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13.03.2012

16:55 Uhr

Wirtschaftswachstum

Deutsche Konjunktur ist nicht zu bremsen

VonDirk Heilmann

Skeptische Prognosen werden dieses Jahr das dritte Mal in Folge von der deutschen Wirtschaft widerlegt. Dank dicker Auftragspolster kehrt bald der Exportboom zurück.

Die deutsche Wirtschaft läuft und läuft. Die Unternehmen haben noch ein dickes Auftragspolster. dpa

Die deutsche Wirtschaft läuft und läuft. Die Unternehmen haben noch ein dickes Auftragspolster.

DüsseldorfDas Jahr 2012 würde ein verlorenes Jahr für die deutsche Wirtschaft, da waren sich die professionellen Prognostiker Ende Dezember noch weitgehend einig. Einer Rezession im Winter werde ein blutleerer Aufschwung folgen. Es schien nur die Frage zu sein, ob bei der Wachstumsrate für das Gesamtjahr ein Minus oder ein Plus vor der Null stünde.

Doch innerhalb weniger Wochen hat sich die Stimmung spürbar gedreht. Der Index des Münchener Ifo-Instituts ist auf recht hohem Niveau dreimal in Folge gestiegen. Der wichtige Frühindikator, der auf einer Umfrage unter 7 000 Unternehmen beruht, zeigt schon für Anfang 2012 eine Trendwende nach oben an. Am Donnerstag kommen die Ifo-Werte für den Februar, und die Ökonomen erwarten einen weiteren Anstieg. Bereits heute stehen die neuen Monatsdaten des Einkaufsmanagerindex an, und auch hier wird ein weiterer Anstieg erwartet. Beide Indikatoren würden damit anzeigen, dass die Unternehmen nach der Konjunkturdelle Ende 2011 wieder voll auf Expansionskurs sind.

Damit hätte die deutsche Wirtschaft im dritten Jahr in Folge skeptische Prognosen vom Jahresbeginn Lügen gestraft. Anfang 2010 hatte kein Beobachter mit einer Wachstumsrate von 3,7 Prozent gerechnet, und auch Anfang 2011 glaubten nur ganz wenige Ökonomen, dass es wieder drei Prozent werden könnten.

Nun beginnen die Bankvolkswirte, ihre Jahresprognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) schon im Februar nach oben zu korrigieren. So erhöhte die Commerzbank ihre Vorhersage von glatt null auf 0,5 Prozent, Goldman Sachs hob sie sogar von 0,1 auf 0,9 Prozent an. „Deutschland ist die größte Überraschung in Europa“, schreibt der Europa-Chefvolkswirt von Goldman Sachs, Huw Pill. Das Land sei wieder klar auf Expansionskurs.

Analysten-Prognose für 2012 (Jahresendstand)

Baader Bank

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

Quelle: Handelsblatt-Kapitalmarkt-Umfrage vom 29.12.2011

Bank Julius Bär

Dax: 6.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,46 $

Bank Sarasin

Dax: 6.800; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

Bankhaus Lampe

Dax: 7.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,38 $

Bayerische Landesbank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,45 $

Berenberg Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,2%; Euro/Dollar: 1,40 $

Bethmann Bank

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,25%; Euro/Dollar: 1,35 $

BHF-Bank

Dax: 6.350; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

BNP Paribas

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,40 $

Citi

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,5%; Euro/Dollar: 1,26 $

Commerzbank

Dax: 6.400; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

DekaBank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,40 $

Deutsche Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,35 $

DZ Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,40 $

Ellwanger & Geiger

Dax: 6.200; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,85%; Euro/Dollar: 1,23 $

Fürst Fugger Privatbank

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,65%; Euro/Dollar: 1,22 $

Haspa

Dax: 6.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 3,0%; Euro/Dollar: 1,30 $

Hauck & Aufhäuser

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,35 $

Helaba

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,45 $

HSBC Trinkaus

Dax: 5.700; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,6%; Euro/Dollar: 1,44 $

JP Morgan

Dax: 6.850; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,0%; Euro/Dollar: 1,38 $

LBBW

Dax: 7.500 (vorher: 6.500); Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,30 $

M.M.WArburg & Co.

Dax: 6.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

National Bank

Dax: 7.000; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,30 $

Natixis

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,2%; Euro/Dollar: 1,35 $

Nomura

Dax: 7.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: k.A.; Euro/Dollar: 1,25 $

NordLB

Dax: 6.100; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,25 $

Postbank

Dax: 7.250; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

Royal Bank of Scotland

Dax: 7.380; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 1,6%; Euro/Dollar: 1,37 $

Santander Cons. Bank

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,8%; Euro/Dollar: 1,35 $

Société Générale

Dax: 5.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,1%; Euro/Dollar: 1,30 $

Syz & Co.

Dax: 6.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,5%; Euro/Dollar: 1,25 $

UBS

Dax: 6.300; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,4%; Euro/Dollar: 1,25 $

VP Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,35%; Euro/Dollar: 1,30 $

West LB

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,7%; Euro/Dollar: 1,40 $

WGZ-Bank

Dax: 6.600; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,3%; Euro/Dollar: 1,30 $

Im dritten Quartal 2011 war das BIP in Deutschland noch um 0,6 Prozent im Quartalsvergleich gestiegen; im vierten Quartal sank es um 0,2 Prozent. Für das erste Vierteljahr 2012 sagt der Handelsblatt-Barclays-Indikator ein schmales Wachstum von 0,1 voraus. Danach könnte das Tempo aber kräftig anziehen: „Ab der Jahresmitte ist – auch aufgrund von Nachholeffekten – wieder mit kräftigen Zuwächsen zu rechnen“, sagt der Konjunkturchef des Forschungsinstituts DIW, Ferdinand Fichtner. Die Handelsblatt-Prognosebörse, die auf den Voraussagen von mehr als 1300 Teilnehmern beruht, zeigt derzeit sogar schon für das zweite Quartal einen Wachstumsschub von 1,2 Prozent an.

Die Deutsche Bundesbank schlägt in ihrem aktuellen Monatsbericht ebenfalls optimistische Töne an. Ihre Volkswirte erwarten ein Wachstum von 0,6 Prozent und begründen das damit, dass sich der Wachstumsprozess schon im Frühjahr fortsetzen werde. Die Unternehmen hätten die Störungen durch die Euro-Schuldenkrise als vorübergehend eingestuft, argumentieren sie. Darum hätten sie – anders als in der Finanzkrise 2008/09 – mittel- und langfristige Investitionsprojekte nicht gestoppt.

Die Zuversicht der deutschen Unternehmen, die sich in vielen Umfragen zeigt, hat ihre Gründe. Als der Exportboom im Herbst einknickte, hatten die meisten Firmen dicke Auftragspolster, die sie nun abarbeiten. Das hilft ihnen über die Durststrecke hinweg. Außerdem sehen sie, dass die Nachfrage aus den Schwellenländern weiterhin stark ist und auch die US-Wirtschaft an Fahrt gewonnen hat. Diese Faktoren helfen ihnen, das schlechtere Geschäft innerhalb der Euro-Zone auszugleichen. Auch sonst hat die Euro-Schuldenkrise positive Effekte für die deutsche Volkswirtschaft: Der Wechselkurs des Euros ist nicht allzu stark, die Zinsen sind für eine Aufschwungphase sehr niedrig, und aus dem Ausland fließt Kapital auf der Suche nach sicheren Anlagen herein.

Kommentare (1)

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14.03.2012, 08:47 Uhr

Wunderschöne Zahlen! Ich hatte mir schon gedacht, daß mein Umfeld etwas aus dem Rahmen fällt. Von Boom sieht man nämlich nichts. Nur von Aufschieben fälliger Reparaturen, von Verfallen öffentlicher Gebäude, vom Schließen kommunaler Bibliotheken und Schwimmbäder. Aufwärts gehts freilich mit den Schlangen vor den Job-Centern....

Nimmt man die Beträge her, die uns als Steuern abgepresst werden, so müßte in der Tat ein Boom herrschen. Jedes Jahr wird uns tiefer in die Tasche gegriffen; immer mehr Milliarden zwangsweise umverteilt. Aber wo geht das Geld hin? Dem Vernehmen nach sind die öffentlichen Kassen leer. Wieso eigentlich? Die müßten knackevoll sein....

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