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07.09.2011

16:04 Uhr

Währungskrise

„Gold hat keinen fairen Wert“

VonRobert Landgraf, Christian Panster

Privatbankier Friedrich von Metzler spricht im Handelsblatt-Interview über verlässliche Werte, über aktuelle und vergangene Krisen. Angst ist sei kein guter Berater, gibt der erfahrene Unternehmer zu bedenken.

Bankier Friedrich von Metzler rechts, hier mit dem Börsen-Vorstandsvorsitzenden Reto Francioni im Jahr 2010, kann die Angst der Deutschen vor den Aktien nicht nachvollziehen. dapd

Bankier Friedrich von Metzler rechts, hier mit dem Börsen-Vorstandsvorsitzenden Reto Francioni im Jahr 2010, kann die Angst der Deutschen vor den Aktien nicht nachvollziehen.

Handelsblatt: Herr von Metzler, die Aktienkurse schwanken kräftig; das Gleiche gilt für die Renditen von Staatsanleihen – ist die Finanzwelt aus den Fugen geraten?

Friedrich von Metzler: Nein, das ist sie nicht. Krisen und große Nervosität hat es zu allen Zeiten gegeben an der Börse, das ist nichts Neues. Aus unserer, also aus der heutigen Perspektive, wirkt das, was gerade passiert, natürlich sehr viel intensiver auf uns. Die Erinnerung an frühere Krisen dagegen verblasst schnell.

Viele Experten sagen, dass es, was die Kapitalmärkte betrifft, noch nie so schwer war, Prognosen zu treffen …

Es ist unübersichtlicher geworden. Die Welt wächst zusammen, die Globalisierung hat vieles verändert. Sie wirkt im Besonderen auf den Finanzmärkten. Sehr viel Geld strömt heute aus Asien oder dem arabischen Raum nach Europa – und umgekehrt. Früher war die Zahl der Marktteilnehmer überschaubarer und deshalb vielleicht ein Stück berechenbarer.

Früher gab es auch keine Hochgeschwindigkeitshändler, die die Kurse massiv beeinflusst haben, heute schon. Wie groß ist die Gefahr, die von ihnen ausgeht?

Ich weiß nicht, wie groß ihr Einfluss auf die Kurse ist. Bislang gibt es meines Wissens keine nachprüfbaren Beweise.

Würde eine Börsenumsatzsteuer helfen, die Märkte berechenbarer zu machen?

Wie wollen Sie das denn anstellen? Eine solche Steuer müsste weltweit erhoben werden. Und das werden die Handelsplätze in Asien nicht mitmachen. Ein nicht unerheblicher Teil des Börsengeschäfts würde dorthin abwandern. Für Frankfurt wäre das ein Problem, Tausende Arbeitsplätze fielen vermutlich weg.

Können die Aufsichtsbehörden überhaupt etwas tun, um die Finanzmärkte zu bändigen?

Bändigen ist ein schönes Wort (lacht). Ich würde es nicht so nennen. Wir haben es hier mit keinem wilden Tier zu tun, auch wenn solche Vergleiche oft gezogen werden. Wir neigen zu Übertreibungen, das verstellt uns zuweilen aber den Blick auf das Wesentliche. Wir brauchen wieder mehr Redlichkeit im Umgang miteinander.

Inwiefern?

Nehmen wir das Thema Transaktionssteuer. Was genau ist denn das, was bewirkt sie? Diese Fragen sind bislang nicht beantwortet. Ich habe das Gefühl, dass diese Steuer nichts mehr ist als eine fixe Idee, die nur einem einzigen Grund dient – nämlich zu demonstrieren, dass die Politik etwas tut, weil von ihr erwartet wird, etwas tun zu müssen. Im Zweifel schadet es mehr, als es nützt. Es gibt noch andere Beispiele dafür.

Welche denn?

Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid etwa. Sie sollte bewirken, dass der Wettbewerb unter den Börsen größer wird und die Preise für die Kunden fallen. Die Märkte sollten transparenter werden. Passiert ist aber etwas ganz anderes: Zahlreiche alternative Handelsplattformen sind entstanden, die den kontrollierten Börsen Liquidität entziehen und den Wertpapierhandel insgesamt schwankungsanfälliger machen. Der Handel in deren sogenannten Dark Pools ist sehr viel intransparenter als an den geregelten Börsen.

Demnach schadet Regulierung bloß …

Das habe ich nicht gesagt. Aber wir sollten aufrichtiger darüber diskutieren. Was könnte helfen und was nicht?

Kommentare (18)

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Armageddon

07.09.2011, 12:58 Uhr

VDas Interview mit von Metzler erinnert mich an ein Interview mit dem ehemaligen Chef von Sal. Oppenheim. Der tönte auch herum, alles wird gut, kurz bevor die Firma de facto insolvent war.
Von Metzler, vom Beruf und von der Ausbildung her Erbe - kann sich halt nicht von den Traditionen lösen und glaubt wer weiß was er und seine Banken Kumpels doch sind. In Wahrheit sind sie völlig überflüssig und an dem ganzen Desater tragen sie die Hauptschuld

Pendler

07.09.2011, 16:19 Uhr

Man sollte eben unterscheiden,
was sie sagen
was sie meinen

udn nie vegessen, es sind Vollprofies, die damit ihr Geld verdienen, dass sie Menschen / Kunden im sinn ihrer Firma beeinflussen. Was aber vollkommen legitim ist.

Nur ein Narr denkt, dass der Banker das Wohlergehen seiner Kunden im Auge hat.

Regulator

07.09.2011, 16:43 Uhr

Herr Metzler ist von jeher Gold-kritisch eingestellt, das hat seine Gründe. Er gibt seine Meinung dazu bei allen passenden Gelegenheiten zum besten.
Wenn er meint, Gold sei nicht fair bewertet, wäre es einmal interessant zu wissen, wie er sich eine faire Bewertung vorstellt und wie hoch dann der Goldpreis stehen dürfte.
Interessant auch, dass eine Randbemerkung gleich als headline dienen muß
Honi soit qui mal y pense.

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