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01.03.2006

09:22 Uhr

Wohneigentum ab 2007 integriert

Schub für die Riester-Rente

VonFrank M. Drost und Anke Rezmer

Die Riester-Rente erfreut sich überraschender Beliebtheit. Lange Zeit als zu bürokratisch verschmäht, haben Finanzberater und Verbraucher die staatlich geförderte Altersvorsorge entdeckt.

BERLIN / FRANKFURT. Im vergangenen Jahr wurden fünfmal so viele private Verträge abgeschlossen wie im Vorjahr, errechnete das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Zusätzlichen Schwung für die Riester-Rente erwarten Experten, wenn die Politik die Förderung der Immobilie mit den anderen Anlagearten Versicherung, Fonds- oder Banksparplan gleichstellt. Die große Koalition hat sich prinzipiell darauf verständigt, selbst genutztes Wohneigentum ab 2007 besser mit der Riester-Förderung zu verbinden. Die CDU/CSU hat dazu ein Positionspapier verfasst, das dem Handelsblatt vorliegt. „Die Diskriminierung gegenüber anderen Formen der Altersvorsorge soll im Interesse einer echten Wahlfreiheit für die Bürger beseitigt werden“, heißt es in dem Papier.

Experten sprechen nun von einem immensen Absatzpotenzial für die geförderten Produkte. Eine Verdopplung der Zahl der Verträge auf 10 bis 12 Millionen hält Bernd Katzenstein vom Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) binnen einigen Jahren für „nicht unrealistisch“. „Die Hälfte der Bevölkerung sorgt nicht genügend vor, um den Lebensstandard im Alter zu halten“, wie das von der Deutschen Bank finanzierte Institut ermittelte. Aber erst ein Viertel der 35 Millionen Förder-Berechtigten im Land hätten einen Vertrag abgeschlossen, sagt Katzenstein. Der Marktführer bei Riester-Fondsprodukten, die genossenschaftliche Union Investment, rechnet sogar damit, dass langfristig alle Berechtigten einen Vertrag abschließen werden. In den nächsten zwei bis drei Jahren dürfte die Hauptgruppe von rund 70 Prozent der Begünstigten einen Vertrag unterschreiben, betont auch Wolfram Erling, Leiter Zukunftsvorsorge bei Union Investment, optimistisch.

„Hohes Potenzial“ erkennt auch Michael Franke, Geschäftsführer des Researchhauses für Versicherungen, Franke & Bornberg. „Die Versicherungsvertriebe halten die Produkte nicht mehr unter der Ladentheke“, sagt er. Seit Anfang 2005 die Vergütung für die Vermittler attraktiver wurde, laute ihr Motto „lieber Riester als gar kein Geschäft“.

Allerdings scheint die Förderung vorrangig Bezieher mittlerer und höherer Einkommen zu erreichen. Laut DIA gehören die größten Riester-Fans zu den Haushalten mit einem Netto-Einkommen von 1 500 bis 3 800 Euro im Monat, die zu 30 Prozent einen Vertrag abgeschlossen haben. Drei Viertel der Haushalte mit einem Einkommen bis zu 1 500 Euro wollen hingegen nicht „riestern“. „Viele haben einfach keine 30 bis 40 Euro im Monat übrig“, erklärt Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen das Problem.

Bislang dominieren die Versicherer das Riestergeschäft. Per Ende 2005 schlossen sie 4,8 Millionen Verträge ab. Allerdings konnte die Fondsindustrie im vergangenen Jahr Boden gut machen und ihren Bestand um die Hälfte erhöhen. Union Investment verkaufte im vergangenen Jahr die meisten Riester-Verträge. Darin sieht Erling eine Trendwende hin zu Fonds: „Die Bevölkerung erkennt, dass Rendite das Wichtigste ist.“ Versicherungen erlaubt der Gesetzgeber nur einen Aktienanteil von 35 Prozent bei ihren Anlagen, den die Häuser auch noch deutlich unterschreiten. Fonds werden hier hingegen nicht eingeschränkt.

Andere glauben, dass Versicherer weiter dominieren. „Auf Dauer gewinnt, wer dem Vertrieb die bessere Vergütung bietet“, sagt Franke. Das Gesetz verlangt zwar, dass die Vertriebsgebühren bei Riester-Verträgen auf fünf Jahre verteilt werden. Allerdings ist es inzwischen auch hier üblich, dass Versicherer den Vermittlern ihre Provision beim Abschluss des Vertrags zahlen und dies intern vorfinanzieren. Fonds und Banken zahlen den Vermittlern hingegen regelmäßig kleinere Beträge.

Förderung nach Riester:

Konzept:


Die Riester-Rente fördert für Rentenversicherungspflichtige das private Sparen für eine Alters-Zusatzrente. Der Staat zahlt Zulagen und gewährt Steuervorteile.

Aktuell:


Wer in eine Versicherung, einen Bank- oder Fondssparplan einzahlt, erhält für 2006 Zulagen von 114 Euro, zudem für jedes Kind 138 Euro. Bis 2008 steigen die Beträge auf 154 und 185 Euro im Jahr. Außerdem kann man die Sparraten als Sonderausgaben geltend machen. Im Rentenalter werden die Einkünfte versteuert (nachgelagert).

Geplant:


Die derzeitige Möglichkeit, zur Finanzierung einer Immobilie Kapital aus einem Riester-Vertrag zu entnehmen, hält die CDU/CSU für zu kompliziert. Ähnlich wie die Bausparkassen will die CDU/CSU bei Immobilien auf die nachgelagerte Besteuerung verzichten. Die CDU/CSU plädiert für abgesenkte Altersvorsorgezulagen, „um Bürgern und Finanzverwaltung die Erfassung des Wohneigentums für steuerliche Zwecke im Alter zu ersparen“. Während die Union keinen Vorschlag über die „Absenkung“ macht, sprechen sich die Bausparkassen für eine Verringerung um ein Fünftel aus. Ein Ehepaar mit Kind würde so ab 2008 statt 493 Euro nur 394 Euro an Zulagen für den Kauf einer selbst genutzt Immobilie erhalten. Zudem will die Regierung die Kinderzulage für ab 2008 geborene Kinder von 158 auf 300 Euro anheben.

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