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22.06.2015

09:55 Uhr

VTB Direkt

Russische Bank lockt Anleger an

VonHeinz-Roger Dohms

Experten warnen: Deutsche legen vermehrt ihr Geld bei VTB und Sberbank an – zwei russischen Staatsbanken. Weil die Töchter-Institute in Österreich sind, gilt kein deutsches Anlagerecht. Was passieren könnte.

Aktivisten vor der umstrittenen Bank in Russland. Tatsächlich warnen Experten auch deutsche Anleger vor der Sberbank. Reuters

Sberbank

Aktivisten vor der umstrittenen Bank in Russland. Tatsächlich warnen Experten auch deutsche Anleger vor der Sberbank.

HamburgTrotz der Ukraine-Krise legen immer mehr Deutsche ihr Geld bei den russischen Staatsbanken VTB und Sberbank an. Bei der VTB Direkt stiegen die Einlagen im vergangenen Jahr um rund 52 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Das geht aus einem Geschäftsbericht der VTB Bank Austria hervor, zu der die VTB Bank Direkt gehört. Schon Ende Mai war bekannt geworden, dass die Guthaben bei der „Sberbank direct“ bereits 1,5 Milliarden Euro betragen, obwohl die Bank hierzulande erst Mitte 2014 gestartet war.

Die Europa-Töchter der beiden Banken locken in Deutschland mit vergleichsweise hohen Zinsen. Doch viele Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht. Denn die EU-Sanktionen gegen Russland haben VTB und Sberbank massiv unter Druck gebracht. Die Ratingagenturen attestieren ihrer Bonität inzwischen mehrheitlich Ramschniveau. Dass die Europa-Töchter in Wien ansässig sind und damit nicht der deutschen, sondern lediglich der österreichischen Einlagensicherung angehören, weckt auch wenig Vertrauen.

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Rein formal gilt auch im Nachbarland die EU-Einlagenrichtlinie, die Guthaben bis 100.000 Euro schützt. Ob die Österreicher im Fall der Fälle aber tatsächlich bereit wären, die deutschen Kunden einer russischen Bank zu entschädigen, bleibt abzuwarten. Die Einlagensicherung in Wien verfügt bislang kaum über Kapital, vielen Banken des Landes geht es schlecht. Glaubwürdig haften könnte allenfalls der österreichische Staat. Doch der zeigte schon bei der Pleite der Hypo Group Alpe Adria wenig Lust, ausländische Gläubiger abzufinden – und das, obwohl in dem Fall sogar eine explizite Staatsgarantie existierte.

Bemerkenswert ist, dass Sberbank-Vizechef Alexander Morosow laut „Bloomberg“ kürzlich freimütig bekannte, die Österreich-Tochter habe mit dem frisch eingesammelten Geld der deutschen Sparer einen Milliardenkredit bei der Moskauer Mutter abgelöst. Eigentlich sind VTB und Sberbank aufgrund der EU-Sanktionen von Euro-Finanzierungen abgeschnitten. Die Töchter sind von den Strafmaßnahmen allerdings ausgenommen.

Kommentare (1)

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Stephan Walter

22.06.2015, 12:36 Uhr

Herr Dohms, Sie weisen in Ihrem Artikel auf die Einlagensicherung in Österreich hin, welche auf der Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/49/EU beruht. Sicherlich wissen Sie, dass am 03.07.2015 auch in Deutschland die gesetzliche Umsetzung dieser Richtlinie mit dem Einlagensicherungsgesetz in Kraft tritt. Auch hier werden die erforderlichen Guthaben erst aufgebaut (in den nächten Jahren und nur bis zu (% des betreffenden Volumens). Meine Frage lautet: Wird auch der deutsche Staat "wenig Lust" (sic!) zeigen, seine beschlossenen Gesetze einzuhalten? Sie schrieben keinen Kommentar sondern einen Artikel. Im Handelsblatt hätte ich mehr erwartet. Scheinbar ist Russlandbashing auch auf diesen Niveau möglich.

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