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22.04.2013

09:29 Uhr

Welthandelsindex

Gute Perspektiven für die Aktienmärkte

VonChristian Schnell

Das für viele Analysten enttäuschende Wachstum in China macht sich auch im Welthandelsindex bemerkbar. Die Kennzahl für den Warenverkehr ist leicht gesunken – doch der Index signalisiert weiterhin deutliches Wachstum.

Der Welthandelsindex ist leicht gefallen. dpa

Der Welthandelsindex ist leicht gefallen.

FrankfurtEs war eine der vielen negativen Überraschungen, die die Anleger in dieser Woche verschmerzen mussten. Dass die Wirtschaft in China im ersten Quartal nur um 7,7 Prozent gewachsen ist, werten viele als Enttäuschung. Mit einer Acht vor dem Komma hatten die meisten gerechnet. Entsprechend negativ fielen die Kommentare aus.

Auch beim Welthandelsindex, den die Kölner Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus Zschaber jeden Monat exklusiv für das Handelsblatt berechnet, zeichnet sich dieses Bild ab. Nachdem der Index, der den weltweiten Warenverkehr zu Wasser, zu Land, in der Luft und auf der Schiene abbildet, in den vergangenen Monaten kontinuierlich gestiegen war, ist er nun im März erstmals seit dem vergangenen Sommer wieder leicht gefallen.

Investieren in Schwellenländern

Wo können Anleger investieren?

In vielen Schwellenländern ist die Anlage von vornherein ausgeschlossen, weil etliche Barrieren vorliegen, etwa Beschränkungen für ausländische Investoren, Besteuerung oder das Fehlen von Aktienmärkten. Damit ist das Spektrum sehr viel kleiner als die Zahl der 170 Länder.  Mobius setzt nur auf die FELT-Märkte. FELT steht für fair, effizient, liquide und transparent. Er kommt so auf mehr als 60 Länder, in denen sich Investments lohnen könnten.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie wichtig sind Schwellenländer-Börsen?

Die Börsen der Schwellenländer werden immer wichtiger. 2011 entfielen bereits 34 Prozent der gesamten Aktienmarktkapitalisierung der Welt auf Schwellenmärkte. Zehn Jahre zuvor waren es noch nicht einmal zehn Prozent.

Wie entwickeln sich die Börsen in den Schwellenländern?

Die Kursentwicklung kann sich sehen lassen: Die Schwellenländermärkte haben den US-Markt von 1998 bis 2012 um rund 940 Prozent übertroffen und den globalen Markt um mehr als 1.360 Prozent. Natürlich schwankt die Wertentwicklung von Jahr zu Jahr. Und manchmal schneiden die Schwellenmärkte auch schlechter ab.

Welche Anlageinstrumente gibt es?

Anleger können natürlich nicht nur in Investmentfonds mit Schwerpunkt Emerging Markets und entsprechende börsennotierte Indexfonds (ETFs) investieren, sondern auch in Einzeltitel, die an den dortigen Börsen notiert sind. Außerdem gibt es an Aktienmärkten in Industrieländern notierte Hinterlegungsscheine für Schwellenländeraktien.

Wie viele Fonds gibt es?

Als Templeton 1987 den ersten börsennotierten Schwelländerfonds auflegte, engagierte sich noch kein anderer US-Investmentfonds in nennenswertem Umfang in Übersee. Heute stehen Anlegern mehr als 6000 Aktienfonds mit Schwellenländer-Engagements offen.

Wie stark sind Anleger investiert?

Obwohl bereits mehr als 30 Prozent der globalen Marktkapitalisierung auf die Aktienmärkte der Schwellenländer entfallen, sind sie in den Portfolios institutioneller US-Investoren nur mit drei bis acht Prozent gewichtet.

„Wir alle müssen akzeptieren, dass es in der Wirtschaft keine Linearität gibt, sondern wir immer wieder zyklische Pausen erleben werden“, erläutert Markus Zschaber. Grund zur Beunruhigung oder gar zur Panik sieht er indes keineswegs. Dafür notiert der Welthandelsindex mit derzeit 64,3 Punkten noch immer viel zu hoch. Demnach dürfte die gesamtwirtschaftliche Produktion in den kommenden Monaten weiter ansteigen. Auch auf Nachfrageseite dürfte die hohe Stabilität anhalten.

Bereits Indexstände über 50 Punkten deuten auf einen wachsenden Welthandel inmitten einer wachsenden Gesamtwirtschaft hin. Erst unterhalb von 50 Punkten schrumpft dagegen der Welthandel, unter 45 deutlich.

Insofern stehen trotz der jüngsten Korrektur an den Aktienmärkten die Chancen für den weiteren Verlauf des Jahres gut. „Mit Blick auf die langfristige Entwicklung bleibe ich grundlegend optimistisch, für 2014 ist die Perspektive sogar nochmals deutlich positiver“, prophezeit Zschaber. Dabei spielt es auch nur eine untergeordnete Rolle, dass Europa weiter im Krisenmodus bleibt. Die sehr lockere Geldpolitik in den USA und in großen Teilen Asiens stützen.

Aus dieser Gemengelage hat Markus Zschaber ein Welthandelsportfolio mit Werten zusammengestellt, die von den globalen Handelsströmen profitieren. Vertreten sind dort unter anderem SAP, Procter & Gamble sowie Ericsson. Der Walldorfer Software-Riese steht Zschaber zufolge für zweistellige Wachstumsraten. Die gute Produktpalette sorgt weiter für starke Absätze in den USA und in Asien.

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Der weltgrößte Konsumgüterhersteller Procter & Gamble verkauft seine Waren in mehr als 180 Länder der Erde und profitiert allein deshalb von einem Aufschwung im Welthandel. Der schwedische Telekom-Ausrüster bringt ähnliche Grundvoraussetzungen mit, wurde aber bisher von den meisten Anlegern noch nicht entdeckt.

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