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05.06.2015

10:48 Uhr

Wege aus der Zinswüste

Tages- und Festgeldzinsen im Vergleich

VonElisabeth Atzler, Anke Rezmer, Susanne Schier

Vor einem Jahr verabschiedete die Europäische Zentralbank erstmals Negativzinsen. Seitdem schrumpften auch weiter die Tages- und Festgeldzinsen. Unsere Tools der Woche zeigen, wo es noch wie viel zu holen gibt.

Die Zinsen für Privatanleger sind ausgetrocknet, eine „1“ vor dem Komma ist schon gut. dpa

Dromedare in der Wüste

Die Zinsen für Privatanleger sind ausgetrocknet, eine „1“ vor dem Komma ist schon gut.

FrankfurtDer 5. Juni 2014 ist vielen Sparern nicht in guter Erinnerung geblieben: Genau vor einem Jahr hat die Europäische Zentralbank (EZB) in der Euro-Zone Strafzinsen für Guthaben der Banken verhängt. Zunächst führten die Notenbanker einen Einlagezins von minus 0,1 Prozent ein, mittlerweile wurden minus 0,2 Prozent daraus.

Das Ziel der Aktion: Banken sollen ihr Geld nicht bei der EZB parken, sondern lieber Kredite vergeben – damit die Konjunktur in Südeuropa in Schwung kommt.

Bei Anlegern geht seitdem ein Schreckgespenst um: Sie fürchten, dass die Banken die Strafzinsen an sie weiterreichen könnten und dass ihr mühsam Erspartes ebenfalls einem negativen Einlagezins zum Opfer fallen könnte. Immerhin halten die Deutschen nach Angaben der Deutschen Bundesbank knapp zwei Billionen Euro privates Kapital auf Konten und Sparbüchern vor.

Nach dem ersten Schock sind die Konsequenzen aber weitgehend ausgeblieben – zumindest für die Privatkunden. Zwar hatte die Deutsche Skatbank, eine kleine Bank aus dem genossenschaftlichen Sektor, im vergangenen Herbst für große Aufregung gesorgt, als sie die Einführung von Strafzinsen verkündet hatte. Schnell präzisierte die Bank aus dem thüringischen Altenburg, dass sie die Negativzinsen nur auf Einlagen von Firmenkunden, die den Betrag von drei Millionen Euro übersteigen, erheben werde.

Auch die meisten anderen Banken betonen, dass sie Strafzinsen für Kleinsparer vermeiden wollen. „Kunden müssen nach wie vor nicht fürchten, dass Banken Negativzinsen auf ihre Einlagen verlangen“, sagt denn auch Sigrid Herbst von der Frankfurter Finanzberatung FMH. „Wir sehen lediglich, dass manche Institute die für sie unrentablen kurzfristigen Anlageprodukte aus dem Angebot gestrichen haben und eher auf länger laufende Produkte setzen.“

Bei vielen Geldhäusern, die ihren Kunden noch Angebote machen, sind die Zinsen für Tages- und Festgeld jedoch verschwindend gering. Ein genauer Blick auf die verschiedenen Angebote lohnt sich daher: Zwar haben manche Banken die Zinsen nach dem abrupten Zinsanstieg am Rentenmarkt wieder leicht erhöht. Nachdem die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe im April noch auf die Nullgrenze zugesteuert war, erreichte sie zuletzt knapp 0,9 Prozent.

Die besten Konditionen für Tagesgeld (Stand: 3. Juni 2015)

Platz 1

Bank11direkt*
Zins für zwölf Monate: 1,11 Prozent

Platz 2

Volkswagen Bank**
Zins für zwölf Monate: 1,10 Prozent

Platz 2

1822 direkt**
Zins für zwölf Monate: 1,10 Prozent

Platz 2

Renault Bank Direkt*/**
Zins für zwölf Monate: 1,10 Prozent

Platz 2

Sberbank Direct*
Zins für zwölf Monate: 1,10 Prozent

Platz 3

Moneyou*
Zins für zwölf Monate: 1,05 Prozent

Platz 4

Consorsbank**
Zins für zwölf Monate: 1,00 Prozent

Platz 4

Deniz Bank*
Zins für zwölf Monate: 1,00 Prozent

Platz 4

ING Diba**
Zins für zwölf Monate: 1,00 Prozent

Platz 4

DAB Bank**
Zins für zwölf Monate: 1,00 Prozent

Quelle

FMH-Finanzberatung
Stand: 3. Juni 2015, Zins für 5000 Euro
*gesetzliche Einlagensicherung 100.000 Euro
**für Neukunden bzw. Neuanlagen

Dennoch liegen die Zinsen bei vielen Banken laut FMH-Finanzberatung noch immer auf fast unterirdischem Niveau: „Wer etwa einen auf 0,2 Prozent angehobenen Zinssatz für einjähriges Festgeld als ,attraktives Angebot‘ verkauft, braucht schon Chuzpe beziehungsweise Kunden, die sich ein X für ein U vormachen lassen“, schreibt Max Herbst in seinem aktuellen Newsletter. Es liege auf der Hand, dass solche Banken nicht wirklich neue Kunden gewinnen wollten.

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