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29.08.2012

13:15 Uhr

Werner Görg im Interview

„Weniger Sexappeal als ein Porsche“

VonKerstin Leitel, Michael Detering, Ozan Demircan

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Werner Görg, Chef der Gothaer-Versicherung, über die Anlagestrategie seines Konzerns, die Euro-Krise und die Not seiner Kunden, für das Alter vorzusorgen.

Werner Görg, Chef der Gothaer. Uta Wagner für Handelsblatt

Werner Görg, Chef der Gothaer.

KölnHandelsblatt: Die Euro-Krise verunsichert die Anleger, Verbraucherschützer halten die Lebensversicherung gar für überholt. Sind die Kunden überhaupt noch bereit, für das Alter vorzusorgen?
Die Kritik der Verbraucherschützer hinterlässt natürlich ihre Spuren. Besonders in einer Niedrigzinsphase ist der Sexappeal eines solchen Versicherungsproduktes vielleicht nicht mit dem eines Porsches vergleichbar. Aber eines ist ganz klar: Wer auf eine private Altersvorsorge verzichtet, wird im Alter finanzielle Abstriche machen müssen.

Die Deutschen legen bei Lebensversicherungen großen Wert auf Garantien. Erwarten Sie, dass der Garantiezins gesenkt wird?
Ich sehe zurzeit keinen Grund, ihn von 1,75 Prozent weiter abzusenken, und glaube im Übrigen auch, dass wir auch in Zukunft garantieverzinste Produkte weiter im Portfolio haben werden.

Banken und Staaten werden gerettet, und die Versicherer und Sparer leiden unter den niedrigen Zinsen. Ärgert Sie das?
Wir haben diese politisch gegebenen Rahmenbedingungen als Teil unserer Lebensumstände so zu nehmen, wie sie sind. Versicherungsvorstand zu sein ist ja kein Wunschkonzert. Es ist wie bei Kindern: Es wird gewickelt, was kommt.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Rang 1

Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)

Rang 2

Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

Rang 3

Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

Rang 4

Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 5

Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

Rang 17

Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 59

Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

Rang 60

Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

Rang 61

Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

Rang 62

Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

Rang 63

Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Vielen geht die Regulierung der Banken nicht weit genug. Der Munich-Re-Chef Nikolaus von Bomhard fordert, das Investment-Banking vom klassischen Bankgeschäft zu trennen. Stimmen Sie dem zu?
Das ist etwas, was ich als Verantwortlicher für ein Versicherungsunternehmen und auch als Staatsbürger uneingeschränkt unterstütze. Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen das Investment-Banking in den letzten zehn Jahren gestiftet hat, vermag ich auch bei längerem Nachdenken nicht zu erkennen. Es ergibt keinen Sinn, ein Kreditinstitut zu einer Größe heranwachsen zu lassen, dass es dann unter die Rubrik "too big to fail" fällt.

Es wird über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone diskutiert. Was erwarten Sie?
Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass Griechenland in der Euro-Zone und auch in der Europäischen Union verbleibt.

Welche Folgen hätte ein Austritt Griechenlands für Ihr Haus?
Wir sind in Griechenland nur noch in sehr bescheidenem Ausmaß engagiert, und demzufolge würde uns ein Austritt aus dem Euro-Raum oder aus der Europäischen Union nicht mehr treffen.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

29.08.2012, 13:31 Uhr

1.75% Garantiezins bei über 2% Inflation (Tendenz steigend) ist natürlich eine Supi-Anlage!

Das ist den Versicherern aber egal, für die zählt nur die Abschlussprovision. Ob der Versicherte sich in 10 oder 20 Jahren noch was von seinen Auszahlungen kaufen kann, steht in keiner Police...

rausundweg

29.08.2012, 14:17 Uhr

Sparen lohnt nicht: Vermögensteuer kommt, Abgeltungssteuer wird erhöht, Renten werden vollbesteuert => wir zahlen die Zeche für Merkels Euroimperium. Unsere Sozialsystem sind längst durch die EU geplündert, wir merken es bloss noch nicht. Alles eine Frage der Zeit. Und im Alter ist eh alles weg.Das Steuersystem ist ohnehin so aufgebaut, dass die "Sandwich" Generation in die Röhre gucken wird (heute 40-45 Jährigen) Vorsorge:lohnt nicht. Da man als Ottonormalbürger sowieso im mittelschlechtem Altenheim landen wird, weil die Rente und das Angesparte niemals reichen wird, wozu vorsorgen, der Weg endet immer gleich? Saus und Braus hingegen für die Politikerkaste. Vorsorgen ist daher unlogisch. Daher Geld ausgeben und hinterher den Staat für die "Altersvorsorge", wenn man das dann noch so nennen darf, aufkommen lassen. Wer nichts mehr hat, dem kann nichts mehr genommen werden. Wer mit 70 pleite ist, hat dann alles richtig gemacht. Danke Dolce Vita Länder, jetzt wissen wir bescheid.

BlaBlaBla

29.08.2012, 14:21 Uhr

..die setzen jetzt auf wieder auf EU-Staatsanleihen! Ich lach mich schlapp! Bald werdet Ihr Versicherer Euer blaues Wunder erleben..von wegen Altersvorsorge. Ein Schneeballsystem haltet Ihr künstlich am Laufen. Wehe wenn die Bürger aufwachen..

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