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06.05.2010

16:53 Uhr

Warum Short Sales wichtig sind

Das Geheimnis der Leerverkäufe

VonOlaf Storbeck

Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat Leerverkäufe massiv in Verruf gebracht. Doch sollten solche Spekulationen auf sinkende Kurse verboten werden? Neue Studien belegen nun, dass Short Sales wichtig für das Funktionieren von Börsen sind.

Short Sales sind in Verruf geraten. Auch Bundespräsident fordert ein Verbot bestimmter Leerverkäufe. Zu Recht? dpa

Short Sales sind in Verruf geraten. Auch Bundespräsident fordert ein Verbot bestimmter Leerverkäufe. Zu Recht?

LONDON. Stellen Sie sich vor, Sie leihen einem Bekannten für ein paar Wochen Ihre Lieblings-CDs. Ihr Freund aber will gar keine Musik hören, sondern verkauft ihre Scheiben bei Ebay. Bevor er sie ihnen wieder zurückgibt, besorgt er sich die Alben irgendwo anders. Falls inzwischen gebrauchte CDs billiger zu haben sind, hat er damit bares Geld verdient.

Eine ziemlich absurde Vorstellung, finden Sie? Für CDs mag das stimmen - an den Börsen gehören solche Transaktionen zum Tagesgeschäft. Zehntausendfach verkaufen Menschen Aktien, die ihnen nicht gehören, sondern die sie sich vorübergehend geliehen haben. "Leerverkäufe" heißen diese Geschäfte, oder auch "Short Sales" (aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank).

Ende 2007, schätzen Ökonomen, waren in den USA an mehr als 40 Prozent aller Aktiengeschäfte Leerverkäufer beteiligt. Sie spekulieren auf sinkende Kurse. Ähnliches gilt für Credit Default Swaps - Finanzinstrumente, mit denen Investoren auf die Insolvenz von Hausbesitzern oder Staaten wetten können.

Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat solche Spekulationen auf den Crash massiv in Verruf gebracht. Ist es nicht unmoralisch, am Elend anderer zu verdienen? Destabilisieren Leerverkäufer nicht die Börse, weil sie den Markt mit Verkaufsofferten überfluten können? Sind sie nicht auch für die Krise mitverantwortlich?

Leerverkäufe anno 1609

Im Herbst 2008 standen die Short Seller am Pranger, die gegen Banken wetteten, im Frühjahr 2010 die Hedge-Fonds, die mit Credit Default Swaps auf die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands setzten.

Leerverkäufe und die Kritik an ihnen sind so alt wie die Börsen: Schon 1609 shorteten niederländische Geschäftsleute Aktien der Ostindien-Handelskompanie. Ein Jahr später führte die Amsterdamer Börse die ersten Beschränkungen für solche Geschäfte ein.

In Deutschland knüpfen Oppositionspolitiker jetzt ihre Zustimmung für die Griechenland-Hilfe an strengere Auflagen für Leerverkäufer. Selbst Bundespräsident Horst Köhler fordert ein Verbot bestimmter Leerverkäufe. Denn: "Die Bürger wollen vor unverantwortlichem Treiben auf den Finanzmärkten sicher sein."

Kommentare (20)

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Denkerist

06.05.2010, 20:25 Uhr

Mit Leerverkäufen und folgenden Manipulationen können die Mächtigen der Welt viel, viel Geld verdienen. Das lassen die sich nicht nehmen.
Ohne diese gäbe es auch die Krise mit ihren vielen zu erwartenden Arbeitslosen nicht.

Nico Rösler

06.05.2010, 20:59 Uhr

Zitat:
"Manchmal sind halbe Wahrheiten auch ganze Lügen"
Um Aktien leer zu verkaufen, brauche ich mir diese nach geltenden Regeln nicht einmal zu leihen! Das führte dazu, das im Herbst 2008 an einem börsentag teilweise 3 bis 4 mal soviel Aktien einer Aktiengesellschaft leerverkauft wurden, wie dieses Unternehmen ingesamt überhaupt hat. Da dann nach einem dadurch ausgelösten Kurssturz viele der Optionen einfach wertlos waren und nicht eingelöst wurden, mussten vom Spekulanten dann die Aktien auch nicht nachgekauft werden. Das Ziel die Aktie auf Talfahrt zu schicken und damit Geld zu machen aber war erreicht.
So funktionieren Spekulationen.
Und davon findet man in diesem Artikel nichts.

Heinz

06.05.2010, 21:36 Uhr

On-Top-Kategorie: Leerverkäufe von Derivaten, also ohne das Halten des zugrundeliegenden basiswertes. Anmerkung: Verwerflich ist nicht die Spekulation, sondern die Kursmanipulationen mittels Leerverkäufen. Und damit wird die genannte Funktion zur Preisfindung ad absurdum geführt.

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