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17.10.2012

15:27 Uhr

Zahlungsverkehr

„Deutschland ist ein Bargeldland“

Eigentlich sind Geldscheine nur bedrucktes Papier, darauf verweist sogar der Bundesbank-Präsident. Doch das Vertrauen der Deutschen in die Banknoten ist ungebrochen. Die Kartenfirmen sehen das gar nicht gerne.

Ein Koffer voller Geld. dpa

Ein Koffer voller Geld.

FrankfurtOb beim Bäcker, an der Tankstelle oder im Supermarkt: Die meisten Einkäufe zahlen Deutschlands Verbraucher immer noch bar.„Bargeld ist Geld zum Anfassen“, bringt es Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Mittwoch bei einem Symposium der Notenbank in Frankfurt auf den Punkt. „Geldscheinbündel und Tresore voller Geld gehören heute noch zu den unmittelbarsten und eingängigsten Symbolen für Reichtum und Wohlstand.“

An Dagobert Ducks Geldbad erinnert sich auch Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Privatbankenverbandes BdB, gut - obwohl die Lektüre der Comics schon eine Weile her sei. Damit hat Kemmer auch gleich eine Antwort auf seine Frage: „Woher kommt die Liebe der Deutschen zum Bargeld?“ - wo es doch inzwischen eine Reihe „weitaus sicherer und bequemerer Alternativen“ zu Schein und Münze gebe.

Kartenzahlung im Vorbeigehen

Wie funktioniert kontaktloses Bezahlen?

Das kontaktlose Bezahlen funktioniert per Funk. Die Karten mit Girogo-, Paypass- oder Paywave-Technologie sind mit einem speziellen Chip (NFC - Near Field Chip) ausgestattet. Die Daten werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte im Abstand von maximal vier Zentimetern davorgehalten wird. Der Inhaber gibt seine Kreditkarte oder Girocard dabei nicht aus der Hand.

Für welche Beträge ist das gedacht?

Vor allem für Kleinbeträge, die üblicherweise bar bezahlt werden: Tageszeitung, Kaffee. Nutzer neuartiger Visa- oder Mastercard-Karten können kontaktlos bis zu einem Betrag von 25 Euro ohne Geheimnummer (PIN) oder Unterschrift bezahlen. Liegt der Betrag darüber, sind PIN oder Unterschrift notwendig. Wer die SparkassenCard nutzt, muss - wie zuvor bei der Geldkarte - ein Guthaben von höchstens 200 Euro auf die Karte laden und kann dann Beträge bis 20 Euro kontaktlos bezahlen. Nächstes Jahr entscheidet die Kreditwirtschaft über höhere Summen.

Ist die Technik sicher?

Nach Angaben der Sparkassen werden beim Bezahlvorgang nur zahlungsrelevante Daten wie Betrag und Kartennummer ausgetauscht: „Es werden keine Kundeninformationen, keine Namen, an den Handel weitergegeben“, sagt Werner Netzel, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands. Visa führt aus, Zahlungen seien „besonders sicher“. Weil nur noch der Chip und nicht der Magnetstreifen zum Einsatz komme, gebe es keine Chance für Kriminelle, die durch manipulierte Automaten Kartendaten abschöpfen. Auch Mastercard will die Sorge vor ungewollten Abbuchungen nehmen: Die Karte funktioniere nur, wenn sie sich im Abstand von höchstens vier Zentimetern vom Terminal befinde.

Wo kann schon kontaktlos bezahlt werden?

In den Stadien der Fußball-Erstligisten Bayer Leverkusen und Mainz 05 sowie beim Handball-Bundligisten Frisch Auf Göppingen. In Dortmund haben Studentenausweise die kontaktlose Bezahlfunktion. Im April startet die Kreditwirtschaft einen Pilotversuch mit mehr als einer Million Karten im Raum Hannover, Braunschweig, Wolfsburg. Die Sparkassen wollen die Zahl der neuartigen Karten bis Jahresende von 1,2 Millionen auf 16 Millionen steigern. Als Partner gewonnen haben sie die Esso-Tankstellen und die Douglas-Gruppe (Thalia, Christ, Hussel), eine Drogerie- und eine Lebensmittelkette sollen folgen. Das Mastercardsystem „PayPass“ akzeptieren viele Tankstellen (BP/Aral) und die Gastronomiekette Vapiano. Die kontaktlose Visa-Zahlungskarte („Visa payWave“) wollen bis Mitte 2012 sechs deutsche Banken an ihre Kunden ausgeben: BW-Bank, Comdirect, DKB, Landesbank Berlin, Targobank und Volkswagen Bank.

Wie zahlen die Menschen in Deutschland vor allem?

Traditionell mit Bargeld. Nach den aktuell verfügbaren Zahlen der Bundesbank und des Einzelhandelsverbandes HDE für das Jahr 2010 sind Schein und Münze bei Einkäufen das mit Abstand meistgenutzte Zahlungsmittel in Deutschland. Gemessen am Umsatz liegt der Bargeldanteil nach wie vor bei etwa 60 Prozent. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele befand kürzlich: „Zumindest ist unser Eindruck, dass der Markt für die elektronische und mobile Zahlungen - kurz „e- und m-payments“ - in Deutschland noch eher in den Kinderschuhen steckt.“ Viele Verbraucher zahlen auch deshalb lieber bar, weil sie dann ohne großen Aufwand den Überblick über ihre Ausgaben behalten.

„Bargeld ist ein zutiefst emotionales Produkt“, bilanziert Kemmer. Es werde überall akzeptiert, könne im Grunde an jeder Straßenecke aus dem Automaten gezogen werden, schütze an der Supermarktkasse vor genervten Blicken aus der Warteschlange, wenn bei Kartenzahlung die Technik stocke und könne ganz plastisch unters Kopfkissen gelegt werden. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele meint, Bargeld mache Bürger „im Grunde so frei, wie sie sein möchten“.

Die Liebe der Banken zum Bargeld, daraus macht Kemmer zugleich keinen Hehl, hält sich in Grenzen: Mehr als vier Milliarden Euro müssten Banken und Sparkassen jährlich immer noch aufbringen, um die Bargeldversorgung ihrer Kunden zu gewährleisten.

So erkennen Sie falsche Banknoten

Fühlbare Schrift

Auf der Vorderseite der Geldscheine sind erhabene Teile des Druckbildes zu fühlen (Schriftzug „BCE ECB EZB EKT EKP“ am oberen Rand).

Wasserzeichen

Hält man den Geldschein gegen das Licht, ist im unbedruckten Bereich ein Wasserzeichen zu erkennen.

Hologramme

Beim Kippen der Banknote verändern sich die Hologrammelemente.

Glanzstreifen

Auf der Rückseite der Banknote befindet sich ein Perlglanzstreifen mit dem Wert des Geldscheins (Scheine bis 20 Euro) oder die rechte Wertzahl wechselt beim Kippen der Noten die Farbe (Scheine ab 50 Euro).

Vergleichen

Wer unsicher ist, ob eine Banknote echt ist, sollte sie mit einem anderen Geldschein vergleichen, etwa einem, der von einem Geldausgabeautomaten ausgezahlt wurde.

Den Durchschnittverbraucher kümmert das in der Regel wenig. 118 Euro Bargeld haben die Menschen im Schnitt im Portemonnaie, Beträge zwischen 20 und 50 Euro werden in Deutschland fast ausschließlich bar beglichen. Getreu dem Motto „Nur Bares ist Wahres“ zahlen viele Verbraucher in Deutschland auch deshalb lieber bar, weil sie dann ohne großen Aufwand den Überblick über ihre Ausgaben behalten.

Kommentare (25)

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Ein_Sparsamer

17.10.2012, 15:44 Uhr

Warum Bargeld?
Weil es den deutschen Staat resp. Kreditinstute und sonstige, übereifrige Datensammler und Tracker einen feuchten Kehricht angeht, wann ich wo wieviel für was bezahlt habe!
Die Bezahlung per Funkbrücke ist das allerletzte und weist m.E. ein massives, inhärentes Sicherheitsdefizit auf. Ich lege definitiv keinen Wert darauf, daß Hinz und Kunz über mich ein Profil anlegen können.
Warum wohl treibe ich am Computer im Internet einen Riesenaufwand mit Blockern aller Art,angefangen bei Werbeblockern über Refererblocker, Script- und Cookieblocker bis hin zu Ghostery (blockiert Tracker, Analyser, Widgets, weitere Cookies u.ä.)? Um dann beim Einkaufen den gläsernen Verbraucher zu geben?
Na also!

NKM

17.10.2012, 16:12 Uhr

NFC-Technik, wie wir ja alle wissen, setzt auf RFID Chips. Super Idee, wo man die dann mit jedem Handelsüblichen RFID-Chiplesegerät auslesen kann, oder? Jeder Kriminelle wird sich die Finger danach lecken, da er nur noch an den Personen vorbeigehen muss und schon hat er die Kartendaten. Das macht Geldklau noch viel einfacher^^

Mit Kreditkarte zahlen - jap, kann man (auf normalem Weg - nicht per Funk), aber wo wird das denn angeboten außer in den überteuerten Läden der großen Innenstädte? Und wenn, dann hat man in Deutschland meistens Nachteile, da viele Händler dazu übergegangen sind bei Kreditkartenzahlungen das Rückgaberecht einzuschränken (ist mir letztens passiert - EC-Karte, Bar = 14 tage 100% Rückgabe mit Geldzurückgarantie, bei Kreditkartenzahlung nur Rückzahlung per Gutschein)

Also warum soll man da auf Bargeldlos gehen?

Und das, was "Ein_Sparsamer" gesagt hat von wegen gläserner Kunde ist der nächste Punkt ;-)

John

17.10.2012, 16:17 Uhr

Absolut richtig !!!!

Aus genau den von Ihnen beschriebenen Gründen habe ich seit einiger Zeit meinen Karteneinsatz drastisch eingeschränkt.

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