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10.01.2014

07:08 Uhr

Zahlungsverkehr

Notenbanken wehren sich gegen Sepa-Verzögerung

ExklusivDie EU-Kommission hat mit der Fristverlängerung für das Zahlungsystem „Sepa“ die europäischen Notenbanken verprellt. Diese wollen eigentlich gar keinen Aufschub. Es gibt starken Widerstand.

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hielt lange eine Fristverschiebung für unmöglich. dpa

Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele hielt lange eine Fristverschiebung für unmöglich.

FrankfurtDie europäischen Notenbanken haben sich nach Informationen des Handelsblatts zufolge gegen die von der EU-Kommission angekündigten sechsmonatige Verlängerung der Umstellungsfrist für das Zahlungssystem Sepa gewehrt. Die sogenannte High-Level-Group aus nationalen Zentralbanken und der EZB sei dagegen gewesen, die Einführung um ein halbes Jahr auf den 1. August 2014 zu verschieben, berichtet das Handelsblatt (Freitagsausgabe).

Sie wollten höchstens einen um drei Monate verschobenen Startbeginn für das europäische Zahlungssystem akzeptieren, berichtet die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Bei einem Treffen der Notenbank-Vorstände mit der EU-Kommission Ende Dezember habe es starken Widerstand gegen den nun öffentlich gewordenen Vorschlag der Kommission gegeben.

Eigentlich sollte am 1. Februar von den bisherigen Kontonummern und Bankleitzahlen auf ein europaweit einheitliches System umgestellt werden – für private Überweisungen gilt eine Frist bis 2016. Kernstück der Reform ist die neue Iban-Kontonummer mit 22 Stellen. Mit Vehemenz hatten die Bundesbank und Bankenverbände Unternehmen, Vereine und Organisationen davor gewarnt, die Umstellung auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch bei Banken herrschte am Donnerstag Verwunderung über die EU-Entscheidung.

Hintergründe zu Sepa

Welches Ziel hat Sepa?

Die nationalen Zahlungsverfahren werden nach und nach abgeschafft. Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen zwischen den Ländern sollen schneller und günstiger werden. Sepa ist die dritte Stufe der Umstellung auf den Euro.

Seit wann gibt es Sepa?

Das Verfahren wurde bereits Anfang 2008 für Überweisungen eingeführt. Seit 2009 können Bankkunden auch das grenzüberschreitende Lastschriftverfahren nutzen. Ursprünglich hatte die EU-Kommission keinen Umstellungstermin vorgegeben, sondern auf eine Lösung im Markt gehofft. Dies misslang jedoch, die Beteiligung an dem System war zu gering – besonders in Deutschland. Denn die Deutschen hängen an ihrem eigenen System, schließlich funktioniert es gut.

In welchen Ländern gilt Sepa?

EU-Mitgliedstaaten: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Zypern; außerdem: EWR-Staaten: Island, Liechtenstein, Norwegen; sowie: Schweiz, Monaco, Mayotte, Saint-Pierre und Miquelon.

In welcher Währung sind Sepa-Zahlungen möglich?

Zahlungen per Sepa sind nur in Euro möglich. Für Transaktionen in anderen Währungen müssen Bankkunden eine Auslandsüberweisung tätigen.

Was verbirgt sich hinter der IBAN?

An die Stelle der herkömmlichen Kontonummer und Bankleitzahl tritt die IBAN - International Bank Account Number. Sie hat insgesamt 22 Stellen und beginnt mit einem Länderkürzel - DE für Deutschland. Daran schließt sich eine zweistellige Prüfziffer an, die bisherige Bankleitzahl und die Kontonummer. Dank der Prüfziffer bekommt der Bankkunde sofort eine Fehlermeldung, wenn er sich bei der Zahlenabfolge vertippt hat. Das ist ein großer Vorteil, insbesondere seitdem Banken den Namen des Kontoinhabers und die Kontonummer nicht mehr abgleichen.

Wozu dient der BIC?

Der BIC - Bank Identifier Code - hat elf Stellen und soll die Bankleitzahl ersetzen. Kritiker monieren jedoch, dass die Kennung der Bank in Form der alten Bankleitzahl bereits in der IBAN enthalten ist. Ein weiterer Code mache die Überweisung nur unnötig kompliziert. Ab Februar 2014 soll der BIC bei Überweisungen im eigenen Land deshalb wegfallen. Für Geldtransfers innerhalb Europas von 2016 an.

Wann muss ich auf Sepa umsteigen?

Eine Verpflichtung zur Umstellung auf die Sepa-Überweisung und -Lastschrift besteht ab dem 1. Februar 2014. Bis dahin gelten Sepa und die nationalen Zahlsysteme parallel.

Welche Sonderrechte haben Verbraucher?

Bis zum Februar 2016 können Verbraucher die alte kurze Kontonummer im nationalen Zahlungsverkehr noch nutzen, sofern ihr Zahlungsdienstleister die Konvertierung in die IBAN anbietet.

Wo müssen Kunden ein Konto führen?

Wer beispielsweise in Deutschland wohnt, aber im Ausland arbeitet oder studiert, braucht nur noch in seinem Heimatland ein Bankkonto. Bisher waren mehrere Bankkonten nötig.

Was ändert sich bei der Bankkarte?

Künftig gilt die Bankkarte (debit card) für Euro-Zahlungen in allen Ländern des Sepa-Gebiets. Dadurch müssen Reisende weniger Bargeld bei sich tragen.

Quelle

EU-Kommissar Michael Michel Barnier hat laut Notenbankkreisen so kurz vor den Europawahlen Ende Mai einen chaotischen Sepa-Start vermeiden wollen. „Letztlich ist es aber ein Thema der Kommission“, erklärte EZB-Chef Mario Draghi. EZB und Euro-System besitzen keine Handhabe, eine mögliche Verschiebung zu stoppen.

Notenbankkreise befürchten, dass das Tempo der Umstellung durch den neuen Termin nun wieder nachlassen könnte. Die Deutsche Kreditwirtschaft appellierte, dass die noch nicht vorbereiteten Firmen die gewonnene Zeit nun nutzen sollten.

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Kommentare (7)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

10.01.2014, 07:45 Uhr


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Mazi

10.01.2014, 08:20 Uhr

Es ist bezeichnend, dass es zwischen der EU-Commission und den umsetzenden Behörden scheinbar keine Kommunikation gibt.

Was will uns diese neuerliche Story sagen?

ridikuel

10.01.2014, 08:32 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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