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20.01.2007

10:13 Uhr

Zinsen

Kosten durch Verleihen erzeugen

Wer ein Haus kauft und verbilligt an Angehörige vermietet, kann das Vorhaben mit einem familieninternen Kredit kombinieren. So landen die steuersenkend gezahlten Zinsen bei Verwandten statt bei der Bank, zudem fallen die Bankgebühren weg.

Allerdings müssen familiäre Kreditgeber die Zinseinnahmen versteuern, wenn ihr Sparerfreibetrag ausgeschöpft ist. Deshalb gilt: Je größer die Differenz zwischen den Steuersätzen von Leiher und Verleiher, desto schöner der Effekt. Gute Kreditgeber sind deshalb Verwandte im Rentenalter. Zwar müssen immer mehr Rentner ans Finanzamt zahlen, weil der steuerpflichtige Teil der Rente schrittweise von derzeit 54 auf 100 Prozent im Jahr 2040 steigt. Trotzdem liegen die Einkünfte - und damit die Steuersätze - meist deutlich unter denen der im Arbeitsleben stehenden Töchter und Söhne. So rechnet es sich: Bekommt eine Rentnerin von ihrer Tochter im Jahr 5 000 Euro Zinsen für einen Kredit, muss sie bei einem Grenzsteuersatz von 20 Prozent 1 000 Euro ans Finanzamt abgeben. Wenn ihre Tochter einen Vermietungsverlust von 3 500 Euro einfährt, spart sie als Spitzenverdienerin rund 1 500 Euro Steuern - das macht einen Vorteil von 500 Euro für das Gespann.

Ein besonders gewieftes Modell ersann ein Baden-Württemberger. Der Mann kaufte seiner Tante deren Haushälfte für 65 000 Euro ab, sie stundete ihm den Kaufpreis zu sechs Prozent Zinsen und blieb im Häuschen wohnen. Fortan kassierte sie vom Neffen 325 Euro Schuldzins im Monat - und überwies ihm das Geld als Miete zurück. Ein Scheingeschäft, monierten die Beamten. Die Frau zahle sich die Zinsen in Wahrheit selbst, der Mann dürfe sie deshalb nicht von seinen Mieteinkünften abziehen. Doch das Finanzgericht Baden-Württemberg rettete den Steuervorteil (4 K 250/01). Der Kreditvertrag zwischen Neffe und Tante sei okay, schließlich sei der Zins marktüblich. Dass sich Miete und Zinsen neutralisierten, sei unerheblich.

Noch bessere Kreditgeber als Rentner sind Kinder ohne Einkünfte. Die können einen großen Batzen Zinsen steuerfrei kassieren, weil ihnen wie jedem anderen der Grundfreibetrag von 7 664 Euro sowie der Sparerfreibetrag von 750 Euro zusteht. Doch woher nehmen sie das Geld, das sie verleihen könnten? Ganz einfach: Die Eltern schenken es ihnen. Hört sich verboten clever an, ist aber wasserdicht. So machte es ein Ehepaar aus dem Rheinland: Die vermögende Mutter hatte ihren ein, zwei und sechs Jahre alten Kindern je 50 000 Euro geschenkt. Kurz darauf nahm Papa bei den Kids Kredite in derselben Höhe auf und kaufte eine vermietete Immobilie, die er zur Hälfte an seine Frau übertrug. Dieses Kreditkarussell ging den Beamten entschieden zu weit: Das Paar habe gezielt Steuervorteile kreiert, statt das Haus direkt vom Geld der Frau zu kaufen. Doch der BFH hat auch hier ein Herz für Kinder: Verwandte dürften Verträge steuerlich optimal gestalten, so die Richter. Wenn die Schenkung und der Kredit für sich genommen juristisch sauber seien, müssten die Beamten den Abzug der Zinsen von den Mieteinnahmen akzeptieren (IX R 32/98).

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