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17.12.2015

08:08 Uhr

Wetten auf Kursbewegungen

Hedgefonds-Krise? Nicht mit Sir Chris Hohn!

VonPeter Köhler

Wie hat er das gemacht? Die Hedgefonds-Legende Sir Chris Hohn hat zuletzt 14 Prozent Rendite mit seinem zehn Milliarden schweren Fonds erzielt – während die Konkurrenz große Probleme hatte. Einige Erklärungen.

Mit Geldern des erfolgreichen TCI-Fonds – „The Children's Investment Fund“ – hat Hohn auch eine milliardenschwere Stiftung für Kinder eingerichtet. Der Fondsmanager ist für seine üppigen Spenden an Kinder bekannt. GETTY IMAGES

Sir Chris Hohn

Mit Geldern des erfolgreichen TCI-Fonds – „The Children's Investment Fund“ – hat Hohn auch eine milliardenschwere Stiftung für Kinder eingerichtet. Der Fondsmanager ist für seine üppigen Spenden an Kinder bekannt.

FrankfurtNein, an Selbstbewusstsein mangelt es ihm nicht. Die Hedgefonds-Legende Sir Chris Hohn hat seinen zehn Milliarden Dollar schweren „The Children’s Investment Fund“ (TCI) jetzt als „Anti-These zu den klassischen Hedgefonds“ beschrieben – weil er eine Rendite von 14 Prozent erzielt hat, während andere Geldtöpfe ins Schwimmen gekommen sind.

Altmeister Hohn schaffte es dieses Jahr auf die vorderen Plätze bei den Hedgefonds, ihm halfen dabei seine großen Aktien-Wetten auf die Privatisierung der spanischen Flughäfen, den europäischen Flugzeugbauer Airbus sowie den US-Wert Time Warner Cable.  Damit liegt die durchschnittliche Rendite von TCI seit der Auflegung des Fonds im Jahr 2004 bei jährlich 18 Prozent verglichen mit 6,9 Prozent für den S&P-500-Aktienindex.

Sir Chris machte jetzt gegenüber der „Financial Times“ klar, warum er sich von der breiten Masse der übrigen Hedgefonds abhebt: „Wir sind das Gegenteil. Sie sichern sich ab, wir kaufen. Wir nehmen Risiken. Sie denken kurzfristig, wir langfristig. Sie sind passiv, wir beschäftigen uns mit der Sache. Sie nehmen hohe Gebühren, wir niedrige.“

Mit seiner Performance kann Hohn die Muskeln spielen lassen, denn die Hedgefonds-Branche hat ein schwaches Jahr hinter sich. Viele Strategien gingen nicht auf, vor allem dann, wenn man auf die Konjunktur, Währungen oder Rohstoffe wettete. Gleichzeitig mucken die Investoren auf, weil sie für eine relativ schlechte Leistung der Hedgefonds hohe Gebühren zahlen müssen.

Bei TCI sind die Gebühren an zu erreichende Renditeziele gekoppelt, außerdem werden Investoren belohnt, die sich länger an TCI binden. Seit Auflegung des Fonds vor elf Jahren geht ein Teil der Erlöse in eine Stiftung, die „Children’s Investment Fund Foundation“. Mittlerweile hat diese einen Wert von rund vier Milliarden Dollar und gehört somit zu den größten in Großbritannien. Hohn wurde vergangenes Jahr dafür in den Adelsstand erhoben. Auch damit können die meisten Fondsmanager nicht mithalten.

Die Stars der Hedgefonds-Szene

Ray Dalio

Der Hedgefonds-Manager Ray Dalio musste in seinem „All Weather Fund“ im September ein Minus von 1,9 Prozent hinnehmen. Damit ging die Strategie, mit einer Kombination aus Käufen von Aktien, Anleihen und Währungen die Turbulenzen an den Kapitalmärkten zu meistern, nicht auf. Im bisherigen Jahresverlauf musste der Milliardär einen Verlust von 3,8 Prozent verkraften, meldet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 154 Milliarden Dollar in der Gesellschaft Bridgewater und einem Privatvermögen von geschätzt 15 Milliarden Dollar ist Dalio aber gut gewappnet gegen Rückschläge.

Bill Ackman

Der Investor Bill Ackman machte zuletzt Schlagzeilen mit seiner Kritik am US-Unternehmen General Electric. GE werde zwar extrem gut geführt, aber die Kapitalverteilung innerhalb des Mischkonzerns sei ein großer Fehler, sagte der Gründer des Hedgefonds Pershing Square Capital. Im bisherigen Jahresverlauf sieht aber vor allem seine eigene Bilanz recht mau aus, der Fonds verlor 12,6 Prozent – damit ist die Zwischenbilanz schlechter als im Katastrophenjahr 2008. Seit Juli dieses Jahres betrug der Wertverlust vier Milliarden Dollar. 2014 hatte Ackman für seine Kunden noch einen Gewinn von 4,5 Milliarden Dollar herausgeholt.

David Einhorn

Der Hedgefonds-Star David Einhorn verwöhnte früher die Investoren mit zweistelligen Renditen, doch in diesem Jahr will das nicht gelingen. Einhorns Investmentgesellschaft Greenlight Capital wies für September ein Minus von 3,6 Prozent aus, seit Januar beträgt der Buchverlust sogar 17 Prozent, heißt es beim Informationsdienstleister Bloomberg. Geld verlor Einhorn vor allem mit seinen Wetten auf Technologie- und Energietitel sowie auf den Goldpreis. Die gesamte Hedgefonds-Branche hat 2015 unter anderem mit der abrupten Abwertung der chinesischen Währung, den Kursverlusten an den Börsen und den Folgen der Griechenland-Krise zu kämpfen.

John Paulson

Auch der wohl bekannteste Hedgefonds-Manager, John Paulson, wurde vom globalen Abschmelzen der Börsenkurse in Mitleidenschaft gezogen. Sein auf Fusionen spezialisierter Geldtopf musste beispielsweise im August laut Bloomberg einen Rückschlag um 4,2 Prozent hinnehmen. Das Plus für die ersten acht Monate schnurrte auf 6,5 Prozent zusammen. Auch den beiden anderen Paulson-Fonds, die auf Restrukturierungen und Sondersituationen bei Unternehmen setzen, erging es nicht besser. Paulson wurde berühmt durch seine Wetten gegen den Boom am US-Immobilienmarkt, die ihm 2007 vor Ausbruch der Finanzkrise ein Vermögen bescherten.

Der Philantrop machte in Deutschland vor rund zehn Jahren noch ganz andere Schlagzeilen, als er mit TCI die Übernahme der Londoner Börse durch die Deutsche Börse verhinderte. Danach mussten der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Werner Seifert, und Aufsichtsratschef Rolf-E. Breuer, ehemals Vorstandssprecher der Deutschen Bank, ihre Posten räumen. Unterschätzen, das ist sicher, würde heute niemand mehr den Mann mit dem Ritterschlag.

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