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30.05.2012

16:20 Uhr

Wikifolio

Soziales Netzwerk für Anleger

VonWalter Epp

Anlegen im Web 2.0: Auf der Internet-Plattform Wikifolio vertrauen Menschen ihr Geld einem Trader an, der für sie handeln soll. Kann das funktionieren? Wir stellen die Chancen und die Risiken vor.

Die Zusammensetzung seines Wikifolios kann man jederzeit online einsehen. obs

Die Zusammensetzung seines Wikifolios kann man jederzeit online einsehen.

DüsseldorfSoziale Netzwerke haben Hochkonjunktur. Internetnutzer wollen sich beteiligen, austauschen, kritisieren, loben. Dies soll es nun auch für Anleger geben. Mit echtem Geld. Anbieter ist die Plattform Wikifolio.com.

Wie der Name schon verrät, handelt es sich um Inhalte, die vom Nutzer erzeugt werden, wie bei dem wohl berühmtesten Wiki-Projekt: Wikipedia.

Die Grundidee: Ein Teilnehmer führt ein Musterdepot (ein Wikifolio) und macht dieses öffentlich. Wenn er seine Sache gut macht, dann werden andere Anleger auf ihn aufmerksam. Sie können sich das Musterdepot anschauen und die Strategie nachmachen. Um es mit der Sprache von Twitter zu sagen: Sie „folgen“ dem Trader.

Wikifolio verspricht Transparenz, klare Gebühren und keine bösen Überraschungen. Aber wo liegen die Risiken? Ist es nicht sehr gewagt, sich auf andere zu verlassen, wenn es um echtes Geld geht? Wir wollen Ihnen die Plattform, an der die Verlagsgruppe Handelsblatt beteiligt ist, genauer vorstellen.

Was ist ein Wikifolio?
Ein Wikifolio kann von jedem volljährigen Teilnehmer erstellt werden. Dabei handelt es sich nicht zwingend um Profis. Sie stellen ein Musterportfolio zusammen, in das andere investieren können.

Das funktioniert über ein Zertifikat, das von Lang & Schwarz (L&S) herausgegeben wird. Dieses Zertifikat hat eine eigene ISIN und kann bei jedem Online-Broker (vorausgesetzt er führt L&S Zertifikate) geordert werden. Dieses Zertifikat bildet die Entwicklung des Wikifolios eins zu eins ab. Steigt das Wikifolio um sieben Prozent, so steigt auch der Wert meines Zertifikats um sieben Prozent.

Der Vorteil: Der Anleger kauft nicht 30 Aktien, um sein Portfolio zu streuen, nur ein Wikifolio, das diese 30 Aktien enthält. Schichtet der Trader innerhalb des Wikifolios Wertpapiere um, dann kostet das den Anleger nichts. Der kleine Privatanleger erhält ein aktiv gemanagtes, breit gestreutes Depot, ohne dafür einen Fondsmanager oder Vermögensverwalter bezahlen zu müssen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Was ist daran neu?
Die Idee ähnelt der eines Fonds. Doch hinter dem Wikifolio steht kein Fondsmanager, der ein Gehalt kassiert - das senkt schon mal die Kosten. Der private Trader kassiert „nur” eine Performance-Prämie. Außerdem fällt bei Fonds meist ein Ausgabeaufschlag an, beim Kauf eines Wikifolios nicht. Der Anleger kann sich jederzeit ein- und ausklinken. Da das Wikifolio jederzeit online abrufbar ist, weiß der Anleger, welche Aktien sich zu welchem Teil in seinem Wikifolio befinden. Transparenz ist hier das Stichwort.

Neu ist auch, dass es sich auch schon mit 100 Euro lohnen kann einzusteigen. Wikifolio behauptet sogar, die Spesen seien „konkurrenzlos günstig“. Doch auch ein Wikifolio gibt es nicht umsonst.

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

30.05.2012, 17:08 Uhr

Interessantes Modell, das sich - abgesehen von der Performance-Gebühr - allerdings nicht grundlegend von den üblichen Fondsmodellen abhebt.
Im Übrigen ist nicht erkennbar, inwiefern Wikifolio ein "Soziales Netzwerk" darstellt: leidet da etwa jemand am Zuckerberg-Wahn?

argubi

30.05.2012, 17:25 Uhr

Ich habe leider nicht verstanden, warum als Profi hier ein Musterportfolio aufbaue und betreiben soll mit allen öffentlichen Informationen, wenn stattdessen Lang & Schwarz hinterher das Geschäft machen. So legt ja kein Kunde bei uns das Geld an, sondern nur mit unserem Wissen bei L & S. Für die ist es sicher ein tolles Modell.

Die_Kohle_ist_weg

30.05.2012, 17:43 Uhr

Wobei die leibhaftigen Wikifolio-Verwalter, zumindest nach außen hin, offenbar anonym bleiben. Dies führt angesichts ebenso illustrer Portfolio-Namenswahl (Warren Buffet, Steve Jobs, S&P, Goldman Sachs, Essen braucht jeder) nicht gerade zu Anlegervertrauen im Überfluß.

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