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14.11.2012

13:29 Uhr

Was wird aus der Lebensversicherung?

Versicherer im Erklärungsnotstand

VonThomas Schmitt

Die niedrigen Zinsen gefährden die Lebensversicherer. Kunden sind verunsichert und fragen: Ist meine Lebensversicherung noch sicher? Soll ich kündigen? Was die Branche auf diese und andere Fragen antwortet im Liveticker.

Liveticker

Der Liveticker aus der Handelsblatt-Redaktion

DüsseldorfDer Branchenverband der Versicherer, der GDV, hat in Berlin Journalisten zur Herbst-Pressekonferenz eingeladen. Im Mittelpunkt steht die Geschäftsentwicklung des Jahres 2012, ein Ausblick auf das Jahr 2013 sowie ein Diskurs zu den aktuellen Themen der Branche. Mit den Journalisten diskutieren Rolf-Peter Hoenen, Präsident des GDV, Norbert Heinen, Mitglied des Hauptausschusses Lebensversicherung/Pensionsfonds des GDV, Norbert Rollinger, Vorsitzender des Hauptausschusses Schaden-/Unfallversicherung des GDV sowie Reinhold Schulte, Vorsitzender des PKV-Verbandes. Handelsblatt Online berichtet live von der Pressekonferenz, die kurz nach 13 Uhr beendet wird.

+++ 12.58 Uhr +++

Frage: Ist die Lebensversicherung auch langfristig sicher?

Heinen: "Die Lebensversicherung ist langfristig sicher. Punkt." Langfristig bedeute im Extrem Zeiträume von 50 bis 100 Jahre. Da rede man natürlich über Kapitalmärkte, die es heute noch nicht gebe.

Bewertung: Die Branchenmanager hatten sich zuvor um eine Grundsatzaussage herumgedrückt und die Begriffe kurz- und mittelfristig verwendet. Damit ist in der Regel ein Zeitraum von mehreren Jahren gemeint, der relativ gut überschaubar ist, weil die Manager wissen, was ihre Kapitalanlagen in den nächsten Jahren bringen. Erst wenn Zeiträume von zehn Jahren oder mehr überblickt werden sollen, wird es zunehmend spekulativ.

Wie gefährdet sind Lebensversicherungen? Die Antworten der Regierung

Lage

Die Kapitalmärkte beeinflussen entscheidend, ob Lebensversicherer auf mittlere die Risiken tragen können, urteilen Experten aus Politik und Finanzministerium in einer gemeinsamen Sitzung.

Quelle: Protokoll vom 26. Oktober 2012

Risiko (1)

eine lang Phase mit niedrigen Zinsen, das wären sogenannte japanische Verhältnisse.

Problem

Die Kapitalanlagen der Branchen sind vorwiegend Zinstitel und laufen in der Regel nicht so lang wie die abgeschlossenen Verträge. Damit sinkt die Rendite der Kapitalanlagen schneller als die durchschnittlichen Zinsverpflichtungen gegenüber den Kunden. Gelder aus auslaufenden Schuldverschreibungen können nur zu einem geringeren Zinssatz wieder angelegt werden.

Garantiezins

Der Garantiezins in der deutschen Lebensversicherung ist deutlich gesunken:

1994: 3,5 %

1995-6 bis 2000: 4 %

7/2000 bis 2003: 3,25 %

2004-2006: 2,75 %

2007-2011: 2,25 %

Ab 2012: 1,75 %

 

Prognose

Eine anhaltende Niedrigzinsphase alleine bringt bis 2018 keinen deutschen Lebensversicherer in Schwierigkeiten. Die Unternehmen könnten bis zum Jahr 2025 eine Nettoverzinsung oberhalb des mittleren Rechnungszinses erzielen. Allerdings müssten sie bis zum Jahr 2020 zusätzliche Mehraufwendungen von insgesamt 61 Milliarden Euro für den Aufbau der Zinszusatzreserve leisten.

Gefahr

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten können.

Risiko (2)

Die Inflationsraten gehen hoch und damit auch die Zinsen. Experten sprechen vom Inflationsszenario.

Problem

In solch einem Umfeld können die Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung nicht schnell erhöhen. Daher könnte es für Kunden attraktiver sein, ihre Lebensversicherung zu kündigen, also zu stornieren. Wenn viele das tun, entsteht ein „Run“.  

Teufelskreis

Da bei hohen Storno-Raten Kapitalanlagen veräußert werden müssen, um die garantierten Rückkaufswerte zu bezahlen, müssen manche Versicherer stille Lasten realisieren. Im Extremfall fehlen dann auch Mittel, um die Verpflichtungen aus den im Bestand verbleibenden Versicherungsverträgen zu erfüllen.

+++ 12.56 Uhr +++

Frage: Der Rechnungszins in der privaten Krankenversicherung wird in einigen Unternehmen abgesenkt. Derzeit liegt er branchenweit bei 3,5 Prozent. Auf welchen Satz sinkt er nun in der Branche? Lauert hier nicht die nächste Falle für die PKV?

Schulte: Die Frage könne er leider nicht beantworten. Man werde Anfang Januar sehen, wie die neuen Tarife in der PKV kalkuliert seien.

Bewertung: Hier verweigert die Branche die nötige Transparenz. Das Thema ist brisant, weil ein niedrigerer Rechnungszins in der Regel höhere Prämien für die Versicherten bedeuten. Der Rechnungszins ist wichtig für die Kalkulation der Altersrückstellungen in der PKV. Je niedriger er ist, um so niedriger fällt auch die - garantierte - Verzinsung der Altersrückstellungen aus. Altersrückstellungen werden gebraucht, um den Beitragsanstieg der PKV im Alter in Grenzen zu halten.

Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergische Leben Bildquelle: W&W

Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergische Leben

Bildquelle: W&W

+++ 12.49 Uhr +++

Frage: Wie entwickeln sich die Kapitalanlagen im nächsten Jahr?

Heinen: Auch 2013 pendelt die Nettoverzinsung in der Branche um vier Prozent.

Bewertung: Noch hat die Branche offenbar keine großen Probleme, auch die für Kunden wichtige Überschussbeteiligung zu zahlen. Die Nettoverzinsung ist wichtig für den Satz, den die Unternehmen pro Jahr den Verträgen gutschreiben - über die festgeschriebene Garantieverzinsung hinaus.

Kommentare (23)

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zephyroz

14.11.2012, 11:38 Uhr

Auch ich habe mich in diesem Sommer zur Wertentwicklung meiner LV bei meiner Versicherung gemeldet. Nach einem ziemlich inhaltslosen, aber wenigstens netten Gespräch in der Regionaldirektion, war ich so klug wie zuvor.
Man wollte mir aber tatsächlich (die LV läuft in 1,5 Jahren ab) zum Abschluß für die Auszahlungssumme einen Fonds anbieten. Das haben die wirklich ernst gemeint. Unfassbar.

Ichbinsdoch

14.11.2012, 11:45 Uhr

Was immer wieder von der Systempresse gerne vergessen wird, ist der mal schnell "durchgewunkene § 89 VAG"
Sollte jeder mal lesen und sich auf der Zunge zergehen lassen.

Kurz : VAG § 89 Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen

Account gelöscht!

14.11.2012, 12:22 Uhr

Apropos "System-Presse", ahbe interessanten Artikel gefunden:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/udo-ulfkotte/geistige-insolvenz-warum-immer-mehr-journalisten-arbeitslos-werden.html

"Wohin man in der deutschen Medienlandschaft auch schaut, überall herrscht Angst in den Redaktionsstuben: Angst vor Entlassungen. ... Könnte es vielleicht sein, dass die Bürger (also die Brötchengeber der Journalisten) es schlicht satt haben, von vielen Journalisten einseitig und politisch korrekt »informiert« zu werden ? ..."

Dazu kommt, dass 90 % der Presse die DPA-Meldungen unverändert weiter publizieren. Für den Leser erweckt das den Eindruck einer "Fern-Steuerung". Daher kommt der Frust der Leser.

Dem HB will ich aber ausdrücklich positiv bescheinen, dass sie versuchen, ähnlich der Wirtschaftswoche, Freie Welt, Deutsche MIttelstands Nachrichten usw. und einigen anderen, die von anderen ausgeblendeten kritischen Themen mit aufzunehmen, und die bürgerliche Mitte sowie den Konservativen zu informieren und Möglichkeit geben zur Meinungs-Äusserung. Danke HB !

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