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01.04.2015

19:05 Uhr

Warren Buffett will den Grexit

„Die Deutschen werden die Griechen nicht ewig finanzieren“

VonJens Hagen

Der Starinvestor spricht ein Machtwort: Die Griechen sollen raus aus dem Euro. Dies sei besser für die Gemeinschaftswährung. Eine Analyse zeigt, wie fatal die Lage des Krisenstaats ist. Womit Anleger rechnen müssen.

Das „Orakel von Omaha“ ist für den Grexit. Reuters

Warren Buffett

Das „Orakel von Omaha“ ist für den Grexit.

DüsseldorfDie griechische Regierung könnte bald einen neuen Kandidaten in die lange Liste der Finanzmarkt-„Bösewichte‟ aufnehmen. Neben Wolfgang Schäuble, Angela Merkel, der Troika, dem Chefredakteur der „Bild‟-Zeitung und EZB-Chef Mario Draghi könnte sich jetzt auch Starinvestor Warren Buffett dazugesellen. Denn der gastierte gestern beim TV-Sender CNBC und fand deutliche Worte.

Die Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone wären für die übrigen Länder positiv. „Sollten die Griechen rausgehen, müsste das nicht schlecht für den Euro sein‟, sagte Buffett. Ein solcher Schritt könne dazu führen, dass sich die Mitgliedsländer besser auf eine Fiskalpolitik einigen würden. Für die Region könne ein Ausscheiden Athens aus dem Euro insgesamt sogar konstruktiv sein. „Wenn alle lernen würden, dass Regeln einzuhalten sind und wenn es eine große Einigung über die Fiskalpolitik der Mitglieder oder etwas Ähnliches gäbe, dann könnte das eine gute Sache sein“, erklärt Buffett.

Der Vorstoß des Starinvestors kommt zu einem Zeitpunkt, da aus Griechenland Zeichen der Annäherung kommen. Gestern erklärte der griechische Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis etwa, dass er im Schuldenstreit mit den internationalen Geldgebern mit einer Einigung in der nächsten Woche rechne. Bis dahin werde man sich auf die notwendigen Reformen verständigen, sagte Stathakis.

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Doch Buffett denkt in größeren Maßstäben. Der Euro verlor im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Dollar so viel an Wert wie noch nie seit der Einführung. „Ich bin der Überzeugung, dass der Euro strukturelle Probleme seit seiner Einführung hatte, was nicht bedeutet, dass die Währung auseinanderbricht”, erklärte Buffett. „Man kann mit diesen Problemen leben, aber vielleicht können sich nicht alle Länder anpassen und die sind dann nicht mehr dabei‟. Das Orakel aus Omaha redet Klartext: „Es ist nicht gottgegeben, dass der Euro immer exakt die gleiche Zahl an Mitgliedern haben muss.‟

Die Umstände sprächen gegen einen langfristigen Verbleib in der Euro-Zone. „Es kann nicht damit weitergehen, dass die Menschen in völlig verschiedene Richtungen gehen‟, erklärt Buffett. „Die Deutschen werden die Griechen nicht für alle Zeiten finanzieren.‟

Ökonomischer Steckbrief zu Griechenland

Schuldenstruktur

Schulden insgesamt (2014): 320 Milliarden Euro
EFSF: 142 Milliarden Euro
einzelne Länder: 53 Milliarden Euro
IWF: 35 Milliarden Euro
EZB: 30 Milliarden Euro
Sonstige: 60 Milliarden Euro

Quelle: Feri Eurorating.

Nominelles Bruttoinlandsprodukt (pro Kopf)

2013: 21.162 Dollar
2014: 20.747 Dollar
Prognose 2015: 17.404 Dollar
Prognose 2016: 17.485 Dollar

Quelle: Feri Eurorating.

Reales Bruttoinlandsprodukt

2013: - 3,9 Prozent
2014: + 0,8 Prozent
Prognose 2015: + 0,1 Prozent
Prognose 2016: + 1,4 Prozent

Konsumentenpreise (Veränderung)

2013: - 0,9 Prozent
2014: - 1,4 Prozent
Prognose 2015: - 1,6 Prozent
Prognose 2016: + 1,3 Prozent

Quelle: Feri Eurorating.

Arbeitslosenquote

2013: 27,5 Prozent
2014: 26,8 Prozent
Prognose 2015: 26,0 Prozent
Prognose 2016: 24,5 Prozent

Quelle: Feri Eurorating.

Haushaltssaldo

2013: - 12,2 Prozent
2014: - 2,8 Prozent
Prognose 2015: - 4,2 Prozent
Prognose 2016: - 3,5 Prozent

Quelle: Feri Eurorating.

Staatsverschuldung (anteilig am BIP)

2013: 174,9 Prozent
2014: 178,1 Prozent
Prognose 2015: 179,7 Prozent
Prognose 2016: 175,1 Prozent

Quelle: Feri Eurorating.

Industrieproduktion (Veränderung)

2013: - 3,3 Prozent
2014: - 2,7 Prozent
Prognose 2015: + 1,4 Prozent
Prognose 2016: + 2,5 Prozent

Quelle: Feri Eurorating.

Zehnjährige Staatsanleihen (Renditen)

2013: 10,1 Prozent
2014: 6,9 Prozent
Prognose 2015: 7,9 Prozent
Prognose 2016: 5,1 Prozent

Quelle: Feri Eurorating.

Buffetts Machtwort zeigt das ganze Dilemma in dem Griechenland aktuell steckt. Und andere Marktbeobachter finden ebenso klare Worte. „Griechenland hat in den vergangenen Jahren nicht die notwendigen Reformen umgesetzt‟, sagt Axel Angermann, Chefvolkswirt bei Feri Eurorating. Sein Institut senkte das Rating von Griechenland im März um eine Stufe auf CCC.

Die Abkehr der neuen Regierung von strukturellen Reformen in Kooperation mit der Troika verschrecke Investoren und führe zu einer Kapitalflucht. Das Wachstum falle daher schlechter aus als erwartet, begründet Feri die Herabstufung. „Die neue Regierung möchte offenbar auch keine Strukturreformen, die wirklich greifen umsetzen‟, sagt Angermann. „Der einzige Unterschied ist, dass Tsipras das öffentlich erklärt.‟

Kommentare (43)

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Herr peter gramm

01.04.2015, 19:28 Uhr

kann es nicht sein, dass den amerikanern ein grexit sehr gelegen käme? solange die griechen im euro sind wird es schwierig für die amerikaner mit sogenannten direkten finanzhilfen an die rohstoffe zu kommen. ein schelm wer böses denkt. immer wenn die amerikaner so weise ratschläge erteilen haben sie einen hintergedanken. wenn die amerikaner eines unter beweis gestellt haben, dann dies....selbstlos geholfen haben sie noch nie. entweder hat die waffenlobby davon partizipiert oder die rohstoff und nahrungsmittelllobby, aber gewonnen haben immer die amis.

Herr Rudolf Riedl

01.04.2015, 19:35 Uhr

Her Buffet liegt falsch,
Deutschland wird weiter subventionieren und zahlen, weil der EU ein politisches Projekt ist, und keines, das nach volkswirtschaftlichen Kriterien ausgerichtet ist.
Wenn es scheitert, scheitert nicht Europa sondern Merkel und Schäuble.

Die EU in Brüssel existiert nur deshalb, und nicht weil es wirtschaftliche Ziele verfolgt.
Also tausende Beamte zu Selbstweck und zu Lasten der EU Steuerzahler..

Peter Niveus

01.04.2015, 19:38 Uhr

Die Bürger im Euroraum brauchen ein Kapitaleinkommen

da der Kaufkraftverlust durch kürzere Arbeitszeiten (technologischer Fortschritt) nicht mit höheren Löhnen ausgeglichen werden kann (Wettbewerb). Darum sollten die Staatsschulden auf die Bürger umgeschuldet werden.

Wie man die griech.Bürger zu Gläubigern ihrer ideellen Pro-Kopf-Staatsverschuldung macht und warum Griechenland dann schuldenfrei wäre, erfahren sie hier (http://niveus,at):

Alexis beantragt bei einer beliebigen Bank einen “Mikrokredit”

in der Höhe von 3.000 Euro - mit 6 Prozent Zinsen und einer Laufzeit von 10 Jahren. Er beabsichtigt mit dem Kredit Stammkapital einer Staatsbürgerbank zu kaufen. Die Stammaktien müssten in den ersten zehn Jahren eine jährliche Dividende von 407 Euro abwerfen, dann könnte er damit seine Kreditraten bezahlen.

Yanis beantragt bei einer Staatsbürgerbank einen “Makrokredit”

in der Höhe von 30.000 Euro – mit 2,5 Prozent Zinsen und einer Laufzeit von 30 Jahren. Er möchte damit griechische Staatsanleihen kaufen und diese als Kreditsicherheit hinterlegen. Die Anleihen müssten mit 4,8 Prozent (=1433/30000) verzinst sein, damit er mit der Rendite die jährlichen Kreditraten (1433 Euro) begleichen kann.

Die Staatsbürgerbank schöpft bei der Kreditvergabe Buchgeld.

Mit 3.000 Euro Stammkapital kann eine Geschäftsbank, bei einer angenommenen Mindesteigenkapitalquote von 10 Prozent, in etwa 30.000 Euro Giralgeld schöpfen. Dieses Geld entsteht bei der Kreditvergabe de facto aus dem Nichts. Kauft Alexis also mit seinem Mikrokredit Stammaktien der Staatsbürgerbank, kann diese ausreichend Buchgeld für Yanis’ Makrokredit schöpfen.

Nach nur 10 Jahren wäre Griechenland de facto schuldenfrei. Griechenland hätte keine Außenschulden mehr und könnte im Euroraum verbleiben. Die Gläubiger Griechenlands wären voll ausbezahlt und die Zinsen der Staatsschulden würden die regionale Wirtschaft stimulieren.

Mit den Anleihezinsen kann der Staat das Kapitaleinkommen regulieren!

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