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20.06.2012

16:13 Uhr

Welthandelsindex

Hohe Kurspotenziale an den Börsen

Erstmals seit November geht der Welthandelsindex wieder zurück. Ein Grund zu großer Sorge ist das aber noch nicht, meint Vermögensverwalter Markus Zschaber. Welche Aktien er jetzt kauft.

Eine Maschine der Fedex wird beladen. Der Logistikkonzern steht auf der Kaufliste der V.M.Z. Vermögensverwaltung. ap

Eine Maschine der Fedex wird beladen. Der Logistikkonzern steht auf der Kaufliste der V.M.Z. Vermögensverwaltung.

DüsseldorfDie Weltwirtschaft verliert offenbar an Fahrt. Das zeigt der Welthandelsindex, den die Kölner V.M.Z. Vermögensverwaltungsgesellschaft einmal monatlich exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Binnen eines Monats ist der Indikator um fast vier Punkte gefallen – und liegt nun bei 60,2 Punkten. Der kurzzeitige Aufschwung zu Jahresbeginn dürfte damit vorerst ein Ende gefunden haben, auch wenn der Wert weiter auf robustes Wachstum hinweist.

Der Indikator, für den die Volkswirte bei V.M.Z. monatlich rund 400 Rohdaten auswerten, zeigt Stimmungsänderungen der Weltwirtschaft frühzeitig an. Schließlich müssen Händler immer als Erste einschätzen, wie viel es sich zu bestellen lohnt – lange bevor Konsumenten entscheiden, ob sie kaufen oder nicht. Für Anleger ist der Welthandelsindex ein guter Indikator dafür, wie es an den Aktienmärkten weitergeht. Trendwechsel zeigt der Index meist schon Monate vorher.

„Der Einfluss der Euro-Krise auf die Weltwirtschaft wird zunehmend stärker“, sagt V.M.Z.-Chef Markus Zschaber. Die europäische Führung stehe dadurch nicht mehr nur gegenüber dem Kontinent, sondern gegenüber der ganzen Welt in der Pflicht, die Krise zu lösen. Einen Einbruch der Weltkonjunktur erwarten die Experten vorerst nicht, zumindest solange die Euro-Krise nicht eskaliert. Die Zurückhaltung der Händler sei ein psychologisches Phänomen, kein strukturelles, sagt Chefvolkswirt Björn Kising. Ähnlich sehen es die Konjunkturforscher beim Kieler Institut für Weltwirtschaft in ihrer neuen Prognose: Sie korrigierten ihre Vorhersage für das Wachstum der Weltwirtschaft im nächsten Jahr nur leicht nach unten: auf 3,8 Prozent. Für 2012 rechnen sie weiterhin mit einem Plus von 3,4 Prozent. Und der ZEW-Index ist im Juni so stark gesunken wie seit fast 14 Jahren nicht mehr.

Der Welthandelsindex

Der Index

Der Welthandelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl und wird monatlich dem Handelsblatt exklusiv von der V.M.Z. Vermögensverwaltung zur Verfügung gestellt.

Die Deutung

Indexstände oberhalb eines Niveaus von 50 Punkten deuten einen wachsenden Welthandel an, inmitten einer expandierenden Gesamtwirtschaft. Unterhalb des Niveaus von 50 lässt sich dagegen aussagen, dass die Welthandelsaktivität schrumpft, wobei ab einem Niveau von unter 45 sogar eine deutliche Kontraktion der Gesamtwirtschaft zu erwarten ist.

Weitere Informationen

Der Welthandelsindex wird monatlich exklusiv für das Handelsblatt erhoben. Weitere Informationen zum Index finden Sie unter www.welthandelsindex.de

In der aktuellen Phase sehen die Experten von V.M.Z. auch Chancen für Anleger. Es gebe eine ganze Reihe an Unternehmen, die durch die politischen Börsen der vergangenen Wochen deutliche Kursabschläge verbucht hätten, ohne dass – trotz aller Unsicherheit – wirkliche Umsatz- und Gewinneinbrüche zu befürchten seien. „Wir haben sicherlich ein sogenanntes Eventrisiko hinsichtlich Griechenland und Spanien“, sagt Zschaber. „Allerdings erwarten wir selbst bei einem Austritt Griechenlands, bei gesunden Unternehmen mit hoher Eigenfinanzierungskapazität, also geringer Verschuldung, keine Ertragskrise.“ Der Welthandel stehe weiterhin gut da.

Und deshalb stehen Logistikunternehmen bei den Vermögensverwaltern weiterhin auf der Kaufliste. Dazu zählen Konzerne wie die Deutsche Post, Fedex, UPS, Kühne & Nagel, China Railway und  Nippon Express. Fundamentaldaten würden an den Märkten derzeit völlig ausgeblendet, weshalb viele Konzerne unterbewertet seien. „Wir sehen weiterhin hohe Kurspotenziale bei Rohstoffunternehmen wie Tullow Oil, Chevron oder Exxon Mobil zudem bei Schlumberger und Noble Corporation“, sagt Zschaber. Außerdem setzt er auf sogenannte „Global Player“, die international aufgestellt sind und mit zunehmenden Umsätzen in den Wachstumsregionen dieser Welt punkten. Dazu gehören Adidas, SAP, Henkel, Beiersdorf, Gildemeister, Leonie, Amazon, Eastman Chemical, Micorsoft, 3M, Symrise, Scotts Miracle, Gea, Duerr, Krones, Estee Lauder und Colgate Palmolive.

Die wichtigsten Kennzahlen für Anleger

Der Gewinn

Die wohl bekannteste und beliebteste Bewertungskennziffer für Anleger ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das Verhältnis von Aktienkurs zu Unternehmensgewinnen. Als Faustregel gilt: Je niedriger das KGV umso besser. Aber Vorsicht: Es gibt kaum eine Größe, bei der die Unternehmen besser tricksen können als beim Gewinn. Schauen Sie nicht nur auf die Gewinne eines einzigen Jahres. Ein gutes Unternehmen sollte über viele Jahre bewiesen haben, dass es profitabel arbeitet. Ein einziger Ausreißer nach oben ist noch lange kein Qualitätssiegel. Außerdem kommt es darauf an, welcher Gewinn gemeint ist. Im Folgenden stellen wir verschiedene Gewinn-Kennziffern vor.

EBIT

EBIT steht für "Earnings before interest and taxes". In den USA wird die Kennzahl EBIT als Operating Income bezeichnet. Dieses operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern wird gewöhnlich für die Beurteilung der Ertragssituation des Unternehmens, insbesondere im internationalen Vergleich herangezogen. Jedoch ist das EBIT nicht nur das reine Ergebnis vor Zinsen und Steuern, wie es weitläufig bezeichnet wird, sondern genauer gesagt das operative Ergebnis vor dem Finanz- und damit Beteiligungsergebnis, was je nach Unternehmen großen Einfluss auf den Gewinn vor Steuern haben kann. Das EBIT kann alternativ auch berechnet werden, indem von Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen werden.

EBITDA

Das EBITDA steht für "Earnings before interest, taxes, depreciation und amortization" aus dem Englischen. Dieses Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Amortisation von immateriellen Wirtschaftsgütern hat Cash-Flow-Charakter, da die liquiditätsunwirksamen Abschreibungen ähnlich wie bei der indirekten Cash-Flow-Berechnung zum Jahresüberschuss hinzu addiert werden. Das EBITDA wird häufig für junge, wachstumsstarke Unternehmen oder Unternehmen mit außergewöhnlich hohem Abschreibungsbedarf als Kennzahl verwendet, die gegebenenfalls negative Jahresüberschüsse erwirtschaften. Das EBITDA lässt sich auch berechnen, indem von den Umsätzen (inkl. sonstiger betrieblicher Erträge) alle operativen Kosten abgezogen und Abschreibungen addiert werden.

Der Cash-Flow

Der Cash-Flow ist eine der wichtigsten Kennzahlen, um die Ertragskraft eines Unternehmens zu beurteilen. Der Cash-Flow aus dem operativen Geschäft zeigt das Saldo aus Mittelzufluss und -abfluss an, lässt also Rückschlüsse auf frei verfügbare Mittel eines Unternehmens zu. Im Gegensatz zu den verschiedenen Gewinnkennziffern lässt sich der Cash Flow kaum durch Bilanztricks schön rechnen. Er eignet sich besonders gut, um Unternehmen innerhalb einer Branche zu vergleichen. Nachteil: Der Cash Flow schwankt stark. Vergleiche über mehrere Jahre sind schwierig. Ein niedriges Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV) deutet darauf hin, dass der Kurs im Vergleich zum Cash-Flow günstig ist.

Die Marktkapitalisierung

Für manch konservativen Anleger ist Größe entscheidend. Je höher die Marktkapitalisierung, also der aktuelle Börsenwert eines Unternehmens, umso geringer die Kursschwankungen. Soweit die Theorie. Zwar schwankt der Aktienkurs großer Konzerne im langfristigen Durchschnitt weniger stark als der von kleineren Unternehmen. Eine Garantie gegen Kursverluste ist das aber nicht. Während der Finanzkrise verloren auch so hochkapitalisierte Dax-Aktien wie Eon oder Siemens kräftig an Wert. Aber die Kurschancen nach oben sind wesentlich kleiner als bei den Kleinen.

Der Umsatz

Eine von Anlegern meist vernachlässigte Größe ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). Es setzt den aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens in Beziehung zu den Umsätzen. Dabei liefert das KUV sehr verlässliche Hinweise darauf, ob eine Aktie möglicherweise interessant sein könnte - oder nicht. Denn anders als der Gewinn lassen sich die Umsätze nicht so leicht manipulieren. Wie bei den anderen Verhältnis-Kennziffern gilt auch beim KUV: Je niedriger der Wert desto besser. Besonders wichtig ist diese Zahl bei sehr jungen Unternehmen, die noch keine oder nur sehr geringe Gewinne erwirtschaften.

Die Dividendenrendite

Die Dividendenrendite ergibt sich aus dem Verhältnis aus der Dividende und dem aktuellen Aktienkurs. Gerade in unsicheren Zeiten gibt die Kennziffer aber einen recht guten Hinweis auf die Qualität einer Aktie. Allgemein gilt: Je höher die Dividendenrendite, desto rentabler ist eine Aktie. Aufschlussreich ist ein Blick auf die Dividendenrendite vor allem im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie etwa Anleihen. Bei einigen Aktien liegt die Dividendenrendite sogar höher als die Rendite für Anleihen desselben Unternehmens. Aber: Während der Zins bei Anleihen fest ist, kann die Höhe der Dividenden schwanken.

Der Buchwert

Eine wichtige Größe, um zu erkennen, ob ein Unternehmen an der Börse günstig bewertet ist oder nicht, ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Dabei werden die Vermögenswerte eines Unternehmens in Relation zum aktuellen Aktienkurs gesetzt. Das KBV spielt für Value-Investoren wie Warren Buffett eine große Rolle. Sie glauben, dass der Buchwert den "wahren" Wert eines Unternehmens widerspiegelt. Wird ein Unternehmen an der Börse unter seinem Buchwert gehandelt, schließt der Value-Investor darauf, dass der Markt den eigentlichen Wert unterschätzt. Die grobe Regel lautet: Je niedriger das KBV, desto größer das Kurspotenzial - vorausgesetzt, dem Unternehmen drohen in absehbarer Zukunft keine heftigen Abschreibungen oder gar die Pleite.

Das Eigenkapital

Wichtig ist es für Anleger zu wissen, wie rentabel das Eigenkapital eines Unternehmens arbeitet. Die Eigenkapitalrendite berechnet sich aus dem Verhältnis des Gewinns zum Eigenkapital. Je höher der Wert desto besser. Allerdings gibt es - wie beim KGV - auch hier ein definitorisches Problem. Welcher Gewinn ist gemeint, was wird als Eigenkapital gezählt? Je nach Rechnungslegung kann es so zu großen Unterschieden kommen.

Beta

Das Beta misst die Schwankungsintensität (Volatilität) einer Aktie im Vergleich zu einem Index während eines bestimmten Zeitraums der Vergangenheit. Je höher das Beta eines Unternehmens ist, desto höher ist folglich die Volatilität und damit das Risiko für den Investor. Ziel der Investor Relations ist es unter anderem, dieses Beta durch zeitnahe und ausführliche Kommunikation möglichst gering zu halten. Das Beta wiederum hat wichtige Bedeutung für die Berechnung der Eigenkapitalkosten oder Optionsscheinprämien. Denn je höher die Kapitalkosten eines Unternehmens sind, desto niedriger ist nach dem DCF-Modell der Unternehmenswert.

Für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont sieht Zschaber der aktuellen Krise zum Trotz eine durchaus interessante Perspektive. Allein die Cash-Flows der Unternehmen würden die hohe Attraktivität verdeutlichen. „Wir kaufen derzeit auch ganze Aktienindizes wie beispielsweise den Dax, MDax, S&P500 oder Dow Jones Global Titans, um die Gesamtattraktivität auszunutzen“, verrät der Vermögensverwalter. „Die Risiken der Euro-Schuldenkrise sollte aber allen Anlegern bewusst sein, so dass Absicherungen bei einer nachhaltigen Verschlechterung der Marktpsychologie weiterhin angebracht sind.“

Kommentare (2)

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Austrian

20.06.2012, 16:18 Uhr

Ach guckst du... Von der Gewinnwarnung durch FedEx aber mal schnell kein Wörtchen...
Gell? Für den Typen zahlen Sie kein Gehalt, wertes HB, das zahlt jemand anderes, nicht wahr?
Und dann gleich mal ne Kaufempfehlung für die ganze Gruppe...
Welchen Staatsanwalt soll ich anrufen?

Account gelöscht!

20.06.2012, 16:20 Uhr

Aus meiner Sicht sehr schlüssig, denn es dürfte sich um empirische Daten handeln, die dann wohl über Algorithmen zum Ergebnis kommen, welches dann darstellbar ist.
Habe mir einige Institusveröffentlichungen der vergangenen Tage angesehen, die ähnliches beschreiben, nur nicht für alle Segmente, von daher eine sehr gute Zusammenfassung. (Danke für die Info.)

Der Welthandelsindex
Der IndexDer Welthandelsindex fasst alle relevanten Daten aus den vier primären Transport- und Handelswegen (Schifffahrt, Schiene, Straße und Lufttransport) zusammen, gewichtet diese und verdichtet sie in einem Index. Der Index bietet zum ersten Mal ein Gesamtbild des Welthandels zusammengefasst in einer Zahl und wird monatlich dem Handelsblatt exklusiv von der V.M.Z. Vermögensverwaltung zur Verfügung gestellt.

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