveraner nun fest: Obwohl die Überschussbeteiligung stabil bleibe oder sogar steige, gingen die Leistungen der Versicherungen zum Teil deutlich nach unten. Der Grund: "Wir vermuten, dass sich die Versicherer bei ihrer Tarifgestaltung nicht am Bedarf des Kunden orientieren, sondern daran, was sich am besten verkaufen lässt", sagt Geschäftsführer Michael Franke.

Für den Kunden ist am Ende entscheidend, was er in seiner Tasche hat. Doch in diese Ablaufleistung fließen nicht nur die jährlichen Überschussbeteiligungen ein, die gerade wieder von der Branche mitgeteilt worden sind. Im Schnitt bewegen diese sich bei 4,2 Prozent für 2010, was angesichts der Finanzkrise selbst für Aufseher überraschend viel ist.

Zur laufenden Zinsgutschrift kommen Gelder, die nicht so stark beachtet werden, etwa ein Schlussgewinn. Senkt der Versicherer diesen in seinen Kalkulationen, merkt das der Kunde in der Regel nicht, wenn er nun einen neuen Vertrag abschließt. Vor allem dann nicht, wenn die Hauptsache stimmt: der Zins. Dass der Versicherer Jahrzehnte später für den 2010 geschlossenen Vertrag ein paar Tausend Euro weniger zahlen will, fällt da meist nicht auf. Denn: "Verbraucher und Vermittler sind mit vielen Kennzahlen der Versicherer überfordert", weiß Norbert Ras, Geschäftsführer von Legal & General Deutschland.

Das gilt insbesondere für die Möglichkeit, früher als ursprünglich geplant aus dem Vertrag auszusteigen. Das kommt heutzutage viel häufiger vor als früher, weil die Menschen sich nicht mehr ein Leben lang binden wollen. Das Vertragsende erreiche nur etwa ein Drittel der Kundschaft, gut zwei Drittel kündigten vorzeitig, schätzt Franke & Bornberg. Für diesen Fall definieren die Lebensversicherer daher Bedingungen für die Rückzahlung des Vertrags. Diese Rückkaufwerte können sie über komplizierte Formeln für Stornoabschläge jeweils über die gesamte Vertragslaufzeit beeinflussen.

Besonders stark nutzt diesen Spielraum derzeit etwa die Axa, wie Franke & Bornberg festgestellt hat (siehe Tabelle). Der Versicherer hob seine Überschussbeteiligung an, senkte aber den Rückkaufwert im fünften Versicherungsjahr stark und lässt ihn später wieder hochschießen. Franke: "Der Tarif ist stark auf das Ablaufergebnis gepusht worden."

Kommentare (8)

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rainer repke

21.01.2010, 12:11 Uhr

ich hatte fuer meine Kinder LVs bei der Nuernberger. Dann habe ich die geschaetzte Ablaufleistung abgefragt und mir wurde mitgeteilt das koenne man nicht ermittlen...weil....
Stutzig geworden habe ich gerechnet. Mit zwei verschiedenen Modellen und bin zu Ergebnis gekommen, dass die Policen nicht einmal die inflation verdienen. ich habe mich bei bafin beschwert, das sei doch nicht der Sinn einer Kaiptalversicherung und von da wurde mit mitgeteilt, dass bafin nicht das Geschaeftsmodell der Versicherungen prueft. So geht das.

Natuerlich verkaufen die Vertreter das, was am meisten Provision bringt. Und wer rechnet schon nach 3o Jahren nach, was er eigentlich verdient hat?

Man muss hoellisch gut rechnen, wenn man nicht will, dass sein Geld in andere Taschen fliesst. Und das meiste was glaenzt ist kein Gold........

Es gruesst
Euer
Rainer

Thomas

21.01.2010, 12:48 Uhr

gibt es überhaupt noch den vertrauenswürdigen Verkäufer? Nein gibt es nicht!!! Egal in welcher branche

Schultz

21.01.2010, 16:06 Uhr

ich denke gerade im bereich Lebensversicherungen muss man sehr vorsichtig sein, denn eine Kleinigkeit kann bei diesen Verträgen einige Tausend € an Leistungsdifferenz ausmachen.
Allerdings dürfen wir nicht vergessen, was Lebensversicherungen für den Kunden bedeuten.
Wenn ein Kunde nur fürs Alter vorsorgen möchte, ist eine Lebensversicherung nicht immer die beste Variante, da ja auch ein Risikobaustein in solchen Verträgen vorhanden ist, der die Ablaufleistung im Erlebensfall verringert.
Sollte man diesen Zeitpunkt nicht erreichen, sprich vorher versterben, muss die Versicherung je nach Tarif ja auch leisten.
Daher wundert es mich nicht, dass einige Tarife nach Abzug der Kosten kaum mehr als die inflation ausgleichen.
Leider gibt es zuviele berater/Verkäufer, die in diesem bereich fehlerhaft oder falsch beraten, daher kann ich die negativen Einstellung zu diesen Leuten verstehen.
Wenn auf diese Art Kostenersparnisse und Gewinne für die Unternehmen gebildet werden, dann hat man dieses gefälligst anzugeben, was meiner Meinung nach die Leute teilweise nachvollziehen können.
Wer möchte schon einen Vertrag abschließen, der evtl. nie zur Auszahlung kommt oder für den die Steuerzahler einspringen müssen, wenn dass Unternehmen zahlungsunfähig ist und man dann nur einen Teil wiederbekommt?
Aber es muss auch mal gesagt werden, dass nicht alle berater/Verkäufer so sind.
Es muss einfach dieses kurzfristige Profitdenken aufhören und mal wieder auf Nachhaltigkeit geachtet werden, dann würden viele berater die Kundenzufriedenheit wieder deutlich höher bewerten.

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