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19.03.2013

12:57 Uhr

Zypern

Viel riskiert, kalt erwischt

VonGerd Höhler, Jörg Hackhausen

Zyprische Banken haben riskante Geschäfte betrieben. Jetzt sollen die Sparer dafür zahlen. Ist das gerecht? Immerhin kassierten Anleger üppige Zinsen und sparten Steuern. Bundesfinanzminister Schäuble hat wenig Mitleid.

Schlange vor einem Geldautomaten der Laiki Bank in Larnaka. AP/dpa

Schlange vor einem Geldautomaten der Laiki Bank in Larnaka.

Jahrelang haben Zyperns Banken viel riskiert. Sie investierten mit Vorliebe in hochverzinste Anleihen, unter anderem aus Griechenland. Das Geschäftsmodell schien zu funktionieren, zumindest zeitweise. Die Bilanzsumme der Banken wuchs auf das Siebenfache der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes. In Nikosia errichteten die prosperierenden Geldinstitute repräsentative Hauptverwaltungen. Auch die Kunden profitierten, sie erhielten üppige Zinsen für ihr Geld, zudem profitierten sie von niedrigen Steuern. Macher Kleinsparer wird von den Gefahren nichts geahnt haben, andere wiederum legten ihr Geld ganz gezielt in Zypern an.

Ein Konto bei einer zyprischen Bank hat über die vergangenen fünf Jahre mehr als 24 Prozent eingebracht. Ein Bankkunde, der 10.000 Euro im Januar 2008 – dem Jahr, in dem Zypern den Euro einführte – auf ein Sparkonto in Zypern anlegte, verdiente bis heute 2.420 Euro. Das ist fast das Doppelte dessen, was ein vergleichbares Konto in Deutschland bescherte. In dem Fall lag das Plus bei etwa 1.300 Euro, wie Daten der Bundesbank belegen.

„Banken in Ländern wie Zypern und Griechenland konnten höhere Zinsen zahlen, weil sie auch mehr an Krediten verdienten“, sagte Dirk Becker, Bankenanalyst bei Kepler Capital Markets, gegenüber Bloomberg News. „Hinzu kommt, dass zyprische Banken in der Vergangenheit eine ganze Menge in hochverzinste griechische Anleihen investiert haben.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Der Schuldenschnitt in Griechenland brachte das Kartenhaus der zyprischen Banken zum Einsturz. So hatte allein die Laiki Bank, die zweitgrößte des Landes, rund drei Milliarden Euro in griechische Papiere investiert. Das entsprach fast dem gesamten Eigenkapital. Nach Schuldenschnitt und Anleiherückkauf blieben davon nur 330 Millionen übrig – ein Verlust von 90 Prozent.

„Die Banken saßen auf riesigen Einlagen, und es war viel leichter, mit Bondgeschäften am Jahresende Gewinne auszuweisen als mühsam Kredite zu vergeben. Das war eine große Versuchung für die Manager, die damit ihre Boni verdienten“, kritisierte Michael Sarris. Der Ökonom, Banker und Finanzminister der Republik Zypern warf den Bankern Leichtsinn vor: „Ein guter Chairman hätte seinen Managern gesagt: nehmt 100 Millionen in die Hand, investiert einen kleinen Teil unseres Kapitals – aber riskiert nicht alles. Doch genau das haben sie getan.“

Die in Schieflage geratenen Banken drohen die gesamte Insel in die Pleite zu stürzen – und die Sparer sind mit dran. Ein Hilfspaket ist nötig, um das Schlimmste zu verhindern. Europäische Union, Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) wollen Zypern ein Hilfspaket in Höhe von zehn Milliarden Euro gewähren. Doch die Geberländer knüpfen ihre Zusagen an harte Bedingungen. Weitere sieben Milliarden Euro muss das Land selbst aufbringen – über Steuererhöhungen und eine Zwangsabgabe auf Bankeinlagen. Damit müssen auch Sparer und Anleger ihren Beitrag leisten.

Kommentare (145)

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Republikaner

19.03.2013, 13:08 Uhr

In Kürze wird es dann den deutschen Bausparer und Lebensversicherungszahler erwischen; das sind die ganz großen Fleischtröge, auf die alle Pleitiers schielen. Zypern war nur ein kleiner Test.
Der Wahnsinn ist nur mit der Abwahl der Blockparteien zu stoppen.

kruchtitanz

19.03.2013, 13:14 Uhr

Wenn man all die möglichen und sicherlich auch von den Kleinsparern realisierten Erträge in Betracht zieht so ist das ganze eher psychisch-narzistisch-mitleidssüchtige Wolfsgeheul der Deutschen in diversen Foren eher geistig minderbemittelt-infantil. Aber, die deutsche Seele liebt das Klagen. Sollen die kleinen Üppigkassierer, die dieses Marktmodell mittrugen und heute DANK DEM gut dastehen: mitfinanzieren. Gerechter als Grexia scheint es alle mal, und genauso müsste es mit JEDEM Land, das nach den Verbrecherköpfen in Bruxelles in der Eurokratischen Union sein soll, SEIN!

kraehendienst

19.03.2013, 13:15 Uhr

Uuuiii...das war jetzt ein "schwäbischer Republikaner".

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