Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.09.2014

12:52 Uhr

Whisky als Investment

Eine Flasche für 8564 Euro, bitte!

Investoren haben einen neuen Liebling: seltene Whiskys von Kultmarken. Die Preise für die Spirituosen schießen in die Höhe – teilweise um 1300 Prozent. Damit sind Bourdeaux-Weine als Spekulationsobjekte abgehängt.

Investoren sind jetzt wild auf Single-Malt-Scotch der Kultmarken Macallan, Bowmore oder Dalmore. Es gibt jetzt sogar einen Whisky-Fonds. dpa

Investoren sind jetzt wild auf Single-Malt-Scotch der Kultmarken Macallan, Bowmore oder Dalmore. Es gibt jetzt sogar einen Whisky-Fonds.

Als Aaron Chan hörte, dass ein Spirituosenladen in Athen womöglich einen seltenen japanischen Hanyu Ichiro Malt-Whisky im Angebot habe, rief er den Laden von Hongkong aus an. Als er sich mit Englisch nicht verständigen konnte, schickte er Fotos von den charakteristischen Spielkarten-Etiketten der Brennerei per E-Mail. Der Ladenbesitzer antwortete mit einem Foto seiner Flasche. Es war eine mit dem Pik Ass auf dem Etikett.

„Das war ein Heureka-Moment für mich”, erzählt Chan, der vor zwei Jahren rund 6000 Hongkong-Dollar (587 Euro) für die Flasche bezahlt hat. „Damals war das Pik Ass bereits sehr, sehr selten.“

In der vorletzten Woche wurde eine ähnliche Flasche bei Bonhams in Hongkong für 85.750 Hongkong-Dollar (rund 8564 Euro) versteigert, 14 Mal soviel, wie Chan bezahlt hatte. Und noch etwas mehr als der Preis, der sieben Wochen zuvor bei einer Auktion bei Sotheby's in New York für eine ganze Kiste 1982-er Chateau Margaux bezahlt wurde.

Damit sind die Bordeaux-Spitzengewächse als Spekulationsobjekte abgehängt. Investoren sind jetzt wild auf Single-Malt-Scotch der Kultmarken Macallan, Bowmore oder Dalmore oder der seltenen japanischen Marken Karuizawa und Yamazaki. Zwischen Manhattan und Singapur schießen Whiskybars wie Pilze aus dem Boden, und die Preise steigen in schwindelerregende Höhen. So kam im Januar bei Sotheby's eine Sechs-Liter-Karaffe von Lalique voll mit Macallan „M“ Single Malt unter den Hammer. Der Zuschlag erfolgte bei der Rekordsumme von 4,9 Millionen Hongkong-Dollar.

„Ich bin eigentlich kein Freund davon, Whisky zu kaufen, um ihn weiterzuverkaufen“, sagt Heather Greene vom Flatiron Room in Manhattan, wo sich Spirituosenfreunde in Probierkursen zu Conaisseuren fortbilden können. „Aber immer wieder fragen mich Leute, ob sie sich ein paar Kisten kaufen sollen, um sie zum doppelten Preis zu verkaufen.“

Die teuersten Weine

Rang 10

Weingut Lafite (Bordeaux), Lafite 1825 (Rotwein), 17.676,82 €, Quelle: Wine-Stocks, nur 0,75 l Flaschen.

Rang 9

Weingut D'Yquem (Bordeaux), D'Yquem 1929 (Weißwein), 22.704,00 €, Quelle: Wine-Stocks, nur 0,75 l Flaschen.

Rang 8

Weingut Domaine de la Romanee Conti, Romanee Conti 1926 (Rotwein), 23.275,20 €

Rang 7

Weingut Sine Qua Non (Kalifornien), Queen of Hearts 1995 (Rotwein), 27.123,59 €

Rang 6

Weingut Jayer-Henri (Burgund), Richebourg 1959 (Rotwein), 28.750,00 €

Rang 5

Weingut Domaine de la Romanee Conti, Romanee Conti 1945 (Rotwein), 30.892,65 €

Rang 4

Weingut Penfolds (Australien), Bin 1 1951 (Rotwein), 30.892,65 €

Rang 3

Weingut Jura No Name (Jura), Vin Jaune 1774, (Weißwein), 33.300,00 €

Rang 2

Weingut D'Yquem (Bordeaux), D'Yquem 1784 (Weißwein), 43.947,00 €

Rang 1

Weingut D'Yquem (Bordeaux), D'Yquem 1811 (Weißwein), 70.888,00 €

Wieso doppelt? Fünffach! Der Investment Grade Scotch Index zeigt an, dass die hundert besten Single-Malt-Whiskys zwischen Anfang 2008 und Ende Juli 2014 einen durchschnittlichen Ertrag von 440 Prozent gebracht haben. Dem stehen ein Plus von nur 31 Prozent beim S&P 500 Aktienindex und ernüchternde zwei Prozent Minus beim Liv-ex 100 Benchmark Fine Wine Index gegenüber.

Mahesh Patel, Immobilienentwickler aus Atlanta, kann sich über den Wertanstieg freuen. Er hat sich in den letzten 25 Jahren eine Sammlung von mehr als 5000 Flaschen zugelegt. „Alles, was ich habe steigt im Wert“, sagt der 47-Jährige, dessen Schatz für knapp sechs Millionen Dollar versichert ist. „Ich bin ein Verfechter der Strategie, von allem zwei Flaschen zu kaufen: eine zum Öffnen und Genießen, und eine, um sie beiseite zu legen, falls sie selten ist.“ Eine Ausnahme von der Zwei-Flaschen-Regel ist seine Dalmore Trinitas 64 Year Old, die er 2010 für 100.000 Pfund erwarb. Davon sind nur drei Flaschen jemals abgefüllt worden.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Thomas Behrends

15.09.2014, 14:07 Uhr

Wenn ich für eine gute Flasche Scotch Single Malt ca. 30-40 EUR ausgebe und 43% dafür erhalte, warum sollte dann ernsthaft für eine Flasche 8564 Euro bezahlen (smile)?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×