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27.02.2012

14:28 Uhr

Weisheit der Masse

Reich werden mit Aktientipps aus Twitter?

VonThomas Schmitt

Soziale Netzwerke liefern Informationen für die Kapitalanlage. Investoren saugen das Wissen vieler Internetnutzer auf, tippen auf einzelne Aktien und gründen Fonds. Doch erst wenige Anleger nutzen diese Möglichkeiten.

Der Rapper Curtis Jackson III, bekannt als 50 Cent, nutzt gerne Twitter und redet dort auch über seine Aktien. dapd

Der Rapper Curtis Jackson III, bekannt als 50 Cent, nutzt gerne Twitter und redet dort auch über seine Aktien.

DüsseldorfDer Mann heißt eigentlich Curtis James Jackson III, doch bekannt ist er als der Rapper „50 Cent“. Im Netzwerk Twitter verfolgen 5,9 Millionen Menschen, was der Musiker täglich auf 140 Zeichen zu sagen hat. Gelegentlich äußert er sich auch über Aktien, etwa die H&H Imports. Die Aktie mit dem Börsenkürzel HNHI kostet nur ein paar amerikanische Cent, doch im Januar vervierfachte sich der Kurs plötzlich. 

Auslöser war nach US-Medienberichten solch ein Kommentar auf Twitter: "Meine Freunde sagen, ich soll aufhören über HNHI zu schreiben, damit wir all das Geld bekommen. Hahaha. Probier es aus, es ist ein super Geschäft.“ Mittlerweile sind die Einträge gelöscht. Aus gutem Grund: Denn der Sänger ist an dem Unternehmen beteiligt. Von H&H Imports werden zum Beispiel Kopfhörer vertrieben, die mit dem Namen des Rappers 50 Cents beworben werden. Da kommt bei allzu euphorischen öffentlichen Äußerungen schnell der Verdacht auf Kursmanipulation auf. 

Mit Internet-Medien in Aktien investieren

Tweettrader

TweetTrader.net ist eine Initiative des Münchner Beraters Timm Sprenger. Im Rahmen seiner Doktorarbeit legte er die Seite auf. Das Portal dürfte noch weiter entwickelt werden.

Stocksonar

Zeitnahen Börsenrat für kluge Handelsentscheidungen verspricht die Seite Stocksonar. Aufgefangen werden soll unter anderem die Stimmung in den Medien, um anderen Investoren voraus zu sein.

Stocktwits

Die Plattform Stocktwits bietet auch Produkte für Unternehmen, um ihre Botschaften direkt an Investoren zu kommunizieren.

SNTMNT

SNTMNT will Einblicke in die Stimmung der Verbraucher liefern und konzentriert sich auf die Aktien im niederländischen AEX. Genutzt würden über 10.000 Quellen, darunter auch Twitter, Facebook und Nachrichtenseiten. Die Modelle wollen Aktienbewegungen zwischen 15 Minuten und sieben Tagen im voraus prognostizieren.

Twitter Finance

Twitter Finance liefert Tweets zu verschiedenen Finanzthemen.

Tweet my Stock

TweetMyStock will Aktionären Informationen über die Bewegungen ihrer Aktien liefern. Wenn die Kurse einer Gesellschaft über ein bestimmtes Niveau steigen oder fallen, sendet TweetMyStock Direktnachrichten über Twitter.

Digstock

Auf Digstock findet man Gespräche über Aktien.

Galaxy Advisors

Die Plattform Galaxy Advisors will ihren Nutzern helfen, verborgene Meinungsführer zu finden und Trends in den Märkten zu entdecken.

Stockpulse

Stockpulse versteht sich als unabhängiger Navigator für den Aktienmarkt. Geliefert werden Analysen zu Stimmungen und Trends an den Börsen. Börsentäglich werden Handelssignale bereit gestellt für Anlage- und Tradingstrategien.

Das Beispiel zeigt, wie bedeutsam das noch sehr junge Netzwerk inzwischen auch für Anleger geworden ist. Das gilt insbesondere für Amerika. Millionen Menschen verbreiten dort jeden Tag in Twitter ihre Meinung über Gott und die Welt. Immer mehr dieser Kurznachrichten beziehen sich auf Unternehmen und Aktien, denn aktive Händler und auch Analysten nutzen das Netzwerk, um ihre Ansichten auszutauschen. 

„Durch soziale Netzwerke verschwimmt die Grenze zwischen Privatanlegern und Profi-Anlegern“, sagt daher Wall-Street-Experte Markus Koch. Das bedeute, dass der Markt psychologischer werde. Die „Weisheit der Vielen“ werde also immer wichtiger. Dies zeige auch der Publikumsjoker in der RTL-Sendung „Wer wird Millionär“ mit Günther Jauch.  

Allen Hinweisen auf einzelne Unternehmen zu folgen, ist für Einzelpersonen jedoch unmöglich. Doch das müssen sie heutzutage auch gar nicht, denn diese Aufgabe übernehmen inzwischen Computerprogramme. Milliarden von Nachrichten durchforsten sie automatisch und achten dabei insbesondere auf Aktienkürzel wie etwa HNHI, die Aktie des Rappers 50 Cent. Bei einer Aktien-Nachricht, klopft das Programm diesen sogenannten Tweet mit einer leistungsfähigen Textanalyse darauf ab, ob die Haltung des Schreibers positiv oder negativ für das jeweilige Papier ist. Dazu wird die Software auf bestimmte Schlüsselworte programmiert, etwa calm, alert, sure, vital, kind oder happy. Komprimiert man viele dieser Tendenzen, ergibt sich daraus ein Signal, das sich zum Aktienhandel eignet.

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