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09.10.2015

11:30 Uhr

VW, K+S, RWE und Eon

„Da sind ein paar Schwarze Schwäne unterwegs“

VonJessica Schwarzer

Der Dax ist technisch noch immer angeschlagen und Vermögensverwalter befürchten, dass das Schlimmste nicht überstanden ist. Vor allem weil einige einstige Vorzeigeunternehmen massiv unter die Räder gekommen sind.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Dax-Absturz: Die Gefahr ist noch nicht gebannt

Handelsblatt in 99 Sekunden: Dax-Absturz: Die Gefahr ist noch nicht gebannt

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DüsseldorfDer VW-Skandal, die geplatzte K+S-Übernahme, die immer neuen Hiobsbotschaften für die Versorger RWE und Eon – hinter Börsianern liegen turbulente Börsenwochen. Vor allem Dax-Anleger brauchten starke Nerven. Auch wenn sich der Dax von seinem Jahrestief bei 9325 Punkten wieder erholt hat, und die Börsenwelt längst nicht mehr so düster aussieht wie noch in der vergangenen Woche, ist die Gefahr keinesfalls gebannt.

In den vergangenen beiden Handelstagen hat der deutsche Leitindex immer wieder die magische Marke von 10.000 Punkten überwunden, nachhaltig geknackt hat er sie bisher nicht. Noch immer notiert er tiefer, ist von seinem Allzeithoch bei gut 12.400 Punkte Mitte April meilenweit entfernt. Technisch habe der Dax mit dem Unterschreiten der 10.000-Punkte-Marke deutlich eingebüßt, gibt Karl-Heinz Geier zu bedenken. „Es könnte deshalb sein, dass wir kurzfristig schon nochmals etwas abtauchen“, sagt der Experte der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart. „Aber spätestens in einer Region von circa 9000 sind das für uns klare Kaufgelegenheiten.“

Mit diesem recht trüben Ausblick für die kommenden Wochen steht er nicht alleine da. Uwe Brettschneider von der Vermögensverwaltung Mademann & Kollegen sieht das maximale Risiko bei etwa 8600 Punkten. Dirk Fahrmeyer von SX Capital hält sogar einen Test der Marge von 8.500 Punkten noch für möglich. Die drei Vermögensverwalter messen sich beim Depot-Contest der Münchener DAB-Bank.

Größte Tagesverluste aktueller Dax-Werte

-38,55 Prozent

Titel: Infineon

Datum: 03.12.2008

Quelle: Bloomberg. Analysiert wurden die Tagesverluste der Dax-Werte, die zum 08.10.2015 im Index notiert waren.

-27,76 Prozent

Titel: Continental

Datum: 22.12.2008

(Ausscheiden aus dem Dax)

-25 Prozent

Titel: K+S

Datum: 5.10.2015

Grund: Rücknahme des Übernahmeangebots durch den kanadischen Konkurrenten Potash

-24,6 Prozent

Titel: Commerzbank

Datum: 29.9.2008

-24,4 Prozent

Titel: Infineon

Datum: 29.9.2008

-22,54 Prozent

Titel: SAP

Datum: 23.10.1996

-22,1 Prozent

Titel: K+S

Datum: 30.7.2013

-22,31 Prozent

Titel: Volkswagen

Datum: 03.11.2008

-20,44 Prozent

Titel: Volkswagen

Datum: 23.10.2008

Mit einem Crash rechnen die Experten aber nicht. Das viele Geld im Markt und der weiterhin nicht vorhandene Zins werde den Dax stabilisieren, ist Geiger überzeugt. Die jüngsten Turbulenzen überraschten selbst Anlageprofis. „Der Dax hat in diesem Jahr eine exorbitante Volatilität gezeigt“, sagt Geiger. Es sei deshalb noch nicht mit absoluter Sicherheit abzuschätzen, wohin die Reise geht. „Wir sehen das bisher noch immer als gesunde Korrektur nach dem schnellen Anstieg im ersten Halbjahr auf die 12.000 Punkte.“

Wird 2015 also ein schlechtes Aktienjahr? Die Experten bezweifeln das. Überhaupt: Pauschal lasse sich das sowieso nicht beantworten, sagt Uwe Brettschneider von Mademann & Kollegen. Schließlich hänge es davon ab, wie Anleger investiert seien. „Während der Dax in diesem Jahr im Minus notiert, sehen andere deutsche Indices bisher besser aus“, sagt der Vermögensverwalter. „Ob MDax oder TechDax, beide Indices notieren immer noch im Plus.“

Internationale Indices wiederum würden jedoch zu größten Teilen deutlich schwächer als zu Jahresbeginn notieren. „Aktienanleger müssen auf längere Sicht denken, dabei ist der Stand zum Jahresende uninteressant“, sagt Brettschneider. „Wichtiger ist die Frage der Qualität der Investments.“ Das gelte für einzelne Aktien genauso wie für Fonds oder ETFs. Für den Dax erwarten wir für die nächsten Monate Kurse zwischen 10.000 und 10500 Punkten. Damit wäre der Dax immer noch weit von seinem Allzeithoch entfernt. Vor allem das abgelaufene Quartal verhagelte die zuvor noch ganz ordentliche Bilanz.

Kommentare (19)

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Herr Marc Otto

09.10.2015, 11:47 Uhr

in den nächsten 1-2 Wochen wird es eine kleine Korrektur ergeben. Das sieht man auch aus den Chart-Indikatoren. wir hatten eine W-Formation und dannach kam es zu einem massiven Anstiegt.

Letzte Woche sind die Börsen massiv eingebrochen, als die Ami-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht wurden. Doch sofort kam danach ein Anstieg, der mehr als den Einbruch nur eingeholt hat. Damitw ar eigentlich klar, dass die Märkte nach oben wollen.

Herr Walter Schimpf

09.10.2015, 11:58 Uhr

Ach Leute, was interessiert uns heute die DAX-Entwicklung?

Heute ist der schönste Tag des Jahres!!

Das Merkel wurde NICHT der Nobelpreis umgehangen. Hurraaaah!

The Nobel prize committee made my day!

Account gelöscht!

09.10.2015, 12:01 Uhr

Was die "schwarzen Schwäne" betrifft, so muß man um der Vollständigkeit willen daran erinnern, daß die deutsche Politik in hohem Maße mitschuldig an dem Desaster ist.

Für RWE und E.on gilt das unmittelbar: Weil die deutsche Politik vor allem auf Befehl von Frau Merkel eine Energiepolitik exekutiert, die gegen die unveränderlichen Gesetze der Physik gerichtet ist, sind die Versorger ihres Geschäftsmodells beraubt worden. Der Staat hat sie praktisch entschädigungslos enteignet und an den Rand der Pleite getrieben.

Bei VW sieht die Sache etwas anders aus. Natürlich war es ein strafwürdiges Fehlverhalten der betreffenden Personen, Abgastest zu fälschen, aber man muß auch die Frage stellen, vor welchem Hintergrund Ingenieure, die eigentlich gar nicht zu Gesetzesverstößen neigten, zu ihrem Verhalten gekommen sind. Der Hintergrund ist, daß die Politik durch ständige Verschärfung der Verbrauchswerte und der Abgaswerte etwas verlangt hat, was am Ende kaum zu realisierbaren Kosten möglich ist.

Es ist ein technisches Dilemma: Wenn ein Motor immer weniger verbrauchen soll, liegt es aus einfachen Gründen der Thermodynamik nahe, die Arbeitstemperatur zu erhöhen. Das führt nach den entsprechenden Gleichungen für thermodynamische Prozesse automatisch zu einem besseren Wirkungsgrad. Da liegt es natürlich nahe, auf den Dieselmotor zuzugreifen.

Zwangsläufig kauft man sich damit aber höhere Stickoxydwerte ein. Was also die Politik verlangt hat, war so etwas wie die Quadratur des Kreises.

Wohlgemerkt, trotz dieser Zwangslage ist Betrug falsch, verwerflich und strafwürdig, aber die Politik trägt durch ihre Wahsinnsvorschriften ganz gewiß eine Mitschuld.

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