Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2012

12:22 Uhr

Zinsen

Wie die Deutsche Bank beim Dispokredit zulangt

VonJens Hagen

Trotz des historischen Zinstiefs langen viele Banken beim Dispokredit zu. Die Deutsche Bank erhöht jetzt die Mindestgebühr für geduldete Überziehungen. Nicht die einzige Bank, die Fixpreise für den Dispo verlangt.

Kontoauszug: Neue Gebühren verteuern die Dispokredit. dpa

Kontoauszug: Neue Gebühren verteuern die Dispokredit.


Wenn klamme Kunden der Deutschen Bank in diesem Tagen ihren Kontoauszug ziehen, sollten sie auf das Kleingedruckte achten. Auf einem separaten Blatt steht in kleinen Buchstaben, dass der Branchenprimus ab Juli die Mindestgebühr für die Kunden erhöht, die ihr Konto über die vereinbarte Grenze hinaus überziehen. Sobald der Kunde auch nur einen Euro über diesem Limit liegt, berechnet das Institut 6,90 Euro – und das in jedem Quartal. Wer also keinen Disporahmen besitzt oder diesen konstant überzieht, zahlt 27,60 Euro pro Jahr. Bei einem durchgehenden Minus von einem Euro ohne Dispoanspruch entspräche diese Gebühr einem Zins von 2.760 Prozent. Wenn der Zins die Mindestgebühr übersteigt, wird diese verrechnet. Die Deutsche Bank teilte mit, dass sie im Gegenzug den Zinssatz ab Juli von aktuell 17,5 Prozent um 75 Basispunkte senken wird.

Wer diese Kosten nicht akzeptiert, muss der Vertragsanpassung bis zur Einführung widersprechen. Kunden erhalten dann auch die Möglichkeit, ihr „Konto ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kostenfrei zu kündigen“. Verbrauchervertreter kritisieren Mindestgebühren für Dispokredite scharf. „Geringfügige Überziehungen führen so zu Kosten jenseits jedes marktüblichen Zinssatzes“, sagt Frank Christian Pauli, Bankenexperte vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Das ist ein problematischer Ansatz, dessen Rechtmäßigkeit wir überprüfen werden“. Die Deutsche Bank gilt bei Girokonten unter Marktbeobachtern nicht gerade als Preisbrecher. „Die Dispozinsen der Deutschen Bank sind im Limit mit 12,75 Prozent im Marktvergleich sehr hoch, die Kontogebühren ebenfalls“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Institut, das eine Mindestgebühr beim Dispo verlangt. Bei der Targobank liegt der Satz beim gern genutzten Aktiv-Konto bei 2,95 Euro pro Monat. Diese Pauschale wird mit den Zinszahlungen verrechnet, wenn diese die Pauschale übersteigt.

Wer also sein Konto ein ganzes Jahr konstant um einen Euro überzieht, muss bei der Targobank mit einem Entgelt von 35,40 Euro rechnen. Umgerechnet in Zinsen würde der Satz bei 3.540 Prozent liegen. „Die Zahl der Aktiv-Konten hat sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 350.000 annähernd verdoppelt – offenbar sind die Kunden mit dem Leistungsangebot dieses Produkts insgesamt sehr zufrieden“, entgegnet ein Sprecher der Bank der Kritik an hohen Dispokosten.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

AHtzl

30.04.2012, 12:48 Uhr

Wer den Unterschied zwischen "Dispokredit" und "geduldeter Überziehung" nicht kennt, sollte keine Artikel im Handelsblatt pulizieren dürfen. Wieder einmal eine populistische Äußerung, der es an jedem Sachverstand fehlt.

Account gelöscht!

30.04.2012, 13:30 Uhr

..wer sich heute noch keine wesentlich günstigere Kreditlinie z.B. bei einer Direktbank eingerichtet hat, hat es wohl auch nicht besser verdient.

aspi

30.04.2012, 14:36 Uhr

jaja, die Deutsche Bank. Meine (studierende) Tochter war im Ausland unterwegs, mit einer Visacard von der Deutschen Bank. Nach drei Zahlungen mit der Visacard auf Mauritius wurde die Karte - trotz Deckung - gesperrt mit der Begründung, dass es ungewöhnlich sei, dass mit der Karte (Klein...)-Beträge auf Mauritius bezahlt werden, wo sonst doch immer nur Buchungen aus Deutschland auflaufen, das deute auf Diebstahl hin. Entsperrung geht nur mit einem speziellen Telefoncode, den sie natürlich nicht dabei hatte. Riesenzirkus, bis sie wieder an Geld kam. Tolle Dienstleistung!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×