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27.02.2016

12:03 Uhr

Währungspolitik

G20 wollen sich gegen Risiken absichern

Die G20 malen ein graues Bild der aktuellen Lage in der Weltwirtschaft. Neben dem lahmenden Wachstum bereiten ihnen die vielen Risiken Sorgen. Nun wollen sie sich für den Fall wappnen, dass diese Risiken Realität werden.

Lagerbestände schrumpfen

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Lagerbestände schrumpfen: Läuft der Welthandel auf Grund? Wichtiger Index deutlich gesunken

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ShanghaiDie führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen nach den kräftigen Wechselkursschwankungen der vergangenen Monate enger in der Währungspolitik zusammenarbeiten. „Wir werden uns eng abstimmen in Hinblick auf die Devisenmärkte“, hieß es in der Abschlusserklärung eines G20-Finanzministertreffens in Shanghai, die der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag vorab vorlag. Die Länder wollen dabei ausdrücklich keine Zielmarken für die jeweiligen Wechselkurse setzen, mit denen Vorteile im Handel erlangt werden könnten. Sie erneuerten ihre Zusage, sich keine Abwertungswettläufe liefern zu wollen. Um das Wachstum dauerhaft zu stärken setzen die G20 vorrangig auf Strukturreformen, die sie beschleunigen wollen.

Die G20 malten ein graues Bild der aktuellen Lage in der Weltwirtschaft. Das Wachstum bleibe hinter den Zielsetzungen zurück und sei sehr ungleichmäßig, hieß es in der Erklärung. Hinzu kämen wachsende Risiken. Dazu zählen die G20 die Möglichkeit eines Ausstieges Großbritanniens aus der EU (Brexit) und die Flüchtlingsströme in mehreren Regionen der Welt, darunter auch Europa. Belastend seien auch die geopolitische Krisenherde, etwa in Nahost, sowie der Einbruch von Rohstoffpreisen wie beim Öl. Die Sorge, dass die jüngsten Abwärtsrevisionen bei den weltweiten Wachstumsraten noch nicht das Ende darstellten, sei gestiegen.

Was allerdings die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten angehe, so ständen die nicht im Einklang mit den tatsächlichen Entwicklungen, hieß es weiter. Große und ungeordnete Schwankungen an den Devisenmärkten werden als Gefahr für die finanz- und wirtschaftspolitische Stabilität eingestuft.

Die Themen beim Treffen der G20-Finanzminister in Shanghai

Konjunktur

Angesichts der Unsicherheiten der vergangenen Wochen wird eine intensive Diskussion erwartet. Der Ausblick für die Weltwirtschaft wurde leicht nach unten korrigiert. Es sei aber weiter von einer anziehenden Konjunktur auszugehen, wird betont. Auch von China seien weiter positive Effekte zu erwarten - trotz niedrigerer Wachstumsraten. Die G20 hatten 2014 vereinbart, mit nationalen Strategien die gemeinsame Wirtschaftsleistung bis 2018 um zusätzlich mindestens 2 Prozent zu erhöhen.

Geldpolitik

Hier wird eine heftige Debatte erwartet. Die Politik der extrem lockeren Geldpolitik zur Stützung der Konjunktur dauert an. In immer mehr Länder gelten inzwischen sogar negative Zinsen. Deutschland pocht auf einen Ausstieg und warnt vor den Nebenwirkungen des anhaltend billigen Notenbank-Geldes.

Konjunkturimpulse

Aus den USA gibt es erneut Forderungen nach gemeinsamen Konjunkturimpulsen. Die Staaten müssten alle verfügbaren geld- und haushaltspolitischen Mittel ausschöpfen, um die globale Nachfrage anzukurbeln, wird aus Washington kolportiert.

Ölpreise

: Mit Russland und Saudi-Arabien sitzen auch wichtige Öl-Förderländer am G20-Tisch. Die leiden zunehmend unter den niedrigen Ölpreisen und ringen um eine Stabilisierung, etwa indem sie die Produktion einfrieren. Zwar profitieren andere Länder von niedrigen Ölpreisen, aber letztlich könnten die Probleme durch Ausfälle in den Öl-Ländern überwiegen.


Infrastruktur-Investitionen

G20-Gastgeber China will die Arbeiten vorantrieben. China hat dazu auch die Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) ins Leben gerufen, an der auch Deutschland beteiligt ist. Die AIIB ist im Januar gestartet. Trotz Vorbehalten der USA sind mehrere G20-Länder Gründer der Bank.

Wechselkurse

Die G20 werden sich gegen einen Abwertungswettlauf bei Währungen zur Unterstützung der eigenen Wirtschaft aussprechen. Eine schärfere Wortwahl als zuletzt gilt als unwahrscheinlich.

Finanzmarkt-Regulierung

Es geht darum, noch bestehende Lücken zu schließen - etwa bei der Regulierung von „Schattenbanken“. Auch geht es um weitere Vorgaben, um das sogenannte „too-big-to-fail“-Problem („Zu groß zum Scheitern“) einzudämmen. Es sollen also Risiken gemindert werden, die von einer Schieflage wichtiger und global vernetzter Finanzinstitute ausgehen. Diese sollen sich nicht darauf verlassen, allein wegen der Größe und Bedeutung gerettet zu werden.

Terrorismus-Finanzierung

Ausgelotet werden vor allem Maßnahmen gegen entsprechende Finanzströme. Im Fokus stehen virtuelle Währungen oder Pre-Paid-Karten, die in der Terror-Finanzierung eine Rolle spielen. Bargeld-Obergrenzen sind kein Thema auf G20-Ebene.

Die G20 wollen gewappnet sein, um zu reagieren, wenn Risiken für die Weltwirtschaft Realität werden. „Wir werden weiterhin Politik-Optionen prüfen, die die G20 nutzen könnte, um gegebenenfalls Wachstum und Stabilität zu unterstützen“, versicherten sie in ihrer Abklärung. Von etwaigen neuen Konjunkturprogrammen, wie sie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Shanghai erneut ablehnte, ist allerdings nicht die Rede.

Die Befürchtungen an den Finanzmärkten um den Zustand der Weltwirtschaft sind nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann übertrieben. „Vielleicht könnte man sagen, die konjunkturellen Perspektiven sind besser als ihr Ruf“, sagte Weidmann am Samstag beim Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Shanghai. „Aus meiner Sicht besteht kein Anlass, die Wirtschaftsaussichten allzu schwarz zu sehen.“ Viele Experten hatten zuletzt angesichts schwächerer Wachstumsraten in Schwellenländern wie China ihre Schätzungen nach unten revidiert. „Auch für China gibt es trotz gestiegener Risiken keinen Hinweis auf einen scharfen Wirtschaftseinbruch“.

Die G20-Staaten wollen mehr tun, um das weiterhin relativ gemächliche Wachstum anzukurbeln. Dabei geht es den großen Industrie- und Schwellenländern vor allem darum, die schon beschlossenen Strukturreformen schneller umzusetzen, um auf einen dauerhaft höheren Wachstumspfad zu kommen. „Die Geldpolitik alleine kann nicht zu einem nachhaltigen Wachstum führen“, heißt es in der Erklärung. Sie werde aber weiterhin die Konjunktur stützen. Auch mit der Finanzpolitik wollen die G20 dieses Ziel verfolgen. Die Steuer- und staatliche Ausgabenpolitik solle so wachstumsfreundlich wie möglich ausfallen und die Rahmenbedingungen für Investitionen verbessern.

Die G20 erneuerte ihr Bekenntnis zu den Reform-Zielen ihres Gipfels 2014 im australischen Brisbane. Danach soll mit einer Fülle von Reformmaßnahmen das weltweite Wachstum binnen fünf Jahren auf einen um zwei Prozent höheren Zuwachspfad geführt werden. Allerdings sind derzeit gerade die Hälfte der damals versprochenen über 800 nationalen Reformmaßnahmen umgesetzt worden, wie aus G20-Kreisen verlautete.

Von

rtr

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