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30.05.2012

14:08 Uhr

Wohngebäude

Die beste Versicherung fürs Eigenheim

VonThomas Schmitt

ExklusivWer sein Einfamilienhaus versichert, zahlt oft drauf. Die Preisunterschiede sind gewaltig - bei nahezu identischen Tarifen. Wie Versicherte sich gut schützen und den Konkurrenzkampf der Versicherer nutzen. Ein Ratgeber.

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DüsseldorfAufgepasst! Wenn Versicherer laut klagen, sollten Kunden aufhorchen. Denn oft stimmen sich die Manager so gemeinsam auf höhere Preise ein. Und mehr zahlen soll natürlich demnächst der Kunde - in Form einer höheren Prämie. Bei den Versicherern von Häusern und Wohnungen scheint das gerade der Fall zu sein. 

Neben der Autoversicherung sei die Wohngebäudeversicherung „ein weiteres Sorgenkind“ der Branche, urteilt Robert Pohlhausen. Er muss es wissen, denn er ist Manager des Hannoveraner Sparkassenversicherers VGH und zugleich Sprecher für die Schaden- und Unfallversicherer im Branchenverband GDV.

Warum die Wohngebäudeversicherung teurer wird

Tiefrote Bilanzen

Die Wohngebäudeversicherer haben in den letzten Jahren viele Milliarden Euro Verluste angehäuft. 2013 war es besonders schlimm. Nur wenige arbeiten profitatel, wenn man Prämien sowie Kosten und Schäden vergleicht.

Quelle: Simon, Kucher & Partners

Wunder Punkt der Branche

Die Wohngebäudeversicherung mit ihren notorisch schlechten Ergebnissen ist nach wie vor ein wunder Punkt der Assekuranz. Gerade im schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld sind Zuschussgeschäfte dieser Größenordnung nicht mehr haltbar, glauben Experten.

Wenige Gewinner

Die kombinierte Schaden- und Kostenquote, ein Maß für die Profitabilität, liegt bei nur wenigen Unternehmen unter 100 Prozent. Das heißt, nur diese Anbieter verdienen im Kerngeschäft überhaupt Geld. Viele andere gleichen die Verluste aus der Wohngebäudeversicherung durch erfolgreiches Cross-Selling in anderen Bereichen aus.

Starker Preiskampf

Extreme Wetterereignisse, anfällige, überalterte Gebäude und dazu der langjährige intensive Preiskampf: Die Rahmenbedingungen der Wohngebäudeversicherung sind alles andere als einfach und drücken auf die Marge. "Um im Wohngebäude-Geschäft mitzuspielen, zahlen die Versicherer drauf. Allmählich erkennen sie aber doch, dass der Preis zu hoch sein könnte", erklärt Dirk Schmidt-Gallas, Partner bei Simon-Kucher.

Weniger Angst vor Kundenverlusten

Fast alle Befragten (91 Prozent) haben der Unternehmensberatung zufolge Maßnahmen im Visier, um die schlechte Ertragssituation anzupacken oder erwirtschaftete Erträge zu stabilisieren. Ganz oben auf der Agenda steht das Thema Preissetzung. Schmidt-Gallas: "In der Vergangenheit war es in der Kfz-Sparte auffällig, dass die Versicherer vor konkreten Maßnahmen in letzter Minute doch noch zurückschrecken. Die Entwicklungen der letzten Wechselsaison machen jedoch Mut. Höhere Preise und der Verzicht auf Stücke sind erfreulicherweise nicht mehr tabu."

Veränderungswille

Von den Anbietern, die unprofitabel arbeiten, halten fast alle ertragssteigernde Maßnahmen für notwendig. Aber auch die profitablen Anbieter wollen überwiegend ihre Marge aktiv verbessern. Die wirksamsten Hebel sehen die meisten Anbieter in der Bestandssanierung.

Überfällige Preiserhöhungen

Ganz oben auf der Liste der Aktivitäten stehen die Kündigung unwirtschaftlicher Verträge sowie Preiserhöhungen. "Höhere Preise sind längst überfällig", sagt Verena Beeck, Studienleiterin und Senior Director bei Simon-Kucher. In einem Jahr mit extremen Verlusten, wie 2013, setzen immer mehr Anbieter dies auch um.

Zu hohe Rabatte

Neben der Bestandssanierung wollen unprofitable Anbieter vor allem ihre Rabatte reduzieren. "Die übermäßige Rabattvergabe ist ganz wesentlich Schuld an der schlechten Ertragslage dieser Anbieter ist", erläutert Beeck. An zweiter Stelle nehmen die Befragten die Themen Veränderung der Zeichnungspolitik und die Förderung von wertorientiertem Verkauf in Angriff.

Druck von Beratern

Berater wie jene von Simon, Kucher & Partners raten den Versicherern ausdrücklich, die Preise zu erhöhen. Die Rabattstrategie im Neugeschäft sollen sie überarbeiten und das Rabattvolumen reduzieren. Um insgesamt höhere Preise im Neugeschäft durchzusetzen, sollten sich die Versicherer darauf konzentrieren, den Wert ihrer Policen klar zu machen. 

Experten bestätigen den Befund aufgrund einer Befragung der größten Anbieter: „Nur 15 Prozent verdienen überhaupt Geld im operativen Geschäft“, sagt Dirk Schmidt-Gallas von der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners. In den vergangenen Jahren haben die Wohngebäudeversicherer Milliardenverluste angehäuft. Viele konnten das durch Gewinne in anderen Sparten ausgleichen. Doch wie lange geht das noch? Die Empfehlung des Beraters an die Versicherer lautet daher: „Preise erhöhen, Rabattvergabe überdenken und Bestand sanieren.“ 

Für Kunden bedeutet das: Sie müssen mit einer härteren Gangart der Versicherer rechnen. Dadurch kann sich im Einzelfall auch mal der Service verschlechtern. Doch auch wenn der eigene Versicherer aus Konkurrenzgründen nicht die Prämien anziehen sollte, Vergleiche lohnen sich in jedem Fall. Denn Analysten stellen gewaltige Preisunterschiede in der Wohngebäudeversicherung fest. Der teuerste Anbieter verlangt mitunter drei Mal so viel wie der günstigste – und das bei nahezu identischer Qualität des Produkts.   

„Erst die genaue Analyse offenbart die größten Unterschiede in den untersuchten Tarifen zur Wohngebäudeversicherung“, stellen die Analysten von Franke und Bornberg fest. Sie haben insgesamt 267 aktuell am Markt platzierte Tarife auf 73 verschiedene Leistungsdetails hin untersucht und bewertet. Für drei Beispielhäuser aus Hamburg, Hessen und Bayern fragte das Analysehaus - exklusiv für das Handelsblatt - die Preise bei besonders gut benoteten Versicherern ab. Die Ergebnisse finden sich auf den folgenden Seiten. Sie zeigen: Eine gute Wohngebäudeversicherung muss nicht teuer sein. Sie sollte aber gut sein.

Schließlich sei der Bau oder Kauf von Wohneigentum für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil ihrer Lebens- und Vermögensplanung, stellen die Analysten fest. Viele verbänden damit eine sichere Geldanlage, einen Teil ihrer Altersvorsorge und den Wunsch, sich eigene Werte zu schaffen. Um dieses Eigentum zu schützen, gehöre für jeden Hausbesitzer eine Wohngebäudeversicherung zu den existenziell wichtigen Versicherungen.

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Kommentare (8)

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vufi.de

30.05.2012, 14:35 Uhr

Also da soll noch einmal der Endverbraucher den "richtigen" Tarif finden. Was hier so als TopSchutz gesehen wird! Naja, ich als Makler vertrete da gegenüber meinen Mandanten eine andere Ansicht! Leider fehlen hier, wie auch so oft, Tarife diverser Konzeptanbieter! Was ist hier mit den Punkten, grober Fahrlässigkeit, Rohre außerhalb des Grundstücks, Windstärkeklauseln, etc.! Gruß aus Königswinter vufi.de

nicehome

30.05.2012, 14:53 Uhr

...ist nichts, wenn Erdbeben kommen wie in Modena! Hört auf mit dieser Gehirnwäsche, dass Eigenheim GLÜCKLICH macht. Wenn man ätzende Nachbarn hat, ist das die HÖLLE, der man nicht entfliehen kann! Oder wenn man in Flörsheim wohnt, kann man dem Fluglärm nicht entgehen, der Wert des Eigenheims sinkt rapide: TOLLE SACHE!!!!

Gruebler

30.05.2012, 15:29 Uhr

Der ohnehin ruinöse Preisverfall durch Rabattschlachten und Preiskriege der Versicherer wird enden, denn in Zeiten von schwieriger Refinanzierung der privaten Altersversorgung und dem Versiegen von alternativen Kaptaleinnahmen, sind die Versicherer gewzungen sich auf das Kerngeschäft (Versicherung) zu stürzen und dieses proiftabel zu betreiben. Insofern werden sich die Prämienunterschiede der einzelnen Versicherer auf lange Sicht annähern. Wenn es am Kapitalmarkt wieder solide zugeht wird es aber nicht lange dauern bis der nächste aufstebende Branchenvertreter zum Angriff bläst und die nächste Sau durchs Dorf treibt. Es bleibt zu hoffen, dass durch die Preisschlachten der Markt bereinigt und ungesunde Versicherer vom Markt verdrängt werden. Das gesamte Privatgeschäft der Versicherer läuft seit Jahren teils so ruinös, dass einige Marktteilnehmer laut über eine Verabschiedung aus diesem Segment nachdenken.

Ein längst überfälliger Schritt.

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