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30.10.2012

09:29 Uhr

Weltspartag

Warum sich Sparen nicht mehr lohnt

VonJörg Hackhausen

Am 30. Oktober ist Weltspartag. Wozu eigentlich? Sparen bringt nichts mehr. Schleichend verliert das Geld auf dem Sparbuch oder in der Lebensversicherung an Wert. Ohne es zu merken, zahlen Sparer für die Schuldenkrise.

Weltspartag am 30 Oktober: Früh übt sich, was ein guter Sparer werden will.

Weltspartag am 30 Oktober: Früh übt sich, was ein guter Sparer werden will.

DüsseldorfManche meinen, das Sparen stecke in der DNA der Deutschen. Zumindest fängt man hierzulande ziemlich früh damit an. Für Generationen gehörte es zu den prägenden frühkindlichen Erlebnissen, einmal im Jahr mit dem prallgefüllten Sparschwein in einer Schalterhalle der örtlichen Sparkasse anzustehen, gemeinsam mit ungezählten weiteren angehenden Sparer. Die netten Bankbeamten nahmen sich des Sparschweins an, stellten als Gegenleistung für dessen Inhalt ein Sparbuch aus. Noch wichtiger aber waren die kleinen Werbegeschenke – Plüschtiere, Spielchen und zu guter Letzt: das Knax-Heft, der Comic mit Didi und Dodo für junge Sparer. Der Weltspartag war eine feste Institution.

Es gibt den Weltspartag seit 1924. Er war die Erfindung eines Italieners. Das mag den einen oder anderen wundern. Schließlich wird der Tag, an dem man den Gedanken des Sparens feiert, nirgendwo mit solcher Hingabe begangen wie in Deutschland. Die Deutschen legen regelmäßig gut zehn Prozent ihres Einkommens zurück. Genau genommen spart der Deutsche von verdienten 100 Euro immerhin 10,40 Euro. In den USA oder Großbritannien ist die Sparquote nur halb so hoch. Insgesamt sparen die Deutschen jährlich rund 180 Milliarden Euro. Wer in jungen Jahren etwas zurücklegt, muss im Alter nicht darben. Die Idee dahinter ist löblich. Und doch ist etwas faul im Staate der Sparer.

Wo das Geld der Deutschen liegt

Geldvermögen gesamt

2010: 4.645,4 Milliarden Euro

2011: 4.710,2 Milliarden Euro

2012: 4.939,0 Milliarden Euro

Quelle: Deutsche Bundesbank, 03.05.2013

Bargeld und Sichteinlagen

2010: 914,1 Milliarden Euro

2011: 953,3 Milliarden Euro

2012: 1.056,9 Milliarden Euro

Termingelder

2010: 262,6 Milliarden Euro

2011: 280,5 Milliarden Euro

2012: 274,4 Milliarden Euro

Spareinlagen

2010: 609,1 Milliarden Euro

2011: 608,2 Milliarden Euro

2012: 608,0 Milliarden Euro

Sparbriefe

2010: 75,0 Milliarden Euro

2011: 85,4 Milliarden Euro

2012: 75,5 Milliarden Euro

Festverzinsliche Wertpapiere

2010: 254,1 Milliarden Euro

2011: 247,1 Milliarden Euro

2012: 238,2 Milliarden Euro

Aktien

2010: 243,5 Milliarden Euro

2011: 221,5 Milliarden Euro

2012: 259,1 Milliarden Euro

Sonstige Beteiligungen

2010: 179,1 Milliarden Euro

2011: 185,2 Milliarden Euro

2012: 193,4 Milliarden Euro

Investmentzertifikate

2010: 435,4 Milliarden Euro

2011: 394,9 Milliarden Euro

2012: 420,1 Milliarden Euro

Ansprüche gegenüber Versicherungen

2010: 1.358,1 Milliarden Euro

2011: 1.400,2 Milliarden Euro

2012: 1.468,9 Milliarden Euro

Ansprüche aus Pensionsrückstellungen

2010: 284,3 Milliarden Euro

2011: 295,4 Milliarden Euro

2012: 306,6 Milliarden Euro

Sonstige Forderungen

2010: 39,0 Milliarden Euro

2011: 38,4 Milliarden Euro

2012: 37,9 Milliarden Euro

Ein Anlass zum Feiern ist der Weltspartag in diesem Jahr nun wirklich nicht. Das Sparen, das die Deutschen so verinnerlicht haben, es lohnt leider nicht mehr. Bei der Sparkasse Köln-Bonn wirft ein Sparbuch ganze 0,15 Prozent ab – ein Feigenblatt, damit der Schein gewahrt bleibt. Im Rest der Republik sieht es nicht viel besser aus. Auch mit dem Zinses-Zins-Effekt lässt sich da nicht mehr viel rausholen. Wahrscheinlich können die Sparer noch froh sein, dass sie nichts draufzahlen müssen.

Wobei, wenn man genau hinschaut, dann zahlen Sparer längst drauf. Die liebsten Anlagen der Deutschen - das Sparbuch, Tages- und Festgeld oder die Lebensversicherung – werfen so wenig ab, dass die Anleger unter dem Strich Geld verlieren. Die Erträge halten nicht mehr mit der Inflation schritt, Experten sprechen von „negativen Realrenditen“. Übersetzt heißt das: Wer sein Geld sicher anlegen will, muss damit leben, dass er stetig an Kaufkraft verliert.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Nur: Vielen ist das gar nicht bewusst. Sie merken nichts davon, dass sie schon jetzt für die Schuldenkrise und die Rettung des Euros bezahlen, und damit ist nicht die Beteiligung Deutschlands an diversen Rettungspaketen gemeint. „Die Anleger lassen zu große Teile Ihres liquiden Vermögens zu einem niedrigen Realzins auf Tagesgeldkonten liegen oder flüchten in ebenso geringverzinste Bundesanleihen. Nach Steuern und Inflation bedeutet das reale Vermögensvernichtung“, warnt der Vermögensverwalter Stephan Albrech.

Kommentare (47)

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emilioemilio

30.10.2012, 09:42 Uhr

Gratulation zu der Titelüberschrift!

Hier betrügen nur der Staat und das Bank- und Finanzsystem Ihre Bürger in einer permaneten sozio-kulturellen Ausbeutung bzw. Pression!

Account gelöscht!

30.10.2012, 09:43 Uhr

Sie schreiben über Inflation und stellen gleichzeitig die Tagesgeld - Angebote von diversten Online - Banken vor......... Sorry, aber Ihr habt es wohl nicht verstanden. Egal welches Tagesgeldangebot, eine positive Realverzinsung ist damit nicht erreichbar !

Sparer

30.10.2012, 09:55 Uhr

Der Vergleich im Artikel spricht Bände, es fehlt nur eine ganz wichtige Komponente.

Selbst bei der unattraktivsten Anlageform, dem klassischen Sparbuch, blieben €1.092

Die Komponente, die fehlt:
Geld für irgendwelchen Firlefanz ausgegeben: €0
Um das noch etwas weiter zu treiben:
Im 10. Jahr wird eine neue Waschmaschine fällig für €500:
Sparbuch: Restguthaben €592
nix gespart: €500 Schulden, ab jetzt werden Sollzinsen fällig.

Was will uns der Autor also sagen? Dass wir alle nicht mehr sparen sollen, damit wir in zehn Jahren so richtig Schulden machen und an unserem sozialen Abstieg arbeiten können?

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