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23.01.2013

10:43 Uhr

Welthandelsindex

Gute Vorzeichen für die Börse

VonChristian Schnell

Die Risikobereitschaft steigt. Zu Beginn des neuen Jahres werden viele Anleger wieder aktiver. Vor allem die frühzyklischen Signale aus den Bereichen Bestellungen und Aufträge stimmen positiv.

Der Welthandelsindex umfasst alle relevanten Daten aus den vier Handelswegen zu Wasser, in der Luft, auf der Straße und auf der Schiene. ap

Der Welthandelsindex umfasst alle relevanten Daten aus den vier Handelswegen zu Wasser, in der Luft, auf der Straße und auf der Schiene.

FrankfurtBörse hat häufig etwas mit Emotionen, Gefühlen und Launen zu tun. Weil dem so ist, kommen viele Anleger mit Beginn des neuen Jahres wieder aus der Deckung. „Bei einer anhaltenden US-Konjunkturerholung spricht einiges dafür, dass die Risikobereitschaft 2013 deutlich zunehmen wird“, sagt Christophe Bernard, Chefstratege beim Schweizer Bankhaus Vontobel.

Dabei sind es aktuell nicht nur die Stimmungen, die die Kurse treiben. Harte Fakten von der Handelsseite stützen die positiven Aussagen zum Markt. Der Welthandelsindex, den die Kölner Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Markus C. Zschaber jeden Monat exklusiv für das Handelsblatt berechnet, ist zuletzt auf 62,5 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit April vergangenen Jahres gestiegen.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Der Welthandelsindex umfasst alle relevanten Daten aus den vier Handelswegen zu Wasser, in der Luft, auf der Straße und auf der Schiene. Damit bietet er einen weitaus umfassenderen Überblick über den Welthandel als die bisher verfügbaren Barometer. Indexstände über 50 Punkte deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer wachsenden Gesamtwirtschaft. Unterhalb von 50 Punkten schrumpfen die Handelsaktivitäten, unter 45 Punkten sogar deutlich.

„Saisonbereinigt sehe ich eine wirklich gute Ausgangslage für dynamische Steigerungen auf der Nachfragekurve in den kommenden Monaten“, sagt Markus Zschaber. Für den Aktienmarkt bedeutet das seiner Ansicht nach, dass gerade deutsche Aktien ein klarer Kauf bleiben. Trotz des bereits fulminanten Kursanstiegs in den vergangenen zwölf Monaten. Insgesamt sieht er die Lage im Moment sogar noch besser als die ohnehin schon gute Stimmung.

Vor allem die frühzyklischen Signale aus Bestellungen und Aufträgen lassen Optimismus keimen. Hinzu kommen langfristige Aussichten, deren Ausmaß sich aktuell noch gar nicht in aller Konsequenz abschätzen lassen. Beispiele dafür sind die Reindustrialisierung der USA und der Paradigmenwechsel in China zu noch höher Aktivität in der Binnenwirtschaft.

Was 2012 aus 1.000 Euro wurde

Zypriotische Aktien (CSE)

407 Euro

Öl (WTI)

899 Euro

Spanische Aktien (Ibex)

968 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

989 Euro

Sparbuch (Durchschnitt)

1005 Euro

Tagesgeld (Durchschnitt)

1014 Euro

US-Staatsanleihen

1029 Euro

Gold

1034 Euro

Bundesanleihen

1038 Euro

Dow Jones

1049 Euro

Silber

1052 Euro

Nikkei 225

1069 Euro

EuroStoxx 50

1149 Euro

Schweizerische Aktien (SMI)

1167 Euro

Italienische Staatsanleihen

1203 Euro

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Investment-Grade)

1242 Euro

Irische Staatsanleihen

1297 Euro

Dax

1299 Euro

Griechische Aktien (ASE)

1342 Euro

Griechische Staatsanleihen (inkl. Schuldenschnitt, ohne Rückkauf)

1452 Euro

Türkische Aktien (ISE 100)

1576 Euro

Venezolanische Aktien (IBC)

2882 Euro

Zwar sind die internationalen Kapazitäten bei Produktion und Verarbeitung immer noch von einer Vollauslastung entfernt. Wichtig sei jedoch, dass sich die Produktionslücke zunehmend schließt. Dagegen sind die bisher politisch dominierten Themen in den Hintergrund gedrängt worden. Das gilt sowohl für die Euro-Krise als auch für die Haushaltssorgen der USA.

„Vieles wird im politischen Kontext heißer gekocht als schlussendlich gegessen“, sagt Markus Zschaber. Dass sich jetzt die Börsen wieder mehr auf Zahlen und Fakten fokussieren, wertet er als positives Signal in Richtung einer Normalisierung. Topempfehlungen sind für ihn deswegen Adidas, SAP, Henkel, Bayer, BMW und Beiersdorf. Aus der zweiten Reihe zählt er Gildemeister, Leoni, Gea, Dürr und Krones dazu.

Kommentare (1)

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r-tiroch@t-online.de

30.01.2013, 16:06 Uhr

Gute Zeichen??? die Weltwirschaft soll doch um 4,5% schrumpfen. was soll da gut sein?

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