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31.10.2014

08:59 Uhr

Wegen schwacher Wirtschaft

Japans Notenbank weitet die Geldflut aus

Die Wirtschaft läuft nicht und die Inflation ist auch zu niedrig – deshalb öffnet Japans Zentralbank seine Geldschleusen weiter und pumpt mehr Kapital in den Markt. Die Börse feiert die Entscheidung der Notenbank.

Eine japanische Flagge weht im Wind. Japans Zentralbank lockert die geldpolitischen Zügel weiter. Reuters

Eine japanische Flagge weht im Wind. Japans Zentralbank lockert die geldpolitischen Zügel weiter.

TokioJapans Zentralbank hat überraschend die geldpolitischen Zügel noch weiter gelockert. Zugleich senkte sie am Freitag die Wachstumsprognose für die Wirtschaft des Landes für das noch bis März 2015 laufende Steuerjahr von 1,0 Prozent auf 0,5 Prozent. Da die Preise nicht wie erwartet steigen, wird die Geldbasis um jährlich 80 Billionen Yen ausgeweitet (582 Milliarden Euro). Bislang hatte sie das im Umfang von 60 bis 70 Billionen Yen getan. An der Börse Tokio löste die Entscheidung der Bank von Japan ein Kursfeuerwerk aus: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte in Reaktion schoss um fast fünf Prozent auf den höchsten Stand seit sieben Jahren nach oben. Zugleich zog der Dollar zum Yen auf den höchsten Stand seit sechs Jahren an.

Die japanische Wirtschaft habe sich zwar tendenziell weiter moderat erholt. Auch sei zu erwarten, dass die Wirtschaft weiter über ihrem Potenzial wachse, schreibt die Notenbank in einer Stellungnahme. An der Preisfront habe jedoch ein Nachfragedämpfer in Folge einer Anhebung der Verbrauchssteuer im April sowie ein deutlicher Rückgang bei den Ölpreisen in jüngster Zeit Druck auf die Preise ausgeübt.

So viele Schulden kann sich ein Staat leisten

Der Ökonom

Im Oktober 1990 hat Olivier Blanchard, Professor der Volkswirtschaftslehre am Massachusetts Institute of Technology (MIT), eine alte Frage beantwortet. Wie viele Schulden kann sich ein Staat leisten? Grob unterscheidet er drei Szenarien.

Neutrales Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst in einem Jahr um zwei Prozent, ein Land muss auf alle Staatspapiere durchschnittlich zwei Prozent Zinsen zahlen. Das Staatsdefizit ist tragfähig, wenn das Land einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen kann, also Staatsausgaben gleich Steuereinnahmen sind.

Gutes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst um zwei Prozent, der Staat kann sich günstig refinanzieren und zahlt auf Staatsanleihen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Staatsdefizit ist sogar dann tragfähig, wenn dem Staat weniger Steuern zufließen als er Geld ausgibt.

Schlechtes Szenario

Das Bruttoinlandsprodukt wächst wieder um zwei Prozent, allerdings wollen Investoren mehr als zwei Prozent Zinsen pro Jahr, um ihr Geld dem Staat zu leihen. Das Staatsdefizit ist nur dann tragfähig, wenn die höheren Zinszahlungen über erhöhte Steuereinnahmen in gleichem Umfang gedeckt sind.

Sollte dies andauern, bestehe das Risiko, dass sich die Überwindung der deflationären Stimmung im Land verzögere, hieß es. Um dies zu verhindern und die bisherigen Fortschritte zu untermauern, halte man es für angemessen, die geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern.

Zu diesem Zweck kauft die Notenbank jetzt noch verstärkter als bisher Staatsanleihen sowie riskantere Finanzinstrumente. Als Ziel hatte die BoJ im vergangenen Jahr ist eine Inflationsrate von zwei Prozent bis 2015 ausgegeben. An diesem Stabilitätsziel hält die BoJ weiter fest.

Von

dpa

Kommentare (13)

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Frau Helga Trauen

31.10.2014, 09:33 Uhr

Wegen schwacher Wirtschaft also? Aha! Die Keynesianer sind wirkliche Neurotiker. In der Neurose wird vom Verhalten immer "mehr vom Gleichen" gezeigt; auf die Idee, dass das Verhalten selbst das Problemhafte sein könnte, kommt der Neurotiker nicht. Keynesianer sind Neurotiker. Ein Fall für die Psychiatrie. Sie sind gefangen in ihrem Paradigma, unfähig, dieses geistige Gefängnis zu verlassen. Bedenklich aber, dass der Großteil der Menschheit deren Opfer werden wird.
Jedes Papiergeldsystem ist bislang gescheitert. Ausnahmslos jedes. Und es ist noch nie gelungen, mit gedruckten (oder elektronisch bereitgestellten) "Geld" Wohlstand zu erzeugen. Es endet nur im vollständigen Sozialismus. Piketty wird die neue Mao-Bibel genau dafür sein.

Herr Oliver Klima

31.10.2014, 09:52 Uhr

Sehr rätselhaft. Seit 30 Jahren lese ich in den Nachrichten regelmäßig über den haarstäubenden Schuldenstand Japans.

Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum denen der Laden nicht längst um die Ohren geflogen ist.

Und mich interessiert im Zusammenhang mit Japan die Frage, welche Auswirkungen ein Staatsbankrott Japans auf unsere Wirtschaft hätte.

Welche negativen Folgen hätte ein Zusammenbruch Japans auf unsere Volkswirtschaft?

Frau Helga Trauen

31.10.2014, 09:55 Uhr

Aber Herr Klima, wenn Japan fällt, dann kollabiert das gesamte Papiergeldsystem. Stellen Sie schon mal Champagner bereit! Die französische Außenhandelsbilanz wird es Ihnen danken!

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