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20.10.2011

10:47 Uhr

Vorsorge

Schlecht versorgt mit der Riester-Rente

VonNiklas Hoyer
Quelle:WirtschaftsWoche

Börsenturbulenzen, wankende Banken und verschuldete Staaten bedrohen das Ersparte. Die Riester-Rente scheint da auf den ersten Blick attraktiv. Aber Vorsicht: Trotz Förderung werden oft nur auf geringe Renditen erzielt.

Riester-Verträge haben viele Tücken. dpa-tmn

Riester-Verträge haben viele Tücken.

DüsseldorfGeringe Beiträge, staatliche Zulagen und Steuervorteile über Jahrzehnte, am Ende eine lebenslange Rente – eigentlich sind die Zutaten für die vor zehn Jahren von Ex-Arbeitsminister Walter Riester erfundene private Altersvorsorge nahezu perfekt. Das denken wohl die 14,8 Millionen Deutschen, die seit 2001 einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben.

Doch inzwischen wachsen in der Bevölkerung die Zweifel, ob die Riester-Rente hält, was sie verspricht: Nach starken Zuwächsen in den ersten Jahren stagniert die Zahl der Vertragsabschlüsse. Im ersten Halbjahr erhöhte sich die Zahl der Riester-Sparer nur um 409.000. Im gesamten Jahr 2010 kamen noch dreimal so viele neue Verträge hinzu.

Nach einer Studie des Sparkassen- und Giroverbands haben aktuell 45 Prozent aller Riester-Berechtigten, vor allem alle Pflichtversicherten in der Rentenversicherung, tatsächlich einen solchen Vertrag abgeschlossen – genauso viele wie im Vorjahr. Die wachsende Skepsis gegenüber dem Riester-Modell, die aus diesen Zahlen spricht, ist berechtigt. Denn die staatliche geförderte Altersvorsorge entpuppt sich bei genauem Hinsehen nicht als der viel gepriesene wertvolle Zusatzbaustein, um die magere gesetzliche Rente aufzubessern.

Vielmehr hängt es von den Lebensumständen und – wie bei anderen Rentenversicherungen auch – letztlich von der Lebensdauer ab, ob sich Riestern jemals rechnet. Denn trotz Förderung müssen Sparer oft erst ein fast schon biblisches Alter von über 90 Jahren erreichen, um auf eine auskömmliche Rendite nach Steuern zu kommen und wenigstens die Inflation, aktuell etwa 2,6 Prozent pro Jahr, zu schlagen. „Gerade die komplizierten Regeln der Riester-Rente haben den Anbietern geholfen, das zu verschleiern“, sagt Stefanie Kühn, Honorarberaterin aus Grafing.

Aufgrund der großen Resonanz auf diesen Beitrag wird die WirtschaftsWoche das Thema in den nächsten Wochen weiter verfolgen. Stellen Sie der Redaktion Ihre Fragen zum Thema Riester-Rente. Bitte nutzen Sie dafür die Kommentarfunktion am Ende der Artikelseite.

Kommentare (11)

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Dieter_491307

20.10.2011, 11:41 Uhr

Die Riester-Rente ist ein Machwerk von Politik und Produktanbietern. Unter dem Deckmantel des Altersvermögens-gesetzes wurde ein intransparentes Produkt geschaffen, dass nur dem Staat und den Versicherungsgesellschaften nutzt. Die Riester-Rente ist aufgrund Ihrer geringen Rendite für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge von Normalverdienern absolut ungeeignet. Die Tarife der Versicherer sind so kalkuliert, dass die Bezieher von Riester-Renten weit früher versterben, als in den Produkten kalkuliert. Gewinner sind die Versicherer, denn dort verbleiben Überschussbeteiligungen und die staatlichen Zulagen.

DorisDuebbert

20.10.2011, 12:06 Uhr

die Riester und Rürup Renten, teilweise auch die bAV sind "Subventionen" für Banken und Versicherungskonzerne, wie (Struki) Vertriebe durch gekündigte Lebensversicherungen. Herr Riester füllt sich dank Honorarberatungen bei den Vorgenannten die Taschen um die Verkäufer auf den Verkauf einzuschwören. Ein verbrecherisches Spiel mit dem Geld der Kunden.

Joeng

20.10.2011, 12:26 Uhr

Riester ist eine typsich deutsche Lösung: In ein kompliziertes Steuersytem hinkreiiert und mit 100 Fallstricken vesehen. Für den Laien völlig undurchsichtig! Ferner hat uns die Politik in die Arme der Finanzhaie getrieben, die für die Vermittlung unethisch hohe Provisionen abverlangt, die, wie sie oben beschreiben, im Beginn der Zeit alle Rendite frisst. Ferner gesellt sich im Moment noch die unappetittliche Banken- und Finanzkrise dazu. Ich kann da nur sagen: Finger weg! Ich habe meinen Riester stillgelegt, schreibe die Beiträge ab und werde nie wieder im Leben so etwas abschließen. Es bleibt dabei: Was man nicht versteht (selbst Experten verhaken sich in den Fallstricken), sollte man lassen. Hier ist etwas ausschließlich zum Wohle der Finanzindustrie geschaffen worden. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut gemacht in diesen Fall. Angesichts der Finanzkrise kann ich nur sagen - LEIDER! - man kümmere sich selbst um die Dinge, streue die Anlagen, erwerbe günstige und gute Immobilien und meide alle Produkte, die vom Good Will der Finanzbranche oder Politik abhängig sind. Ich habe meine Altersvorsorgen um über 50% gekürzt und fühle mich gut dabei, mein sauer verdientes Geld selbst zu verwalten. Ich gehe nicht davon aus, dass mittels einer Lebensversicherung o.ä. auch nur annähernd die Einzahlungen wiedersehen würde. Es ist traurig aber wahr: Ich hätte nie gedacht, dieses einmal so schreiben zu müssen! Die Politik und Finanzindustrie betrügt uns um unsere Zukunft, da hilft auch kein Riester.

MfG
Jörg Engelbrecht

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