Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2016

09:36 Uhr

Wirtschaftsprognosen

Was ein Sumo-Turnier über Konjunktur verrät

Nicht das Bruttoinlandsprodukt, Jobzahlen oder Exportbilanzen verraten, wohin es mit der Konjunktur geht. Es sind die Werbebanner im Sumo-Ring, meint zumindest ein japanischer Ökonom. Die Statistik gibt ihm Recht.

Wie es um die Wirtschaft Japans bestellt ist, kann Ökonom Akiyoshi Takumori sagen, indem er ein Sumo-Turnier beobachtet. dpa

Alles im Gleichgewicht?

Wie es um die Wirtschaft Japans bestellt ist, kann Ökonom Akiyoshi Takumori sagen, indem er ein Sumo-Turnier beobachtet.

Tokio/FrankfurtAls sich die Spitzenliga der Giganten des japanischen Sumoringsports im letzten Monat medienwirksam auf das Finale in Tokio vorbereitete, hat Akiyoshi Takumori wie seit vielen Jahren den Laptop hochgefahren und sein Excel-Programm gestartet. Für den 58-jährigen Ökonomen einer der führenden Vermögensverwalter ist das in Japan bedeutende Ereignis ein zuverlässiger Konjunkturindikator. Dass das in diesem Jahr nicht ganz der Fall ist, sei rein verletzungsbedingt.

Für Takumori ist das archaische Sumoringen auf höchstem nationalem Niveau mehr als Entertainment. Es lasse sich daran ablesen, ob die von Ministerpräsident Shinzo Abe propagierte Seite der japanischen Wirtschaft schon zur Geltung kommt und einen ersehnten den Aufschwung eingeleitet hat. Die Zahl der traditionell kurz vor einer Kampfrunde von Männern mit Pokerface in Kimonos um den Ring getragenen Werbeplakate japanischer Unternehmen lasse überdies Rückschlüsse zu, ob die Führungsetagen dieser Unternehmen optimistisch seien und bereit zu investieren, sagt Takumori.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

Takumori interessiert sich besonders für den Ausblick an den Aktienmärkten. Das Prinzip „Abenomics” hat hier eine zwiespältige Bilanz hinterlassen: Nach drei rosigen Jahren zu Beginn der Amtszeit von Abe hatte sich der Nikkei 225 mehr als verdoppelt. Das Jahr 2016 begann allerdings mit schweren Verlusten und so schwach wie bislang noch kein anderes.

„Die Werbetafeln verstehe ich wie die Ampeln an den Hauptraßen - immer wiederkehrende ökonomische Indikatoren”, sagte Takumori, der Chefökonom von Sumitomo Mitsui Asset Management Co. in Tokio. Wer sie beobachte, dem signalisierten sie zumindest, ob die Ampeln auf rot oder auf grün stünden.

Takumori benötigt zur zuverlässigen Trenderkennung etwas Statistik. Das Januar-Turnier hat in den 15 Tagen seiner Dauer 1872 Werbebanner zum Vorschein gebracht, das waren 5,4 Prozent weniger als der bisherige Rekordwert beim November-Turnier in Fukuoka, aber trotzdem der zweithöchste Wert aller Zeiten, wie Takumori betont. Er riet dazu, das Minus nicht überzubewerten, denn einige besonders populäre Wrestler nahmen im Januar verletzungsbedingt nicht teil.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×