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27.09.2013

17:33 Uhr

Zinsen

Sparkasse Ulm kann Versprechen nicht einhalten

Ein Produkt namens „Scala“ wird der Sparkasse Ulm zum Verhängnis. Das Angebot bietet dem Kunden Zinsen, die stufenweise steigen. Nun steckt das Institut in der Klemme – es kann sein Zinsversprechen nicht mehr einhalten.

„Scala“-Kunden bekommen nach 20 Jahren zusätzlich zum aktuellen Zinsniveau, das derzeit nahe null liegt, einen Aufschlag von 3,5 Prozent. Für die Sparer ist das ein sehr attraktives Angebot, für die Sparkasse Ulm aber ein großes Problem. dapd

„Scala“-Kunden bekommen nach 20 Jahren zusätzlich zum aktuellen Zinsniveau, das derzeit nahe null liegt, einen Aufschlag von 3,5 Prozent. Für die Sparer ist das ein sehr attraktives Angebot, für die Sparkasse Ulm aber ein großes Problem.

FrankfurtDie Sparkasse Ulm kann Zinsversprechen an ihre Kunden nicht mehr einhalten und löst damit Unruhe im öffentlich-rechtlichen Bankenlager aus. Das Institut hat von 1993 bis 2005 ein Produkt mit dem Namen „Scala“ vertrieben, bei dem die Zinsen stufenweise steigen. Nach 20 Jahren bekommen die Kunden dabei zusätzlichen zum aktuellen Zinsniveau, das derzeit nahe null liegt, einen Aufschlag von 3,5 Prozent. Für die Sparer ist dies im aktuellen Niedrigzins-Umfeld ein sehr attraktives Angebot, für die Sparkasse Ulm aber ein großes Problem.

Da die Verträge eine Laufzeit von 25 Jahren haben, müsste sie den rund 20.000 „Scala“-Kunden noch lange vergleichsweise hohe Zinsen bezahlen, die sie im aktuellen Umfeld kaum erwirtschaften kann. Die Margen im Kreditgeschäft sind unter Druck und auch die Eigenanlagen der Sparkassen werfen wegen des Niedrigzinsumfelds immer weniger ab. Erschwerend hinzu kommt für die Sparkasse Ulm, dass einige Scala-Kunden, die lange nur 50 Euro pro Monat in den Vertrag einbezahlt haben, ihre Überweisungen zuletzt deutlich aufgestockt haben – die Obergrenze liegt bei 2.500 Euro pro Monat.

Der Vorstand der Sparkasse hat dieses Problem nun erkannt und beschlossen, „dass wir dieses Angebot nicht länger verantworten können“, wie ein Sprecher des Instituts betont. Deshalb hat sich die Bank im Frühjahr an ihre Kunden gewandt, um die Verträge umzuwandeln in ein vier bis fünf Jahres laufendes Produkt mit einer Verzinsung von 3,75 Prozent oder ein sieben Jahre laufendes mit 3,25 Prozent. „Etwa die Hälfte der Kunden hat dieses Angebot, bei dem die Zinsen nach wie vor deutlich über dem aktuellen Marktniveau liegen, angenommen“, sagt der Sprecher. Falls sich Kunden sträuben, wird dem Institut am Ende aber nichts anderes übrig bleiben, als die Verträge zu kündigen.

Die größten Sparkassen Deutschlands

Die Sparkasse Bremen AG

Mit einer Bilanzsumme von 10,7 Milliarden Euro (2011) ist die Sparkasse Bremen die zehntgrößte Sparkasse in Deutschland. In dem kleinen Bundesland arbeiten 1.558 Menschen bei der Sparkasse.

Ostsächsische Sparkasse Dresden

Die Sparkasse in der sächsischen Landeshauptstadt kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 11,8 Milliarden Euro. Bei der Ostsächsischen Sparkasse Dresden arbeiten 1.708 Angestellte in 142 Filialen.

Nassauische Sparkasse

2011 kam die Nassauische Sparkasse mit Sitz in Wiesbaden auf eine Bilanzsumme von 11,9 Milliarden Euro. Sie kommt auf 225 Filialen - so viele wie keine andere Sparkasse.

Stadtsparkasse Düsseldorf

Mit einer Bilanzsumme von 12,1 Milliarden Euro liegt die Stadtsparkasse Düsseldorf auf Rang 7.

Sparkasse Hannover

Die Sparkasse Hannover ist die sechstgrößte Sparkasse in Deutschland. Das Geldhaus in der niedersächsischen Landeshauptstadt hat 2011 eine Bilanzsumme von 12,8 Milliarden Euro ausgewiesen.

Stadtsparkasse München

Die Stadtsparkasse München ist – wenig überraschend – das größte Mitglied des Sparkassenverbands Bayern. Deutschlandweit reicht es mit einer Bilanzsumme von 15,7 Milliarden Euro für Rang fünf.

Frankfurter Sparkasse

Die viertgrößte Deutsche Sparkasse liegt in Hessen. Die Frankfurter Sparkasse kommt auf eine Bilanzsumme von rund 17,9 Milliarden Euro - mit 1.718 Mitarbeitern. In München sind es zum Vergleich 3083 Angestellte.

Kreissparkasse Köln

Die Kreissparkasse Köln auf Rang drei knackt als erste die Marke von 20 Milliarden Euro. Im Jahr 2011 hat sie eine Bilanzsumme von rund 25,2 Milliarden Euro ausgewiesen.

Sparkasse KölnBonn

Rang zwei geht nach Köln. Die Sparkasse KölnBonn ist mit 29,6 Milliarden Euro (2011) noch ein bisschen größer als die Kreissparkasse Köln.

Hamburger Sparkasse

Mit Abstand die größte Sparkasse in Deutschland ist die Hamburger Sparkasse. Die Haspa kam im Jahr 2011 auf eine Bilanzsumme von 39,5 Milliarden Euro. Sie hat auch die meisten Angestellten aller Sparkassen - 5724 Mitarbeiter.

Bei vielen Kunden kommt das Vorgehen der Sparkasse Ulm nicht gut an. Zahlreiche Sparer seien verärgert, weil sie durch die Umwandlung der Verträge schlechter gestellt würden, erklärt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Eine Kündigung der „Scala“-Verträge ist aus ihrer Sicht nicht rechtens. „Wir sind zuversichtlich, dass Gerichte unserer Auffassung folgen werden.“

Der Fall in Ulm zeige, dass an dem bodenständigen und ehrlichen Image, das die Sparkassen in der Öffentlichkeit gerne kultivieren, nicht viel dran sei, sagt ein Sprecher der Verbraucherzentrale. „Viele Sparkassen waren ja auch vor der Finanzkrise ganze vorne dabei, als es darum ging, Lehman-Zertifikate zu verkaufen.“ Als die US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Pleite ging, verloren zahlreiche Sparkassen-Kunden große Teile ihrer Ersparnisse.

Banker und Funktionäre im Sparkassen-Sektor sehen das Vorgehen ihrer Kollegen in Ulm ebenfalls kritisch. Es handle sich zwar um einen Einzelfall, betont einer von ihnen. „Mir ist keine andere Sparkasse bekannt, die ein solches Angebot hat.“ Dennoch färbe das Vorgehen in Ulm auf alle Sparkassen ab. „Das ist schlecht fürs Image.“ Auch in der Führungsspitze des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) sei man alles andere als glücklich über die Entwicklung in Ulm, sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Vertragstreue gehört zum Markenkern der Sparkassen“, heißt es trocken beim DSGV.

Von

rtr

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

27.09.2013, 18:00 Uhr

das ist prima.

Was passiert eigentlich, wenn ein Kreditnehmer die Zinsen nicht mehr zahlen kann?

Der kann doch bei der Sparkasse bestimmt auch einseitig kündigen, damit er die vereinbarten Zinsen nicht bezahlen muss...

Manfred

27.09.2013, 18:27 Uhr

Als erstes sind Kunden von Lebesversicherungen verarscht worden, erhalten nicht versprochene grosskotzig gemache Zins und Überschussbeteiligung, dann folgten Busparkassen und nun die Sparkassen.
Warten wir noch einen Moment, dann bekommen wir kein Geld mehr von unserem Konto.
Alles geht den Bach runter.

Account gelöscht!

27.09.2013, 18:32 Uhr

"Alles geht den Bach runter."

ne, alles wird prima.

Haben doch unsere Politiker versprochen.

Die Kriese ist überstanden

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