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15.11.2013

07:42 Uhr

Wetten auf die Zukunft

Wo Spekulanten zuschlagen könnten

VonSara Zinnecker

Griechische Staatsanleihen waren die Renditebringer des vergangenen Jahres. Mit einigen wenigen Fonds haben Spekulanten ihren Einsatz mehr als verdoppelt. Welche Staaten Zocker jetzt ins Visier nehmen könnten.

Auch Frankreich könnte es bald treffen. Bekommt das Land seine strukturellen Probleme nicht in den Griff, droht der wirtschaftliche Abstieg. Getty Images

Auch Frankreich könnte es bald treffen. Bekommt das Land seine strukturellen Probleme nicht in den Griff, droht der wirtschaftliche Abstieg.

DüsseldorfEs war der 9. Januar 2012, Griechenland stand vor dem Abgrund. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen hatten mit 35,58 Prozent ihren absoluten Höhepunkt erreicht, die Kurse lagen im Keller. Drohte die Staatpleite? Würden Gläubiger einem Schuldenschnitt zustimmen? Es ging um alles. Und so musste, wer im Moment größter Unsicherheit an Griechenlands Überleben glaubte, ein Zocker vom Schlag eines Panos Simos, Aris Papageorgakopoulos oder John Gikas sein.

Diese drei Herren, sie hatten Nerven wie Drahtseile. Zu einem Zeitpunkt, wo kein Investor dem hochverschuldeten Griechenland mehr Kredit gewähren wollte, griffen sie zu – Staatsanleihen gab es zu Spottpreisen. Dann ging alles ganz schnell.

Erst verzichteten Gläubiger auf Forderungen in Höhe von 100 Milliarden Euro, dann erklärte eine neue Regierung Reformbereitschaft – schließlich versprach EZB-Chef Mario Draghi Ende Juli, alles zu tun, um die Euro-Zone zu erhalten. Sinos, Papageorgakopoulos und Gikas waren plötzlich reich: Auf Jahressicht rentierten ihre griechischen Anleihefonds mehr als 100 Prozent höher.  

Fakten zu den Griechenfonds

Vier Fonds - mehr als 100 Prozent Rendite

Eine über 100-prozentige Wertsteigerung hatten die Zockerfonds von NBG Asset Management und den drei griechischen Banken Eurobank EFG, Geniki und Alpha auf Jahressicht hingelegt. Das hat eine Auswertung der Fondsrankingagentur Morningstar ergeben. Allesamt waren die Fonds fast ausschließlich in griechischen Staatsanleihen investiert.

Delos Bond Fund

Der Delos Income Domestic Bond Fund (ISIN: GRF000023009) des Investment-Hauses NBG Management war der Bestperfomer unten den vier Griechenland-Fonds. Auf Jahressicht hat ihm die Wette auf Rettung des Landes 128,58 Prozent Wertsteigerung eingebracht. Derzeit verwaltet der Fonds stolze 83 Millionen Euro.

Eurobank EFG Fund

Der Eurobank EFG Greek Government Bond Fund (ISIN: LU0420077579) investiert zu knapp 90 Prozent in griechischen Staatsanleihen, zu knapp drei Prozent in griechische Unternehmensanleihen und hält den Rest in Cash. Auf Jahressicht hat er rund 116 Prozent an Wert gewonnen. Der Fonds verwaltet derzeit um die 30 Millionen Euro.

Geniki Domestic Bond Fund

Der Geniki Domestic Bond Fund (ISIN: GRF000062007) konnte konnte immerhin "noch" 104,09 Prozent an Wert zum Vorjahr gutmachen. Er ist fast zu 100 Prozent in Staatsanleihen investiert. Geniki ist eine griechische Geschäftsbank, die mehrheitlich zur Piraeus Bank, der größtem Bank Griechenlands, gehört.

Alpha Domestic Bond Fund

Der Alpha Domestic Bond Fund wird von der Alpha Vermögensverwaltung gesteuert, einer Tochter der griechischen Alpha-Bankengruppe. Der Fonds, zu fast 100 Prozent in griechischen Staatsanleihen investiert, hat laut der Fondsratingagentur Morningstar auf Jahressich noch 100,23 Prozent an Wert gutgemacht.

Spekulation ist so alt wie die Börse selbst. Immer dort, wo die Stimmung an den Märkten zu kippen droht, legen Zocker richtig los – zu faszinierend scheint die Idee vom großen Geld. Mittlerweile scheint Europas Peripherie zwar aus dem Gröbsten heraus zu sein; doch haben diverse Länder weiterhin mit strukturellen Problemen zu kämpfen. Die Frage also bleibt: Ist nach Griechenland die nächste Spekulationswelle in Europa nur eine Frage der Zeit?

Ulrich Kater, Chefvolkswirt bei der Dekabank, sieht die Spekulationsfreude in Europa derzeit „abgeflaut – und das nicht ohne Grund“. Denn mit dem Rettungsfonds ESM, der Bankenunion und der neuen Rolle der Europäischen Zentralbank ist Europa wichtige Schritte hin zu einer zentralen Finanzebene gegangen. „Jeder, der jetzt spekuliert, spekuliert gegen die Geldpolitik der Notenbanken“, sagt Kater. Insofern seien Zocker von vorn herein „etwas entmutigt“.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

15.11.2013, 08:18 Uhr

Das hier ist ja Bildniveau.
Griechenland schuldet Mehrere hunderte milliarden. Das sich jetzt eine handvoll Fonds verdoppelt haben, die zusammen nicht mal eine viertel Milliarde euro verwalten, ist jetzt nicht soooo die Nachricht.

Pokerface

15.11.2013, 08:53 Uhr

"Mit einigen wenigen Anleihen haben ......"

Ja, ja, wenn man nur immer die richtigen "wenigen" finden würde. So wie man "mit nur 6 läppischen Zahlen" einen Millionengewinn beim Lotto scheffeln kann.

Kopfschüttel!

Trader

15.11.2013, 08:58 Uhr

Hmm seltsam....die Investoren die auch in schwierigen Zeiten an Griechenland geglaubt haben, maximales Risiko gefahren haben und letztenendes für ihren Mut belohnt wurden, werden als Spekulanten beschimpft.....was wohl passiert wäre wenn keiner mehr griechische Staatsanleihen gekauft hätte... Finde die Leute sind zu Recht belohnt worden.

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