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28.08.2012

11:26 Uhr

Wohn-Riester

So macht der Staat den Weg zum Eigenheim billiger

VonThomas Schmitt

Die Regierung will die Regeln für den ohnehin beliebten Wohn-Riester noch verbessern und die Kosten senken. Ein Elf-Punkte-Programm für Häuslebauer, die dadurch viel Geld sparen. Die Sache hat allerdings einen Haken.

DüsseldorfDie Wohnbauförderung läuft wieder heiß. Allerdings heißt die staatliche Hilfe für Bauherren und Wohnungskäufer nicht mehr „Eigenheimzulage“; diese teure Subvention wurde zum 1. Januar 2006 abgeschafft. Stattdessen gibt es seit 2008 den Wohn-Riester. Diese Variante der staatlich geförderten Altersvorsorge, kurz Riester-Rente, startete verspätet und sehr träge, doch seit diesem läuft das Geschäft prächtig. Erstmals verkauften die Bausparkassen im ersten Quartal sogar mehr Riester-Verträge als die scheinbar übermächtigen Konkurrenten, die Versicherer.

Und es könnte noch besser für die Bausparkassen kommen. Denn die Regierung will das Altersvorsorgegesetz erneut verändern. Im September soll ein dickes Paket im Bundeskabinett beschlossen werden. Von 22 Verbesserungsvorschlägen bezieht sich allein die Hälfte auf den Wohn-Riester.

Den Vertretern der Bausparkassen könnte es dadurch noch einfacher werden, ihre Variante der Riester-Rente zu verkaufen. Während die Versicherer durch ihre Vertragskosten selbst in der Politik scharfe Kritik auf sich ziehen, bekommen die Bausparkassen gute Bewertungen von Verbraucherschützern. Viele Finanzexperten beurteilen den Wohn-Riester als die attraktivste Form unter den Varianten der staatlich geförderten Altersvorsorge – also der klassischen und der fondsgebundenen Rentenversicherung, dem Fondssparen und dem Banksparplan. 

Wie einfach der Wohn-Riester heute schon zu verkaufen ist, legte die größte Bausparkasse der Sparkassen, die LBS West, in diesem Jahr vor Journalisten dar. Im ersten Schritt nennen Verkäufer die hohe Förderung und stellen sie bildhaft dar. Die Grundzulage betrage 154 Euro pro Person, die Kinderzulage Kinderzulage 185 Euro für Kinder, die vor 2008 geboren wurden und 300 Euro für Kinder, die ab 2008 auf die Welt kamen.

Das Elf-Punkte-Programm für den Wohn-Riester (Teil 1)

Der Katalog

Die Regierung hat insgesamt 22 Maßnahmen zusammengestellt, mit denen die Private Altersvorsorge der Bürger angekurbelt werden soll. Die Hälfte davon beziehen sich auf den Wohn-Riester.

1. Kapital

Jederzeitige Kapitalentnahme für selbstgenutztes Wohneigentum

Die förderunschädliche Entnahme von gefördertem Altersvorsorgevermögen für die selbstgenutzte Wohnung ist derzeit nur eingeschränkt möglich. So muss die Entnahme entweder im zeitlich unmittelbaren Zusammenhang mit der Anschaffung oder Herstellung der selbstgenutzten Wohnung erfolgen oder zur Entschuldung dieser Wohnung unmittelbar zu Beginn der Auszahlungsphase. Die entsprechende Einschränkung soll aufgehoben werden. Gefördertes Altersvorsorgevermögen könnte somit jederzeit für die Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum entnommen werden.

2. Besteuerung

Jederzeitige „Einmal“-Besteuerung des Wohnförderkontos während der Auszahlungsphase

Der Steuerpflichtige kann sich nach geltendem Recht nur einmalig - zu Beginn der Auszahlungsphase - entscheiden, ob er die ratierliche Besteuerung des Wohnförderkontos bis zum 85. Lebensjahr oder die Einmalbesteuerung wählt. Bei der Einmalbesteuerung des Wohnförderkontos zu Beginn der Auszahlungsphase werden 70 Prozent des in der Wohnimmobilie gebundenen, geförderten Kapitals mit dem individuellen Steuersatz besteuert. Die Möglichkeit der Besteuerung des gesamten noch vorhandenen Wohnförderkontos unter Inanspruchnahme des „Rabatts“ wird auf die gesamte Auszahlungsphase ausgedehnt.

3. Genossenschaften

Erleichterungen im Hinblick auf die Absicherung der weiteren Geschäftsanteile einer Genossenschaft

Altersvorsorgeverträge können auch den Erwerb von weiteren Genossenschaftsanteilen zum Gegenstand haben. Auch in diesem Fall hat der Anbieter zuzusagen, dass die eingezahlten Beiträge für die Alterssicherung zur Verfügung stehen. Die Möglichkeiten der Arten der Absicherung dieser Zusage soll verbessert werden.

4. Investitionen

Flexibilisierung und Verlängerung des Reinvestitionszeitraums

Der Zulageberechtigte kann, wenn er die selbst genutzte Wohnimmobilie wechselt, die sofortige Besteuerung des Wohnförderkontos vermeiden, indem er einen Betrag in Höhe des Wohnförderkontos in die neue selbst genutzte Wohnimmobilie investiert. Die bisherige Reinvestitionsfrist soll verlängert werden auf zwei Jahre vor und fünf Jahre nach Ablauf des Veranlagungszeitraums, in dem er die Wohnung letztmals selbst nutzt.

5. Entnahmen

Zulassung Entnahmebetrag zwischen 75 Prozent und 100 Prozent

Das angesparte geförderte Altersvorsorgevermögen darf förderunschädlich in Höhe von bis zu 75 % oder zu 100 % für die unmittelbare Anschaffung oder Herstellung einer selbst genutzten Wohnung oder zu Beginn der Auszahlungsphase zur Entschuldung der selbst genutzten Wohnimmobilie entnommen werden. Diese betragliche Einschränkung der Entnahmemöglichkeit soll entfallen.

6. Verzinsung

Verminderung der jährlichen Erhöhung der in das Wohnförderkonto eingestellten Beträge von 2 Prozent auf 1 Prozent

Das geförderte Kapital („Wohn-Riester“) wird betragsmäßig in einem Wohnförderkonto erfasst. Während der Ansparphase erfolgt die Erfassung der Förderung fortlaufend. Das Wohnförderkonto wird jährlich um 2 Prozent erhöht. Dieser Wert wird auf 1 Prozent gesenkt.

Im zweiten Schritt zeigen sie die schnelle Tilgung auf. Tenor: „Kürzere Laufzeit und geringere Gesamtkosten durch Riester! (Mit Zulagen und Steuerersparnis das Eigenheim finanzieren.)“ Und im dritten Schritt verweisen sie auf Tests der Stiftung Warentest: „Die hohe Förderung zahlt sich aus.“ So einfach ist das.

„Die meisten Bausparvertreter locken mit Zulagen und der Verzinsungsgarantie“, sagt der erfahrene Finanzierungsexperte Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt. So würden Bausparverträge mit Riester-Rente oft verkauft. Ein Vermittler rede dabei nicht über Details der Riester-Förderung, das Wohnförderkonto oder die Besteuerung im Rentenalter, stellt er fest. Was ja aus der Sicht des Verkäufers auch vernünftig sei. Schließlich wisse der genauso wenig wie sein Kunde, was in 30 oder 40 Jahren sein wird.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

28.08.2012, 11:54 Uhr

Der wirkliche Haken daran ist folgender.

durch die Rezession und der baldigen Währungsreform, welche die Kreditzinsen deutlich in den zweistelligen Bereich heben wird, können die Häuslebauer ihre Raten nicht mehr bedienen. Siehe USA. Dort leben inzwischen Millionen von Menschen in Zeltstädten und haben trotzdem noch Schulden. Die Banken sind die Verbrecher, welche die Gesellschaft ruinieren.

Würde nämlich der Staat, wie es ihm eigentlich zustände, sein eigenes Geld aus der Luft schöpfen und dieses Monopol NICHT den Privatbanken überlassen,
müsste er es sich nicht für teures Geld = ZinsesZins borgen und wir bräuchten dann ALLE KEINE Steuern zu bezahlen.

Unser GANZES Leben wird also nicht von der Politik, sondern von den Banken bestimmt. Ein einzigartiges Betrugssystem. Der ESM hat nahezu die gleichen Strukturen wie die FED. Die Versklavung wird damit auf EU Ebene hochgefahren.

lasstesbessersein

28.08.2012, 11:57 Uhr

Riester Verträge sind Produkte, die nur aufgrund der steuerlichen Förderung und Absetzbarkeit funktionieren. Insbes. fondunterlegte Produkte haben unterirdische Renditen (vor Steuern), da die diversen Kostenlayer jede Renditechance im Keim ersticken. Die Deutschen fallen immer wieder gerne auf den "ich kann doch Steuersparen-Lockruf" der Politik rein. Und was passiert, wenn man alt ist, wird dann die Riester Rente auf die normale Rente angerechnet, weil wir (die Deutsche Regierung) so blöd waren, Athen durchzufinanzieren, die Alterspyramide keine mehr ist und die Rentenkassen leer sind? Also aufpassen, ob man sein Geld langfristig diesem Staat samt wechselnden Regierungen anvertrauen kann. Ich habe meine Versicherung still gelegt, da sich das Konstrukt nicht rechnen wird (zumindest nicht für mich, für den Makler und die anderen Händchenaufhalter schon).

oderdoch..

28.08.2012, 11:59 Uhr

"Seine Kreditrate sinke dadurch nicht, nur die Schulden sänken durch höhere Tilgungen schneller als ohne Riester-Förderung."
wenn man davon ausgeht, dass der Riesterbeitrag in jedem Fall angespart werden würde (ob Wohnriester oder Geldriester) sinkt die Rate sehr wohl. Allein dadurch, dass der Kapitalbedarf um die Bausparsumme verringert wird...

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