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12.04.2012

11:01 Uhr

Währungshüter

EZB will hohe Inflation rechtzeitig stoppen

Die Währungshüter in Frankfurt nutzen ihren Monatsbericht, um die Sorgen vor hoher Inflation zu dämpfen. Ihre Maßnahmen seien nur temporär. Probleme machen laut EZB die Rohstoffpreise.

Die Blumen sprießen, die Inflation auch, befürchten EZB-Kritiker. dpa

Die Blumen sprießen, die Inflation auch, befürchten EZB-Kritiker.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) hat Sorgen vor ausufernder Inflation infolge ihrer weit geöffneten Geldschleusen zerstreut. Alle geldpolitischen Sondermaßnahmen seien vorübergehender Natur, bekräftigten die Währungshüter in ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht. Zudem stünden die notwendigen Instrumente zur Verfügung, „um Aufwärtsrisiken für die mittelfristige Preisstabilität entschlossen und rechtzeitig entgegenzuwirken“.

Im Dezember und Februar hatte die EZB den Geschäftsbanken extrem billiges Geld für bis zu drei Jahre angeboten. Die Institute liehen sich insgesamt gut eine Billion Euro. Zusätzlich zu dieser Geldflut liegt der Leitzins im Euroraum seit Dezember wieder auf dem Rekordtief von einem Prozent.

Hilfen der EZB

Staatsanleihekäufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt - also von der Finanzbranche - Staatsanleihen oder Peripherieländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien im Wert von 214 Milliarden Euro gekauft und damit die Risikoprämien für Bonds dieser Länder gesenkt.

Dreijahrestender

Im Dezember und Februar haben die Frankfurter Währungshüter den Bankensektor mit mehr als einer Billion Euro geflutet. Der Zins auf die Kredite beträgt ein Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren. Die Banken investierten die Gelder teilweise in höher verzinste Anleihen.

Sicherheiten

Die Anforderungen an die Sicherheiten, die von Banken für EZB-Kredite von der Notenbank zu hinterlegen sind, wurden im Verlauf der Krise sukzessive gesenkt und erhöhten so die Liquidität der Banken im Euro-Raum.

Geldflut und niedrige Zinsen können die Inflation anheizen. Vor allem aus Deutschland gibt es immer wieder Kritik an der expansiven Krisenpolitik der EZB. Die Notenbank dagegen sieht die Preisstabilität mittelfristig nicht in Gefahr, auch wenn sie einräumt, dass die Teuerungsrate 2012 über ihrem Zielwert von zwei Prozent liegen dürfte.

Risiken sieht die EZB in weiter steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Die wirtschaftliche Lage im von der Schuldenkrise gebeutelten Euroraum hat sich nach Einschätzung der Währungshüter wieder stabilisiert. „Bei der Konjunktur dürfte sich im Jahresverlauf eine moderate Erholung einstellen“, heißt es im Monatsbericht. Die Regierungen seien dennoch weiter „zur Umsetzung entschlossener Strukturreformen“ aufgefordert.

Von 2007 bis 2011 sei die staatliche Bruttoverschuldung im Eurogebiet schätzungsweise um 22 Prozentpunkte auf 88 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gestiegen.

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Unterdessen äußerte sich EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen positiv zur Entwicklung in Irland. Falls der Staat seine gegenüber den EU-Partnern eingegangenen Verpflichtungen einhalte, seien die Chancen gut, dass das Land bereits vor Ablauf der Laufzeit des Rettungspakets an die Finanzmärkte zurückkehren könne, sagte Asmussen in Dublin. „Unser grundlegendes Szenario ist ganz klar, dass Irland graduell wieder Zugang hat noch während des Programms; das bedeutet kommendes Jahr.“ Auch das Bankensystem Irlands sei auf dem Weg der Besserung. Er sehe gegenwärtig keinen Bedarf für zusätzliches Geld für die irischen Banken, betonte Asmussen.

Das vor allem wegen der Probleme seiner Banken finanziell angeschlagene Irland musste im Herbst 2010 Hilfsgelder von EU und Internationalem Wähurngsfonds (IWF) beantragen und erhielt damals 85 Milliarden Euro. Das entsprechende Programm läuft Ende 2013 aus. Die Iren, bekannt für ihre europakritische Haltung, stimmen Ende Mai über den von Deutschland angestoßenen Fiskalpakt in einem Referendum ab. Der Vertrag kann allerdings auch ohne ein Ja von der grünen Insel in Kraft treten.

Kommentare (8)

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Steuerzahler

12.04.2012, 11:29 Uhr

Die EZB will hohe Inflation rechtzeitig stoppen, Deutschland profitiert vom Euro am meisten, und niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.

fjv2

12.04.2012, 11:32 Uhr

"EZB 'will' hohe Inflation rechtzeitig stoppen"

wollen und können....

Account gelöscht!

12.04.2012, 11:33 Uhr

Drucken von ungedecktem Papiergeld in Billionenhöhe kann nicht, sondern wird die Inflation beträchtlich anheizen.
In unzähligen seriösen Untersuchungen wurde der Zusammenhang von Geldmengen-Steigerung und steigender Inflation nach 1 Jahr nachgewiesen.

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