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05.09.2012

12:54 Uhr

Zinsen, Gebühren, Entgelte

Wo Banken bei Privatkunden abkassieren

VonJens Hagen

ExklusivDie Banken haben Privatkunden als Ertragsquelle entdeckt: Seit der Lehman-Pleite hat fast jede dritte Bank die Gebühren erhöht, darunter auch die großen Finanzkonzerne. Welche Kunden mehr zahlen müssen.

Zentrale der Deutschen Bank: Notorische Gebührenerhöhungen plagen die Privatkunden. dpa

Zentrale der Deutschen Bank: Notorische Gebührenerhöhungen plagen die Privatkunden.

Wenn die Deutsche Bank wieder mal einen Brief an ihre Kunden schreibt, bedeutet das für die selten etwas Gutes. Sobald das vormals ordentlich verzinste Festgeld ausläuft, erhalten Sparer bei der Verlängerung um vier Jahre nur noch einen Satz von einem Prozent. Nach einem Tagesgeldkonto ohne Beschränkungen suchen Kunden seit Jahren vergebens, der Dispozins liegt bei 12,5 Prozent.

Bei geduldeten Überziehungen gilt beim Branchenprimus seit Juni neuerdings ein „Mindestpreis von 6,90 Euro pro Quartal“. Zum 21. August erhöhte das Institut die Entgelte für eine schriftliche Benachrichtigung bei Ablehnung einer Überweisung um mehr als das zweieinhalbfache.

Diese Banken haben ihre Gebühren erhöht

Audi Bank und Volkswagen Bank

Die Audi-Bank direct ist, wie auch die Volkswagen-Bank direct, ein Geschäftsbereich der Volkswagen-Bank. Sie bietet nicht nur Finanzdienstleistungen rund um das Automobil, sondern auch Giro- und Zinskonten.

Aktuell bieten beide Banken bei einem monatlichen Eingang von 1000 € ein kostenloses Girokonto an. Ansonsten kostet dieses 54 € im Jahr. Die Kreditkartengebühren (Visa) betragen aktuell 33€ im Jahr. Im Jahr 2008 betrugen diese noch 20€. Damit stiegen die Kosten für die Karten innerhalb von vier Jahren um stolze 65 Prozent.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 10,12% / 13,78%

Quelle: FMH-Finanzberatung. Stand: September 2012.

Commerzbank

Auch die Bank mit Staatsbeteiligung langt zu. Während beim kostenlosen Girokonto lediglich die Kreditkarte um 90 Eurocent teurer wurde, müssen Kunden beim gebührenpflichtigen Aktivkonto tief in die Tasche greifen. Neben der Preiserhöhung für die Kreditkarte stiegen die Kosten für die Kontogebühr um mehr als 40 Prozent auf 82,80 € im Jahr.

Damit nicht genug: Die Kosten für Überweisungen in Papierform stiegen um knapp 70 Prozent auf 1,50 Euro. Genauso viel kostet übrigens Telefonbanking.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 13,24% / 18,74%

Deutsche Bank

Der Branchenprimus langt beim beliebten Aktiv-Konto zu. Stolze 59,88 € zahlen Kunden als Kontogebühr, elf Prozent mehr als vor der Lehman-Krise. In diesem Jahr verteuerte sich die Einstiegs-Kreditkarte um 30 Prozent auf 39 Euro. Keine Bank im Vergleich verlangt so viel fürs-Standard-Plastikgeld, das viele Banken gratis anbieten. Zusätzlich führte die Deutsche Bank ein Entgelt für Überweisungen in Papierform ein. 1,50 € zahlen Kunden jetzt pro Vorgang.

Aktueller Disposollzins / über Limit: 12,50% / 16,50%

HypoVereinsbank

Auch bei der in Süddeutschland starken Tochter der Unicredit geht’s rauf. Wer im Durchschnitt kein Guthaben von 1500 € pro Quartal vorweisen kann, zahlt beim Klassikkonto eine Gebühr von 70,80 € pro Jahr. Das sind 18 Prozent mehr als 2008. Da nützt es wenig, das sich die Gebühren für Überweisungen in Papierform um 10 Cent auf 90 Cent verbilligt haben.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 11,44 / 16,44

Die HVB verweist auf die Einführung eines neuen Produkts mit den Namen "Konto Online". Das Konto wird im Internet eröffnet. Dort fallen keine Gebühren an, wenn eine Guthabengrenze unterschritten ist. Laut Bedingungen kostet die klassische Mastercard 20 Euro. Beleghafte Überweisungen oder Telefonüberweisungen werden mit 2,50 Euro je Vorgang abgerechnet.

Frankfurter Sparkasse

Nicht nur bei den Privatbanken steigen die Preise. Zwar bleibt das „Privatkonto aktiv“ gebührenfrei, wenn der Kunde mehr als 1.200€ pro Monat verdient. Die vormals kostenfreie Kreditkarte kostet bei der Frankfurter Sparkasse jetzt 20 €. Am Schalter zahlen Kunden für die Überweisung in Papierform 1,50 €. Für Bareinzahlungen zu Gunsten Dritter werden sogar 5 € fällig.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 12,44% / 17,94%

1822direkt

Auch bei der Direktbank der Frankfurter Sparkasse steigen die Kosten. Die Kreditkarte der 1822direkt kostet aktuell 25 € pro Jahr. Im Vergleich zu 2008 sind die Kosten damit um 5€ gestiegen. Dass entspricht einem Anstieg von 25 Prozent.

Das Girokonto ist bei einem monatlichen Geldeingang kostenlos. Ansonsten betragen die Kontoführungsgebühren 46,80 € pro Jahr.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 8,09% / 13,34%

Die Direktbank merkt an, das sie erst kürzlich die Dispozinsen gesenkt habe und die Kreditkarte ab Umsätzen in Höhe von 2000 € gratis sei. Außerdem hätte die Bank die Gebühren für telefonische Überweisungen gestrichen.

PSD-Banken

Selbst bei den Preisbrechern aus dem Genossenschaftsbereichsteigen die Kosten. Die PSD Bank Kiel verlangt für die ehemals kostenfreie Kreditkarte jetzt 10 €. Zusätzlich fallen Kosten für Überweisungen in Papierform an. Bei der PSD Bank Köln zahlen die Kunden dafür neuerdings 1 €. Bei der PSD Bank Nord kosten Papierüberweisungen neuerdings 35 Eurocent. Für die vormals kostenfreie Kreditkarte verlangt das Institut jetzt 10 €.

Einen Preisanstieg müssen auch die Kunden der PSD Westfalen-Lippe hinnehmen. Die Kreditkarte kostet jetzt 20 Euro (plus 33 Prozent), für beleghafte Überweisungen werden neuerdings 1,50 € fällig. Die Kollegen im Pott legen nach: Die vormals kostenfreie Kreditkarte der PSD Rhein-Ruhr kostet jetzt bei niedrigen Umsätzen 20 € pro Jahr.

Aktuelle Disposollzinsen /über Limit: PSD Kiel 8,18% / 12,18%; PSD Köln 8,45% / 12,95%; PSD Nord 9,99% / 12,99%; PSD Westfalen-Lippe 7,50% / 11,50%

Santander Bank (frühere SEB)

Auch bei dem kostenfreien Girokonto der Santander-Bank müssen Kunden mehr bezahlen. Die Kreditkarte kosten jetzt 25 €. Das sind 25 Prozent mehr als noch 2008.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 12,55% / 15,98%

Santander Consumer Bank

Hier steigen die Kontoführungsgebühren seit 2008 um mehr als 25 Prozent auf 59,40 € pro Jahr.

Aktueller Disposollzins /über Limit: bis 500€ = 8,98%; bis 1.000€ = 9,98%; ab 1000€ = 12,98% / 15,98% (Zins gilt jeweils für Gesamtbetrag)

Sparda Banken

Die Sparda-Banken Berlin und Hessen verlangen jetzt 20 € für die im Jahre 2008 noch kostenfreie Kreditkarte. Bei der Sparda Bank West stieg der Preis sogar von 0 auf 30 €.

Aktuelle Disposollzinsen /über Limit: Sparda Berlin 12,38% / 17,38%; Sparda Hessen 10,75% / 16,00%; Sparda West 9,75% / 13,75%

Berliner Sparkasse

Bis Anfang 2012 hatte die Berliner Sparkasse den höchsten Marktanteil der Banken in Berlin. Aktuell profitieren die Berliner Sparkassenkunden von gesunkenen Kontoführungsgebühren. Die Kosten für das Girokonto, wie auch für das Girokonto Comfort, sanken im Zeitraum von 2008 bis 2012 von 3,50€ bzw. 7€ auf 2€ bzw. 4€. Damit ist diese Bank die einzige im Vergleich, die ihre Kontogebühren senkt. Die Sätze sind im Marktvergleich aber trotzdem nur Durchschnitt.

Die Kreditkarte der Berliner Sparkasse kostet aktuell 30€ pro Jahr. Im Vergleich zu 2008 sind die Kosten damit um einen Euro gestiegen. Dies entspricht einem Anstieg 3,45%. Auch die Kosten für beleghafte Buchungen sind von 1,50€ auf 1,90 € gestiegen.

Aktueller Disposollzins /über Limit: 12,25% / 17,25%

Fast jeder Kunde ist betroffen. Die Standard-Kreditkarte wird zur nächsten Abrechnung um 30 Prozent teurer und kostet dann stattliche 39 Euro. Schon die Gebühr für das Einstiegskonto stieg zuletzt um elf Prozent auf knapp 60 Euro pro Jahr. Wer eine Überweisung in Papierform abgibt, wird mittlerweile mit 1,50 Euro zur Kasse gebeten.

Die Deutsche Bank rechtfertigt sich, dass sie die Preise ihrer Produkte lange Jahre habe stabil halten können. Die Bank hätte kontinuierlich in gute Beratung, Dienstleistungen und erweiterten Leistungsumfang investiert und Kunden könnten aus einer Reihe unterschiedlicher Angebots- und Preismodelle wählen. "Die Deutsche Bank liegt mit ihren Entgelten für Dienstleistungen und Produkte im Marktumfeld", erklärt ein Sprecher. Denn der Marktführer steht mit seinem Stakkato an Preiserhöhungen nicht alleine da.

Nach einer Untersuchung der FMH-Finanzberatung für Handelsblatt Online hat seit der Pleite der Investmentbank Lehman-Brothers im September 2008 knapp jede dritte Bank ihre Preise für Girokonto und Kreditkarte erhöht. Kein einziges der untersuchten 70 Institute wurde seit Beginn  der Finanzkrise durchweg günstiger. „Kunden von Privatbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind von der Preisrally betroffen“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

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Kommentare (15)

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Changeispossible

05.09.2012, 13:36 Uhr

Der Verzicht ein Tagesgeldkonto ohne Beschränkungen anzubieten,ist der Deutschen Bank bisher teuer,teuer zu stehen gekommen.
Wer erst einmal notgedrungen ein Tagesgeldkonto bei einer anderen Bank eröffnet hat,erkennt schnell : Andere Mütter haben auch schöne Töchter.
Der Kapitalabfluss durch diese dümmliche Geschäftspolitik war bisher schon immens.
Unverständlich ist die völlige Unfähigkeit dieser Bank offenkundige Fehler zu korrigieren.Die für diese Politik verantwortlichen Herren würde ich dem Arbeitsmarkt zuführen.

Haderlump

05.09.2012, 13:41 Uhr

Diesen Artikel, insbesondere den Titel, hätte ich eher im Spiegel oder Bild, als in einer seriösen Wirtschaftszeitung erwartet. Da wird ernsthaft kritisiert, dass "Erträge über den Kosten" liegen. Das ist aber Sinn jeder wirtschaftlichen Unternehmung. Das Wort "abkassieren" kann wohl nur angebracht sein, wenn Unternehmen horrende Gewinne machen und ihre Marktposition ausnutzen (siehe Energie-, Erdöl- oder Software-Unternehmen). Das ist bei Banken wohl kaum der Fall - siehe Verluste der Commerzbank im Privatkundengeschäft. Unternehmen wie Microsoft, SAP, Apple ernten Anerkennung für ihren Geschäftserfolg aus dem "Abkassieren". Fazit: Etwas weniger Polemik würde ihrer Berichterstattung gut tun. Aber ohne "shitstorm" scheinen die Medien wohl nicht mehr auszukommen. Schade für den deutschen Journalismus.

Beamtenfeind

05.09.2012, 13:52 Uhr

Vor der Freigabe eines derartigen Berichtes sollte doch etwas mehr klassischer Journalismus (sprich Recherche) betrieben werden. Das Girokonto bei der HypoVereinsbank ist nicht bei einem monatlichen Geldeingang ab 1.500,00 € gebührenfrei, sondern bei einem Durchschnittsguthaben in Höhe von 1.500,00 € pro Quartal. Das ist ein erheblicher Unterschied. Sobald ein Guthaben in Höhe von 1.500,00 € hier auf dem Klassik-Konto stehen bleibt, kann der monatliche Geldeingang auch bei 0,00 € liegen und das Konto wird gebührenfrei geführt.

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