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20.03.2017

12:45 Uhr

Wahlen in Frankreich

Le Pen macht Fondsmanagern keine Angst

Vermögensverwalter aus aller Welt fürchten sich vor den Folgen des Sieges der ultrakonservativen Kandidatin Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl. Nur in ihrer Heimat bleiben die Manager gelassen.

Ein Front National-Plakat zeigt die Kandidatin Marine Le Pen. Vermögensverwalter rechnen mit Marktturbulenzen im Zuge der Wahl. AFP; Files; Francois Guillot

Wahlen in Frankreich

Ein Front National-Plakat zeigt die Kandidatin Marine Le Pen. Vermögensverwalter rechnen mit Marktturbulenzen im Zuge der Wahl.

ParisWeit weg von Paris sorgen sich globale Investoren um die Risiken für Anlagewerte aller Klassen um einen möglichen Sieg der EU-kritischen Rechtspopulistin Marine Le Pen. Doch ausgerechnet die größten französischen Vermögensverwalter, die zusammen ein Anlagevolumen von 2,8 Billionen Euro betreuen, halten an ihren europäischen Aktienpositionen fest. Amundi und Axa Investment Managers zum Beispiel stehen dem Wahlausgang positiv zuversichtlich gegenüber.

Die Marktteilnehmer interpretieren das französische Wahlverfahren unterschiedlich – von den Meinungsumfragen bis zur Koalitionsbildung nach dem zweiten und letzten Gang zur Wahlurne am 7. Mai. Umfragen sehen Le Pen, die Vorsitzende des Front National, bei der ersten Wahlrunde am 23. April als Gewinnerin und zwei Wochen später als Verliererin.

Wichtige Kandidaten der französischen Präsidentenwahl

Marine Le Pen

Die Rechtspopulistin von der Front National (FN) vertritt radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. In Umfragen für die erste Wahlrunde im April liegt die 48-Jährige seit Wochen vorne, zuletzt kam sie auf Werte zwischen 26 und 28 Prozent.

François Fillon

Der Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten galt lange als Favorit der Wahl. Doch wegen der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau verlor der 62-Jährige Sympathiepunkte. Nach aktuellen Umfragen liegt er bei etwa 20 Prozent - und muss damit um den Einzug in die entscheidende Stichwahl zittern. Die französische Justiz prüft Vorwürfe, wonach Fillons Frau nur zum Schein als seine parlamentarische Mitarbeiterin angestellt war. Fillon wies die Vorwürfe mehrfach zurück.

Emmanuel Macron

Der Politjungstar positioniert sich weder links noch rechts. Über Wochen war der unabhängige Bewerber, früher Wirtschaftsminister unter Präsident François Hollande, im Aufwind. Doch umstrittene Äußerungen über Frankreichs Kolonialvergangenheit brachten den 39-Jährigen zuletzt in Bedrängnis. In Umfragen liefert er sich derzeit ein enges Rennen mit Fillon um den Einzug in die Stichwahl. Konservative werfen Macron vor, das Programm für den glücklosen Sozialisten Hollande gemacht zu haben. Hollande tritt nicht mehr an.

Benoît Hamon

Der 49 Jahre alte Ex-Bildungsminister setzte sich in einer Vorwahl als Spitzenkandidaten der angeschlagenen Sozialisten durch. Er will mit der Hollande-Ära brechen und einen neuen Kurs einschlagen, bei dem grüne Themen eine wichtige Rolle spielen. Er gilt zurzeit als „vierter Mann“ bei der Wahl.

Jean-Luc Mélenchon

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der von der kommunistischen Partei (PCF) unterstützte Anwärter könnte laut Umfragen bei der ersten Runde etwas mehr zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

Französische Fondsmanager halten zwar für möglich, dass an den Märkten Volatilität aufflackern wird. Sie gehen jedoch auch davon aus, dass am Ende ein gemäßigterer Kandidat das Rennen um die Präsidentschaft machen wird. Daher sagen sie, dass sich Investoren wieder auf die Fundamentaldaten zurückbesinnen sollten: die Konjunkturerholung im Lande und die stärkeren Unternehmensergebnisse.

Das politische Risiko in Frankreich werde überschätzt, sagt etwa Philippe Ithurbide, weltweiter Leiter Research, Strategie und Analyse bei Amundi. Die Gesellschaft betreut ein Anlagevolumen von 1,1 Billionen Euro. „Eine Sache, die ausländische Investoren nicht wirklich verstehen, ist das Zwei-Runden-System bei den französischen Präsidentschaftswahlen“, sagt Ithurbide. „Le Pen kann in der ersten Runde vorne liegen, aber die zweite Runde ist wie eine völlig neue Wahl. Für globale Investoren ist das Risiko binär: Wird das Wahlergebnis die Europäische Union gefährden oder nicht? Wenn Le Pen verliert, hat der Markt Aufwärtspotenzial.“

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Maxime Alimi, Investement-Manager bei Axa, ist zuversichtlich in Bezug auf das Endspiel, erwartet aber eine holprige Strecke bis zur Wahl. „Es wird sicherlich Volatilitätsspitzen geben. Aber die Chancen von Le Pen erscheinen ziemlich gering, und anders alsDonald Trump, ist sie kein neues Phänomen. Wenn es ihr gelingen sollte, die Wahlen zu gewinnen, steht sie vor der Situation, dass die EU-Mitgliedschaft Frankreichs in der Verfassung festgeschrieben ist. Das zu ändern, ist so was wie eine Mission Impossible.“, sagt der Manager, der mehr als 700 Millionen Euro verwaltet. Axa ist bei europäischen Aktien neutral gewichtet und will ihr Engagement erst erhöhen, wenn die Wahl vorüber ist. „Es könnte passieren, dass sich europäische Aktien in der zweiten Jahreshälfte besser entwickeln als US-Aktien. Das hat es auf nachhaltiger Basis seit 2009 nicht mehr gegeben“, sagt Alimi.

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