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10.05.2015

22:00 Uhr

Zweiter Dokumentarfilm über Mehmet Göker

„Dollar-Noten riechen einfach am besten“

VonOzan Demircan

Der Skandalvertreter Mehmet Göker hat einen zweiten Film über sich drehen lassen. Göker protzt darin wieder mit großen Plänen. In vertraulichen Momenten bröckelt die Fassade. Den Ex-Millionär plagen hohe Schulden.

Mehmet Göker (r.) mit seinem engsten Mitarbeiter Farid Aminzadeh.

Mehmet Göcker schnuppert an Dollar-Scheinen

Mehmet Göker (r.) mit seinem engsten Mitarbeiter Farid Aminzadeh.

DüsseldorfRechnungen müssen raus, sonst kommt kein Geld herein. Binnen Sekunden ist er von Null auf 180, wieder einmal. Sein Atem wird schneller, das Hemd spannt. Göker beugt sich über den Schreibtisch, um sich selbst zu überzeugen. Tatsächlich: Viele Aufträge sind noch nicht korrekt abgearbeitet, die dringend notwendigen Überweisungen auf sein Konto ziehen sich weiter hin.

Auf einmal verlässt Mehmet Göker den Raum. „Farid, ich brauche dich kurz alleine.“ Er muss mit seinem engsten Kollegen Farid Aminzadeh sprechen, sagt er an der Kamera vorbei zum Regisseur. Göker geht raus, der Kameramann bleibt im Büro. Das Bild bleibt auf der gerade geschlossenen Türe stehen. Die Szene scheint beendet, der Zuschauer wartet auf den Schnitt. Stattdessen läuft die Kamera weiter, und mit ihr der Ton. Göker hat vergessen, dass er ein Mikrofon am Hemd trägt. Man hört Göker weiterhin, hinter der verschlossenen Türe.

„Wir haben 270.000…“, beginnt Göker das vertrauliche Gespräch. „Ich muss, ich brauche bis morgen…du willst ja auch dein Geld…Ich weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen soll. … Ich kann es nicht! Ich habe es nicht! … Ich kann jetzt ‘ne Bank ausrauben oder wir können hier morgen zumachen. Ich kriege es nicht hin!“

Jetzt kommt der Schnitt.

Der bekannte Dokumentarfilmer Klaus Stern hat einen neuen Streifen über Mehmet Göker herausgebracht. Über das Vertriebsgenie aus Kassel, das mit Anfang 20 angefangen hat, aus dem Kinderzimmer der Eltern heraus private Krankenversicherungen zu verkaufen. Über den Sohn türkischer Einwanderer, der mit Mitte 20 Millionär geworden ist. Über einen mutmaßlichen Gesetzesbrecher, der nach der schillernden Insolvenz seiner Firma behauptet, genau so weiter zu machen wie bisher – und genau so viel Geld damit zu verdienen.

Ein Mann, der polarisiert. Und dessen Verbleib viele interessiert: Anwälte, Versicherer, Ex-Kollegen und junge Vertriebler, die in Göker einen Verkäuser-Messias sehen. In „Der Versicherungsvertreter 2 – Mehmet Göker macht weiter“ beschreibt Stern, wie es mit dem Ex-Versicherungsmakler wirklich weiter gegangen ist.

Stern hat Göker dafür fast zwei Jahre lang begleitet, ihn mehrmals in seiner „Residenz“ in der Türkei besucht. Die Genehmigung für den Dreh sei kein großes Problem gewesen, erzählte der Regisseur in einem Interview. „Er hat mich sofort eingeladen. Göker liebt meinen damaligen Film, weil er dadurch enorm an Bekanntheit gewonnen hat. Das ist, wohlgemerkt, seine Lesart.“

Zahlreiche Ex-Mitarbeiter von Gökers alter Firma MEG und seinem neuen Unternehmen beschreiben in dem Film, wie das wahre Leben des Mehmet Göker abläuft. Welche Tricks er benutzt hat, um weiterhin Geld zu verdienen. Und wie erfolgreich er wirklich in den vergangenen Jahren gewesen ist.

Am Ende ist klar: Ein Vorbild ist Mehmet Göker schon lange nicht mehr.

Kommentare (6)

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Herr Josef Steiner

11.05.2015, 10:28 Uhr

Warum so etwas wie dieser Mehmet Göker noch frei rumlaufen darf bleibt mir ein Rätsel.

Zugegeben, alles begann mit der Gier der Versicherer bzw. deren Zwang immer höhere Ziele zu erreichen - erwirtschaften wäre hier das falsche Wort. Das wiederum ist dem tollen Wirtschaftssystem geschuldet in dem wir leben (nur mal kurz zur Verdeutlichung für diejenigen die es immer noch nicht begriffen haben). Diese Gier hat mitunter so etwas wie diesen Göker erschaffen. In dieser perversen Welt geht es nicht darum die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen, sondern lediglich um Cash und zwar auf beiden Seiten. Die Versicherten sollen glauben, dass man ihnen durch diese tollen Produkte geholfen hat - alles Quatsch !!!

Mehmet Göker soll endlich für seine Machenschaften zur Verantwortung gezogen werden und die Versicherer (und nicht nur die, sondern die gesamte Kaufmännische Branche) muss sich von diesem Prämien- / Bonussystem endgültig verabschieden. Auch wenn es das Ende vom Tanz auf dem Börsenparkett und das Ende der glorreichen globalisierten Scheinwelt bedeutet.

Einer muss den Anfang machen, die Revolution starten, den Mut dazu haben, gegen diesen mächtigen Strom zu schwimmen. Sonst geht alles nur noch den Bach hinunter.

Herr richard roehl

11.05.2015, 12:54 Uhr

"Warum so etwas wie dieser Mehmet Göker noch frei rumlaufen darf bleibt mir ein Rätsel"
Was M.G gemacht hat ist nicht justiziabel, er hat nur Unzulänglichkeiten des Systems ausgenutzt. Ausserdem gehören da immer zwei zu, und einer von denen muss der Dumme sein. Die Verttragsfreiheit hier in Deutschland wird ohnehin schon unerträglich beschnitten

Herr peter gramm

11.05.2015, 14:36 Uhr

wo bleibt die verantwortung der versicheurngsvorstände. sie waren es doch die mit herrn göker diese vertriebsverträge geschlossen haben. die wahren betrogenen sind doch wohl die seriös arbeitenden vermittler.

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