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07.11.2013

17:41 Uhr

Zinssenkung

Das Leid der Sparer

Als ob das Dilemma nicht groß genug gewesen wäre: EZB-Präsident Mario Draghi hat ein weiteres Mal die Zinsen gesenkt. Besonders hart trifft das die deutschen Sparer, sie müssen ordentlich bluten.

Niedriger Leitzins

Draghi: „Deutschland ist der sichere Hafen des Euro-Raums“

Niedriger Leitzins: Draghi: „Deutschland ist der sichere Hafen des Euro-Raums“

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DüsseldorfWer Geld auf Tages- oder Festgeldkonten, dem Sparbuch oder in anderen festverzinslichen Anlagen geparkt hat, ist Leid gewöhnt. Die Realzinsen – also die Erträge nach Abzug von Inflation, Abgeltungssteuer und Kosten – sind schon jetzt negativ.  Tagesgeld und Festgeld bringen im Schnitt weniger als ein Prozent pro Jahr. Bei einer aktuellen Teuerungsrate von 1,2 Prozent in Deutschland ein Minusgeschäft, Steuern und Kosten noch nicht eingerechnet.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

„Es ist schon jetzt ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Einige Sparkassen würden schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten bieten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes der Notenbanken derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Mit der erneuten Zinssenkung – die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Euro-Zone überraschend auf 0,25 Prozent gesenkt – wird es noch schlimmer. Noch nie war dieser Satz so niedrig. Zinsen sind damit so gut wie abgeschafft. Zinssenkungen werden erfahrungsgemäß ziemlich schnell an die Kunden weitergereicht. Vor allem bei Tages- und Festgeld dürften die Zinssätze also schon sehr bald weiter zusammenschnurren.

Die Leid geprüften Anleger müssen mit weiter sinkenden Sparzinsen rechnen. „Niedrigzinsen führen zu dauerhaften Verlusten der Sparer, die quasi einer Enteignung gleichkommen, weil sie bei ihren Anlagen negative Realzinsen hinnehmen müssen“, warnt Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). „Realwirtschaftliche Auswirkungen wird die heutige Zinssenkung nicht haben, für die Sparer ist sie sogar das falsche Signal.“

Kommentare (67)

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Account gelöscht!

07.11.2013, 17:52 Uhr

Was für ein absurdes Schauspiel. Die EZB verschenkt Geld in der Hoffnung es würde NICHT von den Geschäftsbanken in den Finanzmarkt gepumpt sondern irgendwie irgendwo zu den Verbrauchern gelangen.

Und die würden es NICHT für Sachwerte wie Grundstücke oder Edelmetalle ausgeben sondern zwei Milchtüten kaufen statt einer. Nur Letzteres ist überhaupt im Mondpreiskorb der EZB vorhanden, nur Letzteres wird gemessen, nur Letzteres IST überhaupt ANGEBLICH "DIE" Inflation.

Und alles nur, weil man die Systemfehler nicht mehr in den Griff kriegt. Ich habe es schonmal erwähnt, es wird ernstahft diskutiert, ob die EZB Geld frisch erzeugtes Fiatgeld (bares Zentralbankgeld oder über Umwege Giralgeld) nicht einfach an die Haushalte ausbezahlt oder überweist anstatt in die Bilanzen der Geschäftsbanken reinzuverschenken. Es wäre schlicht und ergreifend....zielführender.

Absolut niemand kann das Geld wieder einfangen, wie soll das gehen, wenn ein Zucken des Augenlides eines Zentralbankers schon fast einen Bank Run auslöst. es geht auch nicht nur um den EUR, es geht um das hier

http://dollardaze.org/blog/pages/00023/SmallGlobalMoneySupply2.png

Endspiel...

Das größte geldpolitische Experiment seit es Geld gibt. Auf globaler Ebene wohlgemerkt. Und jeder hier mittendrin statt nur dabei

Account gelöscht!

07.11.2013, 17:59 Uhr

"Besonders hart trifft das die deutschen Sparer, sie müssen ordentlich bluten. "
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Genau das ist m.E. so geplant, zumal auf den lächerlichen Restzins noch Abgaben erhoben werden. Katastrophal ist das für die, die für's Alter vorsorgen wollen.

terter

07.11.2013, 18:03 Uhr

Das ist doch ein idealer Zeitpunkt um sein Geld abzuheben - in BAR - und ins Schließfach zu packen oder sonst wo zu verstecken. So überlebt es noch am ehesten die Währungsreform die bald kommt !

JETZT BLOSS NICHT IN AKTIEN /FOND oder andere Zocker-Wertpapiere gehen !

Das wollen "die" bloss. Die Inflation wird viel zu langsam sein, der Kessel brennt, jetzt sparsam leben, sodaß man immer mehr einnimmt wie ausgibt. dann kann mir die Inflation egal sein ! Noch wenige Monate bis zum G.O. (Game over)

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